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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-12-15 · Heft 50 (15.12.1887) · p. Seite 791

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 50 (15.12.1887)
Date
1887-12-15
Page
Seite 791 (sequence 7)
Language
German
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lichen Advocaturs- Concipienten sich jede Concurrenz vom Leibe halten und darum haben die oberösterreichischen und die steiermärkischen Concipienten an die Advocateu-Kammern ihrer Länder das Ansuchen gestellt, die Aufnahme jüdischer Concipienten zu verbieten. Während die oberösterreichische Advocatenkammer sich weigerte, diese Petition als verfassungswidrig irgendwie zu unterstützen, hat die steiermärkische dieselbe den Advocaten des Kammerbezirkes privatim zur Würdigung empfohlen. Erstaunlich ist, daß sich dagegen keine Stimme erhob, während es doch in Graz oder sonst in Steiermark sicherlich auch jüdische Advocaten geben dürfte. Zum Verständnisse der mit den hiesigen Verhältnissen nicht vertrauten Leser will ich bemerken, daß jeder Advocat, ehe er seine selbständige Canzlei eröffnen darf, sechs Jahre bei einem andern Advocaten gearbeitet haben muß. Ueberall die Geschichte von Atta Troll: „Nur das Tanzen auf den Märkten sei den Juden nicht gestattet, denn der Sinn für Stil, für strenge Plastik fehlt jener Race". Hier mag noch bemerkt werden, daß die Amtszeitung kürzlich einige Namensänderungen von Juden publicirte. Kohn wurde in Komry, Hirsch in Hartwich und Taussig in Tassony verwandelt. Wir wollen nicht zu strenge darüber urtheilen, wenn jemand einen komisch klingenden Namen wie Barcheles oder den von Franzos erfundenen „Canalgeruch" ablegt; aber einen Namen einfach, weil er jüdisch klingt, oblegen, erinnert uns an den Midrasch: Um dreier Dinge willen wurden die Israeliten erlöst: weil sie nicht änderten ihre Namen, ihre Kleider und ihre Sprache. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 27. Nov. Wir haben heute ein bedeutendes Werk zu besprechen, welches eine außergewöhnliche Bereicherung unserer synagogal-musikalischen Literatur bringt. nnD? nJM Chants Hebra’iques, suivant le rite des communautes israelites de rancien Comtat Venaissin, recueillis et publids sous les auspices de Mr. le Grand Rabbin et du Consistoire de Marseille par Mm. Jules Salomon Cremieu, avocat ä la Cour d’appel d’Aix, ancien batonnier, Docteur en Droit et Mardach^e Cremieu, fils de Hananel Cremieu, d’Aix (Bouches du Rhone). Bekanntlich bildeten die Gemeinden Avignon, Carpantras u. s. w. einen Ritus für sich, über welchen der sel. Zunz im zweiten und dritten Jahrgang dieser Zeitung einen ausführlichen Bericht gegeben. Das Gebetbuch dieser Gemeinden ist wiederholt herausgegeben worden; aber die daselbst gebräuchlichen, nur mündlich überlieferten Gesänge, welche von den Melodien in anderen Gemeinden und Riten sehr verschieden sind und viele Eigenthümlichkeiten besitzen, drohten unter dem Einflüsse der Jetztzeit verloren zu gehen. Im vorliegenden Werke erscheinen sie gesammelt, in vorzüglicher Ausstattung, klein Folio. Auf den Bericht des jetzigen Großrabbiners von Marseille Herrn H. Weyl stellte das Consistorium eine Sammlung an, um die Kosten des Unternehmens zu decken. Wir bezeichnen dasselbe am füglichsten, indem wir folgende Stelle der Einleitung entnehmen: „Diese Gemeinden besaßen in ihrem Schoße hebräische Gelehrte, berühmte Sänger, welche in Poesien, die uns überkommen sind, den Ruhm des Ewigen feierten und den Glauben Israels befestigten, inmitten der Verfolgungen, deren Fanatismus sie bedrückte. Zahlreiche Sammlungen, zuerst als Manuscripte, dann gedruckt, haben uns die Gebete erhalten, welche in diesen Gemeinden gebräuchlich waren; aber, wie Herr H. Weyl, Großrabbiner des israelitschen Consistoriums von Marseille, in seinem Berichte vom 12. April 1885 sehr richtig bemerkt, sind die Melodien der Arba Kehiloth niemals gedruckt oder selbst nur gesammelt worden. Diejenigen, welche sie kennen, nehmen immer mehr ab, drohen zu verschwinden. Es handelt sich darum, so schnell wie möglich an die Erhaltung dieser lieblichen Melodien zu gehen. Der Herr Großrabbiner fügte hinzu: Die Sammlung, welche sie enthalten wird, wird würdig sein, neben denen der Portugiesischen und deutschen Riten zu erscheinen. Sie wird vielleicht den Ehrenplatz einnehmen. Die Gesänge des Comtat haben den Gedanken der Texte, die frommen Ergüsse der Seele wunderbar verstanden, mit einer wirklich musikalischen Begeisterung wiederzugeben. Welche rührende Einfachheit in dem täglichen Gottesdienste! welche Fülle in den am Sabbath und an den hohen Festtagen! Kadeschim mit den tiefen traurigen Accenten, wie sie getreu den Seelenzustand derer malten, welche den Allerhöchsten preisen, indem sie an die Verstorbenen denken. Lecha Dodi erfreut die Versammelten, denn der Sabbath steht vor unseren Thüren. Diesen erwünschten Gast begrüßen wir durch diese abwechselnden Responsen, welche die ganze Kehilah wiederholt. Konnten wir jemals die Jehi Razon, den Seder Abodah von Kippur vergessen und diesen schwungvollen Dialog über das Opfer Isaaks, der dem Schoferblasen vorangeht? Der allerhöchste Richter wird seine Verzeihung einer so beredt ausgedrückten Reue nicht versagen. Die Nakenu, die Piskote der jungen Leute, der Kinder gehen von Mund zu Mund, kommen von allen Reihen und geben den älteren Leuten die süße Gewißheit einer schönen Zukunft für die Religion." „Das Simchath-Torah beendigt den Cyclus der Feste: unsere Thränen begleiteten die so ergreifende gesangliche Erzählung der letzten Momente von Moses, unseres Meisters ... aber nun verlassen alle Gläubigen ihre Sitze, mit Freude eilen sie zu dem Chatan Torah und dem Chatan Bereschit, begrüßen sie mit prachtvollen Gesängen. Mit ihnen machen sie den Umzug durch den Tempel und begleiten sie nach ein-

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