Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1887)
- Date
- 1887-12-08
- Page
- Seite 777 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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777 sind die Herren Dr. Ludwig Philippson in Bonn und Alexander Werthauer in Leipzig. Die Herxheimer-Stiftung hat im Sommer-Semester 20 Zöglinge von Lehrerbildungsanstalten mit einem Betrage von 635 Mk. unterstützt. Es ist zu bedauern, daß die Sammlungen, welche in einzelnen Bundesgemeinden für diese Stiftung unternommen werden, einen alljährlich kleineren Ertrag liefern. Es ist dieß die einzige Abtheilung des D. I. G. B., welche in Bezug auf den Umfang ihrer Thätigkeit einen Rückgang zu verzeichnen hat, was um so mehr zu beklagen ist, als die Gesuche von Halbjahr zu Halbjahr in vermehrter Zahl einlaufen. Wir möchten daher unsere Freunde recht dringlich bitten, uns bei diesem Hilfswerke nicht zu verlassen. Die Ausbildung von Lehrern ist für die sittliche Hebung unserer Jugend von so bedeutender Wichtigkeit, daß kein Wort darüber gesagt zu werden braucht. Junge Leute aus wohlhabenden Familien widmen sich leider dem entsagungsvollen Stande des Lehrers nicht, und so ist es die doppelte Pflicht der Wohlhabenden hier helfend einzugreifen. In 16 Gemeinden wird mit unserer Hilfe Religionsunterricht ertheilt, indem wir theils Wanderlehrer besolden, theils den Gemeinden, welche aus eigenen Mitteln einen Beamten nicht anstellen können, hierzu Beiträge gewähren. Es braucht nicht erst hervorgehoben zu werden, daß die Wahl des Lehrers durchaus der betreffenden Gemeinde überlassen bleibt, nur darauf sieht der D. I. G. B., daß der Lehrer seminaristische Bildung besitze, und daß der Unterricht in Bezug auf Methode und Erfolg einer regelmäßigen Inspektion unterworfen werde, wobei die Person des Inspektors ebenfalls von der Gemeinde vorgeschlagen wird. Zu unserer großen Freude haben sich die Ausgaben für Handwerkslehrlinge vermehrt, wenn auch leider ein Wachsthum der Einnahmen für diesen Zweck nicht in gleichem Maße stattgefunden hat. 22 Lehrlinge werden zur Zeit vom Gemeindebunde unterstützt. Diese Zahl dürfte Manchem gering erscheinen, findet jedoch erst dadurch ihre richtige Schätzung, daß der D. I. G. B. nur in solchen Fällen eingreift, wo die Mittel der zahlreich bestehenden Lokalvereine zur Förderung des Handwerks unter den Juden nicht ausreichen. Unseren Lehrlingen werden durch ihre Pfleger (Borsteher, Rabbiner, Lehrer) monatliche Stipendien ausgezahlt. Zugleich überwachen die Pfleger das sittliche, religiöse Verhalten der Knaben, ihre technischen Fortschritte und sorgen für den Besuch der Fortbildungsschulen. Die Berichte, welche wir in regelmäßigen Zeiträumen erhalten, lauten sehr erfreulich. Zwei der Knaben, Steinmetzlehrlinge in einer pommerschen Bundesgemeinde, sind bei einer Ausstellung von Zeichnungen von dem dortigen Magistrat öffentlich belobt und alsdann von uns prämirt worden. Von den unter unserer Obhut stehenden Knaben haben 6 bereits die Lehrzeit beendet. Der D. I. G. B. wird es sich angelegen sein lassen, auch während der Gesellenzeit seine bisherigen Schützlinge im Auge zu behalten. Ein besonderer Bericht wurde aus der „historischen Commission für Geschichte der Juden in Deutschland" erstattet, welchem wir, so weit er die Arbeiten der Commission betrifft, Folgendes entnehmen: Die „Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland", welche von der historischen Commission herausgegeben, im Verlage von Schwetschke & Sohn in Braunschweig erscheint, hat in dem einen Jahre ihres Bestehens sich ebensowohl die Gunst eines bedeutenden Leserkreises zu erwerben gewußt — wie dieß die große Anzahl der Abonnenten beweist —, als auch bei den Fachmännern und in den historischen Zeitschriften ungetheilte Anerkennung gefunden. Der Inhalt der hier erschienenen Aufsätze und Notizen hat schon manch' werthvollen Beitrag zur allgemeinen deutschen Geschichte geliefert. Von den „Regesten zur Geschichte der Juden in Deutschland" ist das erste Heft fertig gestellt und wird in den nächsten Tagen herausgegeben werden. Diese „Regesten zur Geschichte der Juden in Deutschland" stellen alle in Urkunden, Briefen, Gesetzen, Concilbeschlüssen, Gedichten, historischen, theologischen und sonstigen wissenschaftlichen Schriften, epigraphischen und numismatischen Denkmälern überlieferten Zeugnisse über jüdische Dinge bis zum Jahre 1273 in chronologischer Ordnung übersichtlich zusammen und schaffen dadurch die unerläßliche Grundlage für eine wissenschaftlich erschöpfende Darstellung der Geschichte der deutschen Juden. Die Bearbeitung dieser Regesten wird unter Leitung des Herrn Professor Dr. H. Breßlau und von Herrn Dr. I. Aronius in Berlin ausgeführt. Die von der historischen Commission in Angriff genommene Sammlung von „Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland" soll bisher unbekannte oder mangelhaft bekannte hebräische Texte durch zuverlässige kritisch-philologische Bearbeitung durch die Beigabe einer deutschen Uebersetzung sowie eines historischen Commentars zn einem Gemeinbesitz aller deutschen Historiker und aller derjenigen machen, die sich für jüdische Geschichte interessiren, während sie bisher nur dem kleinen Kreise derjenigen, welche der rabbinischen Sprache des Mittelalters mächtig sind, zugänglich waren. Der erste Band dieser Quellen, welcher noch in diesem Jahr zur Ausgabe gelangt, enthält das Judenschreinsbuch des Stadtarchivs zu Cöln, eine in ihrer Art einzige Sammlung von lateinischen und hebräischen Urkunden aus den Jahren 1236—1341, welche, bisher nur zu kleinstem Theile bekannt, über die Grundbesitzverhältnisse, die Gemeindeverfassung, die rechtliche Entwickelung, die Statistik einer der ältesten und im Mittelalter angesehensten jüdischen Gemeinden Deutschlands werth- 49