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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-12-01 · Heft 48 (1.12.1887) · p. Seite 760

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 48 (1.12.1887)
Date
1887-12-01
Page
Seite 760 (sequence 8)
Language
German
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760 geht, mit frischem Muthe der Spieß umgedreht, die Kritik der „drei Juden" verächtlich genannt und behauptet, Techen habe das Beanstandete ebensowenig zu wissen gebraucht, wie de Lagarde selbst. Angenommen, das wäre richtig, obwohl der oben citirte Satz das Entgegengesetzte postulirt: aber durfte er, der Schüler, sich dann erdreisten, so über den Meister auf diesem Gebiete zu sprechen, von dem er nur deßhalb nicht mehr gelernt hat, weil er für das Studium seiner Schriften nicht genügend vorbereitet war? Wahrlich, der große Lehrer und der kleine Schüler beide hätten von den „zugereisten Juden" noch mancherlei zu lernen. Wir „Asiaten" prägen uns täglich in unserem Morgengebete den Satz ein: „Stets sei der Mensch gottesfürchtig ohne Ostentation, und gestehe es wahrheitsgemäß zu, wenn er überwiesen wird," und wiederholen uns jeden Sabbath während der Sommermonate die Lehre- „Wer von einem Anderen einen Abschnitt, einen Satz, ja auch nur einen Buchstaben gelernt hat, ist verpflichtet, ihm mit Ehrerbietung zu begegnen." (Schluß folgt) Bonn, 28. Nov. Arber Feuerbestattung. Vor einigen Jahren war die Feuerbestattung zu einer vielfach erörterten Frage geworden. Wir wiesen damals in niehreren Artikeln nach, daß vom jüdischen Standpunkte aus die Feuerbestattung unzulässig sei. In der That haben seitdem kaum vier oder fünf Juden die Feuerbestattung vor ihrem Tode gewählt. Der wesentliche Grund, welchen die Freunde der Feuerbestattung geltend machten, war die Gesundheitschädlichkeit der Beerdigung, da durch die Verwesung der Leichen auf den Friedhöfen die Brunnen vergiftet und die Luft mit Miasmen erfüllt werden. Unsere Zeit hat jedenfalls darin einen Vorzug, daß sie jede Ansicht, und sei sie noch so lange gehegt, untersucht und prüft, inwieweit sie mit der Wirklichkeit übereinstimme. Deßhalb hat man die Hhgieinischen Einflüsse der Friedhöfe einer sorgfältigen Prüfung unterworfen, und das Resultat war, daß die gesundheitsschädlichen Wirkungen der Friedhöfe als durchaus unerwiesen, als ein Borurtheil erkannt wurden. Durch Herrn vr. Lehmann, praktischen Arzt zu Fürth, werden wir hierüber auf Folgendes aufmerksam gemacht. Die Münchner medicinische Wochenschrift Nr. 41, Seite 806 enthält aus dem IV. internationalen Congreß für Hygieine und Demographie zu Wien 1887 in einer Rede von Pettenkofer's, über den hygieinischen Unterricht an Universitäten und technischen Hochschulen, nachdem er zuerst über manche unbegründete medicinalpol. Verordnungen gesprochen, folgende Ausführnng - „Wie leichtgläubig hat man einst die Ursachen großer Sterblichkeit in den Gräbern der Verstorbenen, in den Friedhöfen gesucht! Seit man aber Wasser, Luft und Boden auf den Friedhöfen genauer untersucht und über Morbidität und Mortalität in der Nähe derselben genauere Rechnung führt, ist man ganz anderer Ansicht geworden. Das Wasser aus Brunnen, welche auf Friedhöfen gegraben sind, findet mau in der Regel viel reiner, als das aus Brunnen in der von Lebenden bewohnten, sonst gleichbeschaffenen Umgebung. Miguel hat in verschiedenen Friedhöfen von Paris Röhren in den Boden geschlagen, die Gräberluft angesaugt und sie stets frei von Mikroorganismen, nicht nur von pathogonen, sondern auch von sonstigen Spaltpilzen gefunden. Ein großes Verdienst um diese Frage hat sich bekanntlich das sächsische Landesmedicinalcollegium unter Reinhard's Leitung erworben, als es die vielfach behauptete Gcsundheitsschädlichkeit der Begräbnißplätze durch das ganze Königreich Sachsen untersuchen ließ. An dieser Untersuchung betheiligten sich sämmtliche Bezirksärzte des Landes, von welchen vorher gewiß viele in ihren Gutachten oft genug sich ans die bekannte Schädlichkeit der Friedhöfe berufen hatten, aber Professor Hofmann und Medicinalrath Siegel aus Leipzig haben bei der Versammlung des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege, welcher vor einigen Jahren hier in Wien tagte, zum Erstaunen Vieler, vielleicht auch zum Aerger Einzelner, als Resultat mitgetheilt, daß mau von keinem einzigen Friedhofe in Sachsen, welcher einem, wie gewöhnlich, geregelten Betriebe unterlag, eine Gesundheitsschädlichkeit nach irgend einer Richtung Nachweisen konnte."') 1) Auch hier in Bonn, wo auf beiden Seiten des städtischen Friedhoses sich Straßen mit zahlreichen Häusern befinden, hat sich dasselbe Resultat erwiesen. Die Feuerbestattung wird hiernach nur Geschmackssache. evt. Deutschland. Bonn, 20. Nov. (Privatmitth.) Wir brauchen wohl kaum von dem tiefen Schmerze und Mitgefühl zu sprechen, welche alle Deutschen jüdischer Religion mit ihren gesammten Mitbürgern über die Krankheit des deutschen Kronprinzen und die wenig tröstlichen Aussichten empfinden, die die Aerzte hinsichtlich des Ansganges eröffnen. Aus diesen Empfindungen heraus, welche in den deutschen Juden so sehr gerechtfertigt find, habe» viele jüdische Gemeinden aus eigener

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