Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1887)
- Date
- 1887-12-08
- Page
- Seite 778 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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778 volle Aufklärung verbreiten und damit Einblicke in das innere Leben der deutschen Juden ermöglichen, die bisher schmerzlich vermißt sind. Die Bearbeitung hat Herr Privatdocent Dr. Höniger in Berlin, durch seine Forschungen auf diesem Gebiete in weiteren Kreisen bereits bekannt, unter Mitwirkung des Herrn M. Stern in Berlin übernommen. Spätere Bände werden die hebräischen Quellenschriften Zur Geschichte der Kreuzzüge, ferner Alles, was in der synag^galen Poesie des Mittelalters für die Geschichte der Juden in Deutschland sich vorfindet, die kulturhistorisch wichtigen Abschnitte der Entscheidungen deutscher Rabbiner des Mittelalters, sowie die ältesten Gedenkbücher jüdischer Gemeinden (Memorbücher) publiciren. Auf all' den genannten Gebieten haben bereits namhafte Fachgelehrte in Deutschland im Aufträge der Commission ihre Arbeiten seit längerer Zeit begonnen und sind in denselben schon so weit vorgeschritten, daß die Herausgabe einzelner Theile lediglich eine Etatsfrage ist." — Köln, 25. November. (Privatmitth.) Bei der diesjährigen Stadtverordnetenwahl haben die Liberalen in der zweiten Abtheilung zwei Sitze verloren. Bei dem einen galt es die Wiederwahl des Herrn Bachem, eines der Redacteure der „Kölnischen Zeitung". In einer öffentlichen Wählerversammlung der liberalen Partei zeigte sich schon eine für den genannten Herrn ungünstige Meinung. Ein Bertheidiger desselben deutete darauf hin, daß die jüdischen Wühler doch wohl für Bachem wegen seiner Stellung zur Köln. Zeitung stimmen müßten. Da trat ein jüngerer israelitischer Kaufmann auf und behauptete, daß gerade das Gegentheil stattzufinden habe. Er wies darauf hin und führte Thatsachen an, wie die „Köln. Ztg." dem Antisemitismus ausdrücklich Vorschub leistete und diesen durch Correspondenzen und Notizen absichtlich fördere. Aus diesem Grunde, und da sich so in der liberalen Partei Unzufriedenheit mit Herrn Bachem zeige, würden die jüdischen Wähler gegen Herrn Bachem stimmen. Und so geschah es auch. Es war hier ein Fall, wo die Abwehr der Juden gegen den Antisemitismus mit! ihrem liberalen Parteigewissen in keinen Zwiespalt kam. Frankfurt a. M., im November. Die hiesige israelitische Gemeinde genießt den wohlverdienten Ruf der Wohlthätigkeit, welche sich besonders in der Herstellung und Unterhaltung zahlreicher Wohlthätigkeitsanstalten bewährt. Aus den diesjährigen Berichten einiger derselben heben wir Folgendes heraus. Die „Stiftung für gebrechliche und verwahrloste israelitische Kinder" erhielt vom 31. October 1886 bis dahin 1887 an Geschenken 7291 M., an Jahresbeiträgen 440 M. Die Gabe der Baronin M. C. von Rothschild in Höhe von 5000 M. wurde im Sinne der Spenderin dem Capitalfonds zugewiesen, der nunmehr 13,000 M. beträgt. Tie Ausgaben beliefen sich für 17 Kinder auf 2194 M. I Die Anforderungen konnten nur in kleinstem Maße befriedigt werden. Die Verwaltung ersucht im Namen der unglücklichen Kinder dringend um Zutritt neuer Mitglieder (bis jetzt nur 46) und Zuwendung von Gaben. Die Verwaltung besteht aus den Herren Jac. Ph. Oppenheimer, Adolf L. A. Hahn, Direetor Dr. Bärwald, Dr. med. Blumenthal, Jos. Baer, A. Durlacher, welche Herren gern Geschenke für die Stiftung entgegennehmen. Der „israelitische Hülfsverein" (Verein zur Beschränkung des Wanderbettels) versendet seinen 5. Jahresbericht. Die Zahl der Mitglieder beträgt 303; sie zahlen etwa 9000 M. Beiträge. Die dem Verein zugegangenen Geschenke beliefen sich auf. 6600 M. Aus dem Almosenfonds wurden 1645 Personen (gegen 1778 im Vorjahr) mit 6806 M. (gegen 8548 M.) unterstützt und befördert. Der Specialfonds verausgabte für dringende hiesige Fälle 11,118 M. Der Verein hat auch die allmonatliche Vertheilung seitens des Rosch- Chodesch-Vereins unter seine Controle genommen, letzterer zählt etwa 190 Mitglieder und vertheilt monatlich ungefähr 600 M. Karlsruhe, 27. November. (Privatmitth.) Wir berichteten früher, daß der großherzogliche Oberrath der Israeliten ein „Verordnungsblatt" je nach Bedürfniß herausgiebt. Jüngst erschien Nr. V vom 17. November. Dieselbe enthält ein Circularschreiben an sämmtliche Rabbinate und Synagogenräthe des Landes, das vom nächsten Sabbath an bis auf Weiteres bei dem Sabbath-Morgengottesdienst dem vorgeschriebenen Synagogengebete für den deutschen Kaiser und den Großherzog die weiterhin mitgetheilte Fürbitte für den Kronprinzen des deutschen Reiches beigefügt werde. Das Gebet selbst ist tief empfunden und aus wahrhaft bewegtem Herzen geflossen. — Es folgt dann eine Verfügung an sämmtliche Rabbinate des Landes, betreffend die Aufsicht über den israelitischen Religionsunterricht. Die Verfügung bekundet die aufrichtige Fürsorge, welche der Oberrath für den Religionsunterricht hegt, und lautet: i „Die Rabbiner in ihrer Eigenschaft als Aufsichtsbeamte und Prüfungscommissäre für den israelitischen Religionsunterricht werden veranlaßt, künftighin außer den nach diesseitiger Verordnung vom 1. Juni 1863 (Beilage zum Verordnungsblatt von 1885, Seite 33) zu erstattenden einzelnen Vorlagen jeweils auf 1. October einen Generalbericht hierher einzusenden, welcher einen übersichtlichen Nachweis enthält, in welchen Gemeinden im Laufe des betreffenden Jahres Religionsprüfungen vorgenommen wurden, und, sofern dieselben nicht auf alle Gemeinden des Dienstbezirkes sich erstreckten, Aufschluß darüber giebt, aus welchen Gründen an einzelnen Orten die Prüfung unterblieben ist. Gleichzeitig soll ber Bericht sich darüber aussprechen, ob bei den vorgenommenen Prüfungen allgemeine oder speeielle