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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-12-15 · Heft 50 (15.12.1887) · p. Seite 786

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 50 (15.12.1887)
Date
1887-12-15
Page
Seite 786 (sequence 2)
Language
German
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786 Sie vermögen, alle Opfer zu bringen, um für Synagoge, Unterricht und Wohlthätigkeit zu wirken, und wissen wohl, daß mit der reinen Lehre des Judenthums die Liebe und der Eifer für Menschenwohl und Menschenglück verbunden ist. Sie meinen nicht, daß die Religion etwas für sich äußerlich Bestehendes ist, von welchem dann Vorschriften und Gesetz erfließen, sondern daß sie innerlich in ihrer Seele besteht und aus diesem Mittelpunkte in ihrem eigenen Geiste auf ihr Thun und Verhalten wärmende und erleuchtende Strahlen ergießt. Diese, wie wir aus der Erfahrung wissen, überall vorhandenen Glaubensgenossen bilden eine stille Gemeinde. Still nennen wir sie, weil sie nicht unter einander verbunden sind, keine äußerliche Vereinigung bilden, eine Gemeinde aber, weil sie im Geiste eine wohlthuende und segensreiche Gemeinschaft hegen. Diese Männer und Frauen machen den Kern der jüdischen Glaubensgenossenschaft aus, und geben uns die Bürgschaft für eine gedeihliche Zukunft ab. Denn niemals bleibt eine solche im Herzensgründe wurzelnde und das ganze Dasein belebende Ueberzeugung ohne Anziehung und Wirkung auf die Umgebung, ohne Leuchtkraft für die Jugend, ohne Vorbild für Freunde und Angehörige. Gerade weil sie unbewußt und ohne alle Herrschsucht ihre» Einfluß übt, schießen aus diesem Stamme viele lebendige Schößlinge. So seid begrüßt, ihr wahren Freunde in Geist und Gemüth, wo Ihr auch weilet, wenn dieses Wort zu Euch dringt! Wir wissen wohl, daß eine solche warme Empfindung, solche Hingebung an Gott und seine Lehre vor den schweren Prüfungen des Lebens nicht bewahrt; aber auch, daß diese Prüfungen sie in ihrer Zuversicht nicht erschüttern, sie zu Zweifel und Unsicherheit nicht gelangen lassen, daß sie ihnen nur um so mehr Widerstandskraft gegen all' die Uebel gewähren, so daß sie in dem Glauben, gerade durch diese Prüfungen werde die Kraft ihrer Ueberzeugung und Tugendhaftigkeit entfaltet, niemals schwanken. Die Samaritaner und -ie Juden. Ein altes Sprüchwort besagt: „Alte Liebe rostet nicht," mindestens ebenso wahr ist jedoch: „Alter Haß rostet nicht"; das Unrecht, die feindselige Gesinnung Pstanzt sich von Geschlecht ans Geschlecht, überdauert die Ursachen und die dazu angethanen Verhältnisse, und zeigt nach Jahrtausenden noch dieselbe Schärft. In seinen Erinnerungen, welche Graf von Schack unter dem Titel: „Ein halbes Jahrhundert" (Stuttgart, 1888) vor Kurzem herausgegeben, berichtet er von einer Reise durch Palästina, daß er auch in Nablus! (Sichem) verweilt und den Priester der Samaritaner besucht habe. Er fand den greisen Mann von ehrwürdigem Ansehen mit herabwallendem Silberbart freundlich und wohlwollend. Er versicherte dem Grafen, daß sie, die Samaritaner, die eigentlichen Abrahamiden und zwar unmittelbar von Joseph abstammend, die Juden ein viel jüngeres Geschlecht seien, welche den Text der 5 Bücher Moses zu ihrem Vortheil vielfach geändert hätten, während sie den echten Text besäßen. Schack fügt hinzu, daß ihm die kleine Schaar der Samaritaner sympathischer sei, als einer der zwölf Stämme Juda's (!), schon wegen der Erzählung vom barmherzigen Samaritaner im Neuen Testament. So wenig Neues der Graf Schack hier mittheilt, so liegen doch in seinen Aussprüchen zwei nicht zu übersehende Momente, welche zwar dem Fachgelehrten kaum auffallen werden, die wir aber doch hier etwas näher zu beleuchten uns veranlaßt fühlen. Denn wie sich der gemüthvolle und phantasiereiche Dichter und Denker, welcher jedoch hier und an anderen Stellen nicht viel Einsicht in die Geschichte verräth, äußert, so wiederholen sich derartige Auslassungen bei den meisten Reisenden. Diesem gegenüber müssen wir vor Allem hervorheben, daß, wenn sich dieser Haß und diese Verleumdungssucht gegen die Juden bei den Samaritanern bis heute fortgepflanzt hat, dies bei den Juden auch nicht im geringsten Maße der Fall ist. Seit 18 Jahrhunderten haben die Juden, welche früher das Gebiet der Samaritaner wie eine Insel umschlossen, diese gänzlich vergessen, und selbst die jetzigen jüdischen Bewohner Palästinas wissen von einer feindseligen Gesinnung gegen das übrig gebliebene kleine Häuflein der Samaritaner nichts. Was nun die Fälschung des hebräischen Textes der 5 Bücher Moses betrifft, so haben die Juden die Untersuchung darüber den Kritikern überlassen, und diese stimmen sämmtlich darin überein, daß es die Samaritaner waren, welche die Veränderungen im Texte absichtlich unternommen haben, daß der samaritanische Text unwiderlegbar seinen jüngeren Ursprung erweist. Zweifel über den geschichtlichen Werth der in den Büchern der h. Schrift über den Ursprung der Samaritaner gegebenen Notizen bestehen nicht, wenn auch die Details nicht immer ganz zuverlässig sind. Der Zwiespalt, welcher zwischen den Reichen Juda und Israel bestand, und daß im letzteren das Heidenthum von Beginn an obwaltete, ist gewiß. Nicht minder, daß die Hauptstadt des Reiches durch den Assyrer» könig Salmanassar (um 720 vor der gew. Zeitr.) erobert und zerstört, die israelitische Bevölkerung nach Assyrien geführt und dafür Colonien aus Assyrien und Medien im Lande Israels gegründet wurden. Zahlreiche Reste der israelitischen Bevölkerung, die im Lande geblieben, vielleicht auch viele Zurückgekehrte, vermischten sich mit den Ankömmlingen und Colonisten, sowohl in Verschwägerung, als auch

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