Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1887)
- Date
- 1887-12-01
- Page
- Seite 754 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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754 nalen Gottes corrigirte, den Eigennamen unterdrückte und ihn dahin zurückführte, daß er nur ein Synonym von Elohim sei" (p. 85). Nein, ebenso wie die Aussprache, die Renan für den vierbuchstabigen Namen Gottes wählt, ist auch die Bedeutung, die er ihm beilegt, eine ganz verkehrte. Man soll Gott einen Eigennamen geben, ihn aber das Volk niemals aussprechen lassen, so daß der Name völlig vergessen wird! Das ist rein lächerlich! Wir müssen übrigens diesen Punkt im Auge behalten, weil auf ihm so Vieles in der Betrachtungsweise der Geschichte Israels bei Renan wie bei anderen, welchen er nachfolgt, beruht. Ueber die nächsten Capitel gehen wir hinweg, weil sie doch nur einige Ausführungen der in den vorhergegangenen abgehandelten Gegenstände enthalten. Renan verfolgt hier seine Methode, die geschichtlichen Berichte der h. Schrift an sich für unhistorisch, ihr„Colorit" jedoch für wahr zu halten, und aus den von der Schrift entworfenen Bildern die Züge herauszuwählen, welche ihm für seine Hypothesen Passen. Er setzt also voraus, daß der Urheber jener Erzählungen das Bild der Vorzeit genau vor der Seele gehabt und nun die Gestalten in dieses Bild hineingeformt und hineingesetzt habe. Hiermit stößt er nach rechts und links an, denn weder die Gläubigen, noch die Kritiker können sich hiermit einverstanden erklären; sie werden vielmehr beide die Arbeit Renans und seine ganze Methode für willkürlich erachten. Was jedoch unserer Meinung nach noch schlimmer ist, Renan kann auf diese Weise nur ein unklares, verworrenes Bild liefern, so daß er seine Ansichten nicht mit Glück durchzuführen vermag. Man sehe z. B. wie er die Bildung der Stämme erklärt, den vorausgesetzten Uebergang der Hebräer von der aramäischen zur hebräischen Sprache nicht deuten kann und wie er nicht bloß die Beschneidung und eherechtlichen Bestimmungen, sondern auch die mosaischen Speisegesetze in die patriarchalische Zeit versetzt, und endlich aus den Zeiten der Propheten schon für diese entlegene Epoche das Bestehen einer puritanischen Genossenschaft gegenüber der Neigung der Masse, heidnische Gebräuche von den Nachbarvölkern anzunehmen, acceptirt. Er sagt: „Eine Religion ohne Dogma, ohne Buch und ohne Priester ist nothwendig den Einflüssen von Außen sehr zugänglich. So ließen die alten Hebräer mit einer Leichtigkeit, welche die ernsten Männer energisch tadelten, die Riten der benachbarten Völker zu." In der Entwickelung dieses Gedankens gelangt er bis zu einer puritanischen Genossenschaft, roelche die Hebräer vor dem völligen Versinken in das Heidcnthum bewahrt haben soll. Man sieht, daß Renan selbst hier dahin verfällt, den zeitweisen Erscheinungen eine reale Gestalt zu insinuiren, und zwar alles dies, um der patriarchalischen Zeit aus den späteren Zuständen der Israeliten einen streng monotheistischen Charakter zuzuschreiben. So gelangt er dahin, das was die Schrift als das Verdienst der Erzväter anfstellt, ins Ungewisse hinein einer Schicht des Volkes zuzuschreiben. Das Resultat ist dasselbe, aber der Weg zu ihm wird unter der Hand Renans unsicher und schwankend. Und doch thut er dies niit einer bestimmten Absicht, nämlich um die mosaische Periode bei Seite zu schieben und die Ausgestaltung des Monotheismus einer späteren Zeit zuschreiben zu können. Wie gesagt, dies ist keine Kritik, sondern eine willkürliche Formirung der Geschichte nach eigener Phantasie. Die Bedeutung dieses Vorganges liegt darin, daß ein Zwischengebiet zwischen der zersetzenden Kritik und der Annahme historischer Glaubwürdigkeit für die Darstellung der h. Schrift gefunden werde. Dies ist aber doch nur ein Rückzug von der Kritik zur Beglaubigung der biblischen Darstellung. — Am meisten bis jetzt läßt Renan seine Phantasie in den folgenden drei Capiteln über den Aufenthalt der Israeliten in Egypten spielen, wie es denn in denselben von den „vielleicht", „wahrscheinlich", „es scheint" wimmelt. Selbstverständlich kann er weder die Einwanderung, noch den Auszug aus Egypten anzweifeln, oder er müßte alle Bücher der h. Schrift als Zeugnisse verwerfen, und wie wollte er dann eine Geschichte des Volkes Israel schreiben? Innerhalb dieser beiden Thatsachen malt sein fruchtbares Talent den Verlauf recht willkürlich aus. In Verlegenheit ist ec dabei hinsichtlich der Einwanderung, da er die Erzählung der h. Schrift als historisch nicht anerkennt. Merkwürdig genug entlehnt er ihr dennoch kleine Züge als wahrheitsgetreu, wie den Ausspruch Pharao's „träge sind sie", daß die Israeliten das Stroh zu den Ziegeln auf den Feldern suchen mußten und dergl. Dagegen verwirft er die Geschichte Josephs. Er läßt den Stamm der Josephiten, der sich nicht ganz mit den übrigen Stämmen Israels vereinigt hatte, zuerst nach Egypten einwandern, später rücken die übrigen Stämme nach und man räumt ihnen das Land Gosen ein. Was nun die Ursache dieser Einwanderung gewesen, weiß er nicht zu sagen. Was die schon (nach Renan) zu Stämmen angewachsenen Israeliten Canaan zu verlassen und in ein Land zu ziehen bewog, wo sie der Masse der Bewohner als Hirten verhaßt waren, während zugleich die Egypter den nomadisirenden Semiten widerwärtig waren, dafür weiß er keinen Grund anzugeben. Um wie viel einfacher und natürlicher macht sich dies Alles in den Berichten der h. Schrift! Renan theilt dem Aufenthalte der Israeliten in Egypten nur ein Jahrhundert zu; warum, giebt er nicht au. Dennoch läßt er sie sich während dieses einen Jahrhunderts außerordentlich vermehren und zu einer Nation sich herausbilden. Auch das „es stand ein neuer König auf, der den Joseph nicht kannte", läßt er gelten und bezieht es auf den Sieg der Egypter über die Hyksos, womit die schlimme Behandlung der eingewanderten Semiten begann. Ausfällig ist nun, daß Renan