Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1887)
- Date
- 1887-12-15
- Page
- Seite 796 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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796 fes eine Notiz und forderte den Minister des Innern auf, ihm nach der Rückkehr nach Rußland mündlich darüber zu berichten. Die Sache blieb also liegen, allein Baron Hirsch zog trotz dieser Beleidigung sein Anerbieten nicht zurück und nun hat der Zar die Annahme desselben unterzeichnet. Das Geld wird in der Bank von England eingezahlt, während Baron Rothschild und Baron de Worms als Verwalter der Fonds über die Zinsen (etw 100,000 Lst.) zu verfügen haben. Mann hofft, 100 Schulen für 50,000 Kinder gründen zu können. Rußland. Petersburg, 29. Rov. Der „Cote Europeenne" wird von hier telegraphier „Der Czar geruhte die Spende von 50 Millionen Francs, welche Baron Hirsch bedingungsweise den Gewerbeschulen und den Wohlthätigkeitsvereinen Rußlands zugewendet, zu genehmigen. Die den Betrag von 50 Millionen Francs repräsentirenden Staatspapiere werden sofort bei einem ersten Finanzinstitute deponirt werden. Unter Einem hat auch der Baron Hirsch dem Czar den Betrag von 1 Million Francs mit der Bestimmung zur Verfügung gestellt, denselben nach seinem eigenen Ermessen zu Gunsten von gemeinnützigen Gesellschaften in Rußland zu verwenden. Amerika. Washington, 6. December. (Privatmitth.) Kaum ist am 5. d. der Congreß zu einer neuen Session eröffnet, als Palmer eine Bill ankündigt wegen Einschränkung der Einwanderung. Danach soll jeder Einwanderer durch ein Zeugniß des amerikanischen Consuls seines Heimathdistrictes darthun, daß er des amerikanischen Bürgerrechtes würdig sei, anderenfalls sei er an der Landung zu verhindern. Es ist zu hoffen, daß dieser Versuch die schwierige Einwanderungsfrage zu lösen, im Congresse keinen Anklang findet. Würde ec zum Gesetz, so wäre es der ganzen Natur der amerikanischen Union zuwider und ein erster wirkungsreicher Stoß in das Herz des amerikanischen Lebens. Hat die Einwanderung mancherlei Unbequemlichkeiten im Gefolge, so kann die Union ihrer doch noch nicht entbehren, da noch zu viele ungeheure Landstriche nur eine geringe Bevölkerung haben. Außerdem würde es abermals ein Zeugniß sein, wie weit sich unsere Gegenwart von den Principien der Humanität und der Menschenrechte wieder entfernt hat. Aus diesen Principien aber hat die nordamerikanische Union ihr Dasein geschöpft, und waren sie bisher deren Lebensbedingung. Bonn, 11. December. (Notizen.) Die Antisemiten in Paris hätten gewiß eine große Freude gehabt, wenn bei den jüngsten Vorgängen, durch welche Generäle, Senatoren, Präfekten und andere Beamten, sowie Männer und Frauen aus niedrigem Stande sich in ihrem ganzen sittlichen Schmutze zeigten, auch etliche Juden betheiligt gewesen und compromittirt worden wären. Aber kein einziger Jude figurirt in der großen Liste dieser Verbrecher. Der einzig jüdisch klingende Name, der dabei genannt worden, das Haus der Gebrüder Dreyfuß, gehört keinem Juden an. — Aus Philadelphia meldet man den Tod des Majors Alfred Mordechai, der am 22. October verschied und ein ausgezeichneter Militär und Ingenieur war. Ausgebildet in der Militärschule von West-Point, zeichnete er sich in dem Kriege mit Mexico aus und gehörte zu den drei Abgesandten Amerika's, die dem Krimkriege beiwohnten. Er ist Verfasser des Ordonnanzhandbuches, das im amerikanischen Heere in Gebrauch ist. Obgleich in Süd-Carolina 1804 geboren, nahm er dennoch keinen Antheil an dem Bürgerkriege, sondern zog sich in das Privatleben zurück. — Vor Kurzem wurde in Montreal in Canada der Grundstein zu einer Synagoge für den portugiesischen Ritus gelegt. Bei dieser Gelegenheit gab ein Herr Joseph einen kurzen Bericht über die Geschichte der Juden in Canada. Unter den ersten Ankömmlingen im Jahre 1776 befanden sich die Israeliten Henry Josoph, einer der Begründer der Schifffahrtslinien zwischen Canada und Europa, der Oberst Franck, Adjudant des Generals Washington und Ezechiel Hart, welcher drei Mal in das Parlament gewählt wurde und der seinen canadischen Glaubensgenossen die Gleichberechtigung sicherte. I e u i l i e f o u. Äus meiner Lnabenzeit. v. Diejenigen meiner freundlichen Leser, welche in diesen Erinnerungen aus meiner Knabenzeit etwas über den Bildungsgang entnehmen wollen, welchen ich von frühester Jugend eingeschlagen, über die Verhältnisse und Ereignisse, die einen Einfluß in geistiger Beziehung auf mich übten, werden eS sich schon gefallen lassen, wenn ich auch von Dingen und Begebenheiten erzähle, die an sich keine Bedeutung haben, doch aber auf mich nachhaltig einwirkten. Fahre ich deshalb fort. Die Büchervorräthe nahmen allmälig ab; meine Mutter bezog nicht mehr die Leipziger Messe, aber die Buchhändler