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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-12-08 · Heft 49 (8.12.1887) · p. Seite 776

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 49 (8.12.1887)
Date
1887-12-08
Page
Seite 776 (sequence 8)
Language
German
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776 fa^wcp'VKXC fy'ü'C . Deutschland. Bonn, 30. Nov. (Privatmitth.) Priester Sebastian Brunner in Wien gesellte sich jüngst ein jüdischer Religionslehrer Brüll in Frankfurt a. M., um Schmähungen gegen uns loszulassen. Wir verachten solche, von uns nicht veranlaßten und in einer sich selbst genugsam charakterisirenden Weise, vorgetragenen Jnvectiven zu sehr, um unsere Leser damit zu behelligen und jene der Widerlegung werth zu erachten. Berlin, 27. November. (Privatmitth.) Wie es zu geschehen pflegt, wenn zu einem befiimmfcen Zwecke verbundene Parteien Fiasco gemacht, sie sich gegenseitig als die Ursache desselben anschuldigen, so jetzt nach den Communalwahlen. Auffallend ist nur, daß früher die Nationalliberalen den durch antisemitisch sei und sie muß es doch wissen, und daß ihr Mißerfolg bei den Berliner Stadtwahlen dem Berliner Zu dem katholischen 1 Judenthum zu danken sei. Berlin, 28. Nov. (Privatmitth.) Die Nummer 18 der „Mittheilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde" enthält den Bericht, welchen der Vorsitzende Geh. Sanitätsrath vr. Kristeller in der Ausschußsitzung v. 23. Oct. l. I. erstattet hat. Was uns aus diesem Berichte von allgemeinem Interesse erscheint, geben wir hier wieder: „Was die einzelnen Abtheilungen des D. I. G. B. anbetrifft, so ist in erster Linie unsere Friedrich-Wilhelm^Victoria- Stiftung als die an Vermögen und Arbeitsumfang bedeutendste derselben zu erwähnen. Die Stiftung verfügt über einen Capitalfonds von ungefähr 65,000 Mk. Bereits hat der Betrag, mit welchem jüdische Gemeindebeamte unter Hilfe Conservativen vorwarfen, diese hatten durch die Begünstigung! der Stiftung bei der Gesellschaft „Victoria" versichert sind, der Antisemiten den Mißerfolg bewirkt, diesmal die Confer-! die Höhe von 714,500 Mk. erreicht. Der Theil dieser Vervativen den Nationalliberalen vorwerfen, sie wären durch die Zurückweisung der Antisemiten die Urheber des Fiasco gewesen. Wie bekannt, ist dies insofern unwahr, als die Cartelparteien allerdings den Antisemiten unter sich Raum gegeben: war doch Cremer ein Leiter der Wahlbewegung gewesen. Die Kreuzzeitung sagt geradezu: „Der wirkliche Conservative ist durch und durch antisemitisch und sieht in den Nationalliberalen die offenen oder geheimen Schildträger des Berliner Judenthums". Dann haben diese „Schildträger" wenig Lohn von den Rittern gehabt, denen sie die Waffen nachgetragen, denn in der zweiten Abtheilung haben die jüdischen Wähler nicht wenig zum Erfolge der Freisinnigen beigetragen. Also der wirkliche Conservative ist durch und durch antisemitisch — merkt euch dies, die ihr noch immer den Schmeichelworten traut, welche in der Stunde der Entscheidung von den Lippen der Conservativen fließen! Aber diese Conservativen nach dem Herzen der „Kreuzzeituug" sind doch noch etwas mehr als antisemitisch, sie sind auch die Agrarier, welche dem Volke Brod und Branntwein nicht genug vertheuern können, unter dem Vorwand, die Landwirthschaft befinde sich in der Noth. Nun sieht man unter diesen Conservativen keinen einzigen Bauern, sondern nur Großgrundbesitzer, welche Getreide bauen und Branntwein brennen, nun aber die Erhöhung ihrer Renten und durch diese die Steigerung des Bodenwerthes im Sinne haben. Erstehen nun hieraus sociale Uebelstäude, so wollen sie dem Volke weiß machen, diese Nebel kämen nur durch die Juden. Hierzu treibt sie auch ihre dritte Eigenschaft, nämlich daß sie die „Frommen" spielen, die sich durch ihr Gewissen zur Verfolgung der Juden angetrieben fühlen. Deshalb behauptet die Kreuzzeitung, daß jeder wirkliche Conservative durch und sicherungssumme, für welchen die Prämien aus den Mitteln der Stiftung entrichtet werden, beträgt 148,700 Mk. Nach zwei Seiten hin ist dieses Resultat ein recht erfreuliches zu nennen. Einmal ist es der Stiftung gelungen, durch ihre Zuschüsse die Versicherungsprämie für unsere Beamten um 2(w/o durchschnittlich billiger zu gestalten; dann aber ist es gewiß ein schönes Zeichen für die sittliche Höhe dieses Standes, daß er sich selbst für die Sicherstellung seiner Zukunft das Opfer anferlegt, 4/5 des Betrages (über 20,000 Mk. jährlich) aufznbringen. Die Zahl der bei der „Victoria" durch die Stiftung versicherten Beamten beträgt an 200. Hierzu kommen noch 53 Fälle, in denen die Friedrich-Wilhelm-Victoria-Stiftung für Mitglieder von Lehrerkassen die Jahresbeiträge entrichtet. Ueberhaupt ist es unser Bestreben, nach Kräften dahin zu wirken, daß unsere Gemeindebeamten neben der Fürsorge für ihr Alter und für ihre Hinterbliebenen sich auch gegen die Folgen der Arbeitsunfähigkeit durch Benutzung der zahlreichen Lehrerkassen (staatlichen und freiwilligen) versichern. Zu bedauern bleibt hierbei nur, daß diese letzteren segensreich wirkeudeu Kassen nicht alle gleichmäßig gedeihen. Es mag hieran die Verschiedenartigkeit der Verwaltung, der Aufnahmebedingungen, der Beitragspflicht u. s w. einen großen Theil der Schuld tragen. Eine Einheitlichkeit in dieser Hinsicht würde viel Segen bringen. Für die Philippsou-Stiftung (Fonds 9000 Mk.), welche auch in diesem Jahre nach ihren satzungsmäßigeu Bestimmungen Lehrern behufs Eintritt in die bestehende Lehrerkassen und in Fällen besonderer Noth Hilfe geleistet hat, haben wir durch die Wahl des Herrn Isidor Simon in Hamburg zum Curator eine neue schätzbare Verwaltungskraft gewonnen. Die beiden anderen Mitglieder des Curatoriums

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