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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-12-15 · Heft 50 (15.12.1887) · p. Seite 792

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 50 (15.12.1887)
Date
1887-12-15
Page
Seite 792 (sequence 8)
Language
German
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792 ander bis zum Sepher, indem der eine den Vortrag schließen mufc, der andere ihn beginnen. Rührende Fortdauer des Gesetzes, Bild seiner Ewigkeit! Soll ich noch von der ernsten Leichenfeier, den heiteren Hochzeitsliedern, von den „Obres" (bei der Geburt eines Knaben) sprechen?" — Die Sammlung der Gesänge geschah nun durch die beiden ausgezeichneten Männer, welche auf dem Titel verzeichnet sind. Der Text unter den Noten ist in lateinischen Lettern nach der portugiesischen Aussprache gegeben. Ein ausführliches Register zeigt uns, wie vollständig die Sammlung sich über alle Theile unserer Liturgie erstreckt. Bei der Originalität dieser Gesänge, welche von den in den übrigen Synagogen gebräuchlichen Melodien abweichen, und bei dem musikalischen Werthe derselben, verdient die vorliegende Sammlung das größte Interesse aller der, welche an der musikalischen Entwickelung in der Synagoge betheiligt sind, ja sogar dec musikalischen Welt überhaupt. Nicht bloß unsere Glaubensgenossen in dem ehemaligen Comtat, sondern allgemein haben wir dem israelitischen Consistorium von Marseille für die Rettung dieser Gesänge vor Vergessenheit und für die schöne Ausstattung der Sammlung besten Dank zu sagen. Das Exemplar der Sammlung kann für 12 Mark von dem Präsidenten des israelitischen Consistoriums (Marseille, 91 me Breteuil) bezogen werden. — Deutschland. Berlin, 5. Der. Die Versammlung bei dem Grafen von Waldersee kann wohl der Ausgangspunkt einer bedeutungsvollen Zukunft werden, und erscheint es uns deßhalb als Pflicht, eine authentische Darstellung an dieser Stelle wiederzugeben, um das richtige Material für spätere Folgen gesichert zu haben. Um allen falschen Gerüchten über die mehrerwähnte Versammlung beim Grafen Waldersee ein Ende zu machen, will die „Kreuzz." mir möglichster Treue den Hergang wie folgt erzählen: „Die in Rede stehende Versammlung hat am 28. Nov. Nachmittags 3 Uhr, auf Veranlassung des Prinzen Wilhelm, in der Wohnung des Grafen Waloersee stattgefunden; der Prinz und die Prinzessin Wilhelm wohnten derselben bis zu Ende bei. Von den Herren, welche der an sie ergangenen Aufforderung zur Theilnahme an der Versammlung Folge geleistet hatten, nennen wir u. a. Staatsmiuister v. Pultkammer und v. Gogler, Herrn v. Klein-Retzow, Graf Kanitz- Schmuggerow, Graf vom Hagen, v. Witmoski, v. Weoell- Piesdorf, General-Superintendent Braun, Präsident Hegel, v. Hansemann, v. Benda, die Commercienräthe Delius (von Bielefeld) und Oechelhäuser (von Dessau), Colsmann (von Langenberg), die Hofprediger Frommel und Stöcker, Pastor Engel (Redacteur des „Reichsboten"), Freiherrn v. Hammerstein; das Einladungsschreiben selbst bezeichnet schon kurz den Zweck der Versammlung, als den einer Besprechung über die Stadtmission. Nach einigen einleitenden Worten des Grafen Waldersee nahm Prinz Wilhelm selbst das Wort, um in ebenso entschiedener wie warm empfundener Rede der Versammlung seine Ueberzeuguug etwa dahin auszusprechen: daß gegenüber den grundstürzenden Tendenzen einer anarchischen und glaubenslosen Partei der wirksamste Schutz von Thron und Altar in der Zuführung der glaubenslosen Massen zum Christenthum und zur Kirche und damit zu der Anerkennung der gesetzlichen Autorität und der Liebe zur Monarchie zu suchen sei. Der christlich-sociale Gedanke sei deßhalb mit mehr Nachdruck noch als bisher zur Geltung zu bringen, und die Stadtmission, nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen großen Städten, welche dieses segensreiche Werk bisher in erster Reihe gefördert haben, bedürfe daher einer kräftigeren Unterstützung als bisher, seitens aller christlich und monarchisch gesinnten Elemente ohne Unterschied der Parteien. Vor allem sei es nöthig, derselben eine gesichertere und breitere finanzielle Grundlage zu verschaffen und, da der Ernst der Zeit festliche Veranstaltungen zu diesem Zwecke, wie er sie ursprünglich vor Jahresfrist schon beabsichtigt habe, ausschließe, so habe er mit Genehmigung des Kaisers diese Versammlung berufen, um über die Mittel und Wege zu berathen, auf welchen das von ihm bezeichnte Ziel in anderer Weise erreicht werden könnte. Nachdem der Hofprediger Stöcker die derzeitigen Verhältnisse der Stadtmission in Berlin und anderen großen Städten eingehend dargelegt hatte, forderte Prinz Wilhelm die anwesenden Herren auf, sich zu äußern. Die Discussion, an welcher der Minister v. Puttkammer, die Herren Graf Kanitz, v. Kleist Retzow, v. Wedell- Piesdorf, v. Benda u. a. sich betheiligten, ergab eine erfreuliche völlige Uebereinstimmung mit den von dem Prinzen bezeichneten Zielen und führte schließlich zur Unterzeichnung eines Aufrufs seitens der anwesenden Herren, welcher demnächst der Oeffentlichkeit übergeben werden soll. Auf den Wunsch des Prinzen Wilhelm wird unter dem Vorsitz des Ministers v. Puttkammer demnächst ein engeres Comitee zu' sammentreten, um über die weiter nothwendig werdenden Maßnahmen zu berathen und dem Prinzen über den Fortgang der SacheBerichtzu erstatten. So der Verlauf der Versammlung."

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