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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-12-08 · Heft 49 (8.12.1887) · p. Seite 771

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 49 (8.12.1887)
Date
1887-12-08
Page
Seite 771 (sequence 3)
Language
German
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771 Der Leser selbst möge sich aus den von mir gebrachten Thatsachen sein eigenes Urtheil bilden, ich werde mich bloß bemühen, diese so zweckmäßig als möglich zu ordnen, wobei ich leider befürchte, meinen Absichten nicht gerecht werden zu können. Die leidenschaftslose Unparteilichkeit, die Selbstlosigkeit der Bestrebungen, sowie die mir zu Gebote stehenden Materialien, werden das Urtheil meiner Leser zu meinen Gunsten bestimmen." Herr Lapuya hatte über diesen Gegenstand einen Brief an die Redaction der Revista de Geografia Commercial erlassen, und erhielt darauf ein Schreiben eines Herrn H. Bidjarano, eines spaniolischen Israeliten, in altcastilischer Sprache, das hier in Uebersetzung abgedruckt werde, da es viel Interessantes enthält. Es lautet: „Sehr geschätzter und geehrter Herr: es ist mir unmöglich, die Freude zu beherrschen, die mir das Lesen Ihres werthen Briefes vom 27. März bereitet hat, aus welchem hervorgeht, daß in Madrid glücklicher Weise die großmüthige Idee angeregt ist, eine Agitation im Sinne der Annäherung zwischen Spanien und den spanischen Israeliten im Orient zu beginnen. Ich bedaure es sehr, nicht den Charakter zu besitzen, der erforderlich ist, um Ihnen zu schildern, wie sehr diese Nachricht die Herzen meiner Glaubensgenossen in dieser Stadt erfreut und in denselben die Liebe für ihr altes Vaterland und die süßen Erinnerungen an jenes Land wieder erweckt hat, wo sie^so gebildete und aufgeklärte Männer, wie den großen Philosophen Maimvnides, den erhabenen Gelehrten Abraham Jllo und viele andere zu den Ihrigen zählten. Jenes schone Spanien, das einst die Wiege unserer ersten Persönlichkeiten, der Sitz der Wissenschaft und Gelehrsamkeit unserer Brüder, die zärtliche Mutter der Israeliten war, die in ihrem wohlthätigen Schoße lebten, und später sich in die grausame Stiefmutter verwandelte, welche, auf ungerechte Anschuldigungen hin, ihre Söhne zur Gefangenschaft verurtheilte, aus welcher sie sich noch heute - nicht befreit haben. Diese Unglücklichen verloren zuerst ihren Charakter, dann ihre Literatur und stehen schließlich auf dem Punkte, auch ihre Sprache, die schönste aller Sprachen, zu verlieren. Ah, welch' fühlendes Herz erbebt nicht vor Kummer, wenn es sieht, daß wir uns häufig nur mit Schwierigkeit vermittelst unseres Dialektes den Spaniern verständlich machen können, weil wir uns genöthigt gesehen haben, das reine Spanisch mit einer großen Zahl exotischer Worte und Ausdrücke zu versorgen. Alles das schreibe ich der großen Entfremdung zu, welche bis jetzt zwischen Spanien und unseren spanischen Brüdern des Orients bestand, eine Entfremdung, die uns unberechenbares Uebel zugefügt und uns in schreckliche Trübsal und völliges Elend gestürzt hat. Die Philanthropie verwischt alle Grenzen und folglich bedeutet die Entfernung zwischen uns und den Spaniern in Spanien nichts. Welche Mittel könnten in Anwendung gebracht werden, um unser Ziel zu erreichen? Soweit es mich betrifft, wäre es mir angenehm, mit denjenigen, welche sich für ein so heiliges Werk interessiren, regen Briefwechsel zu unterhalten. Nothwendig ist es indessen, daß man mir in leichtem und einfachem Stil schreibt, damit meine Glaubensgenossen das Geschriebene verstehen können. Ich bin bereit allen spanischen Publicisten, welchen die Judenfrage sympatisch ist, an die Hand zu gehen. Bor einiger Zeit schlug ich mehreren Publicisten von meinen Glaubensgenossen vor, Schriften in reinem Spanisch, mit Erklärungen am Rande, zu veröffentlichen, um dadurch unsere Beziehungen mit Spanien zu befestigen und inniger zu gestalten. Die verständnißvollen spanischen Publicisten thun wohl, sich der Verbreitung des echten spanischen Stiles im Orient zu widmen, denn auf diesem Wege gelangt man zweifellos zu guten Resultaten. Ich wünschte, daß Sie mir anriethen, was wir unsererseits thun könnten und bitte Sie mit der spanischisraelitischen Presse zu rechnen. Ich ersuche Sie, werther Herr, mir ausführlich mitzutheilen, was man in Madrid hinsichtlich der guten Beziehungen zwischen Spanien und den Juden des Orients thut, oder zu thun beabsichtigt. Das edle spanische Blut, das in unseren Adern rollt, drängt uns und läßt uns verzweifeln, so bald als möglich alles zu wissen, was in diesem Sinne gethan wird." (Fortsetzung folgt.) Wien, im November 1887. „Juden und Indogermanen". Von Hg. (Schluß.) Nachdem Herr de Lagarde, wie gesagt, über die eigentlichen Aussetzungen des Recensenten mit Leichtigkeit hinweggeschlüpft ist, widmet er volle 24 Seiten seiner Schrift, um eine Aeußerung Techen's zu rechtfertigen, die diesem Niemand übelgenommen hat. Hätte Techen über Zunz nichts weiter gesagt, als daß dessen Uebersetzungen nicht poetisch seien, so hätte kein Mensch daran Anstoß genommen. Zunz selbst hat gewiß nicht prätendirt, ein Dichter zu sein; überhaupt steht in Geschmacksachen Jedem das Urtheil frei, und so wenig ich mir das Recht verkümmern lasse, die nachstehenden Verse de Lagarde's (Deutsche Schriften I. 58) „Ich stand auf Deck in lauer Nacht: „Eintönig murmelte das Meer. „Vorüber lautlos glitt ein Schiff: „Nun Schlummerstille wie vorher. „Es peitschte derSturm mir den Schnee insGesicht: „Auf bäumten die Wogen sich schwarz und schwer." 48*

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