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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-11-24 · Heft 47 (24.11.1887) · p. Seite 747

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 47 (24.11.1887)
Date
1887-11-24
Page
Seite 747 (sequence 11)
Language
German
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747 über verständigen möchten, in welcher Weise die Verhältnisse Marokkos geordnet werden sollten, namentlich um die Gründe lagen jeder Civilisation herzustellen, Sicherheit des Lebens und des Eigenthums und geordnete Rechtspflege. Wir hoben hervor, daß bei dem vielfachen Druck, welchem die Juden in diesem Lande unterworfen, und bei den Gewaltthätigkeiten, denen sie ausgesetzt sind, gerade unsere Glaubensgenossen die einzige Hoffnung auf einen entschiedenen Einfluß einer oder der anderen europäischen Macht setzen können. Durch die Wiedergenesung des Sultans ist jener wohl unvermeidliche Conflikt wieder hinausgeschoben. Die Juden in Marokko können dafür augenblicklich der Vorsehung danken. Denn es steht fest — auch das Bulletin der Alliance isr. univ. bestätigt es — daß eine Verschwörung einer Anzahl Schecks bestand, welche dem Volke eingeredet, die Juden seien an der Krankheit des Sultans schuld, um, sobald er gestor« ben, über die Juden herzufallen, sie zu morden und auszurauben. Dieser Gefahr sind sie augenblicklich entgangen. Es giebt nur noch zwei mohamedanische Staaten, in welchen unsere Glaubensgenossen dem willkürlichen Despotismus unterworfen sind, Persien und Marokko; beide sind dem Verfalle nahe, das letztere noch eher als das erstere, beide müssen früher oder später ihre Unabhänigkeit verlieren. Die Nordwestecke Afrikas kann von dem Schicksal, welches die ganze Nordküste dieses Welttheiles zum Heile der Bevölkerung getroffen hat, keine Ausnahme machen. Bonn, 20. Nov. (Notizen.) In Frankfurt a. M. machte in diesen Tagen ein zwölfjähriger jüdischer Knabe durch seine außergewöhnlichen Stimmmittel bedeutendes Aufsehen. Die „Frkf. Z." berichtet darüber: „Derselbe, Abraham Rubinstein, ist der Sohn eines in Rußland heimischen jüdischen Borsängers, der auf der Rückreise von einer Tourne in Amerika und England, woselbst er in verschiedenen Städten vocal-musikalische Gottesdienste leitete, begriffen, am letzten Freitag auch hier in der Synagoge auf dem Hermesweg seine Kunst bewährt hat. Bei dieser Gelegenheit erregte die Stimme des Knaben berechtigtes Aufsehen. Auf vielseitigen Wunsch hat Herr Oskar Rubinstein sich bereit erklärt, ein Concert mit seinen Söhnen zu veranstalten, in welchen eine Reihe der schwierigsten Synagogen-Gesänge zum Vortrag kommen, sollen." lieber das Concert selbst heißt es in einerfolgenden Nummer desselben Blattes: „Wir gestehen, noch mehr als von der Kraft und Ausdauer, von der künstlerischen Schulung dieser Knabenstimme überrascht worden zu sein. Die Kehlenfertigkeit im Allgemeinen, das An- und Abschwellen der Töne, Staceato und Legato, und die Mannigfaltigkeit der Nüancirungen beim Pianosingen im Besonderen würden einer Sängerin von Beruf alle Ehre machen; nur bei größerer Kraftentfaltung nimmt die Stimme den unverfälschten hellen Timbre, wie er allen Knabenstimmen zu eigen, an. Die Vorträge, welche wir hörten, bestanden ausschließlich aus hebräischen Synagogen-Gesängen und Liturgien. Inwieweit dieselben originalen Ursprungs oder durch Zuthaten der Ausführenden bereichert resp. ausgeschmückt waren, vermögen wir nicht zu beurtheilen; jedenfalls aber sind die rein musikalischen Schwierigkeiten der ohne Begleitung ausgeführten langen Gesänge außerordentliche und auch an das Gedächtniß des kleinen Sängers die größte Anforderungen stellende. Letzterem secundirten bei allen Vorträgen ein um wenige Jahre älterer Bruder und sein Vater, der selbst im Besitz einer weichen und vollen Tenorstimme ist, meist in der Weise daß die Stimmen Beider durch Markiren eine harmonische Grundlage bildeten. (Das Herumziehen eines in Polen bewunderten Chasans mit seiner musikalischen Begleitung, um in deutschen Synagogen sich hören zu lassen, war früher nichts Seltenes, fand aber in unserer Zeit bei der Fremdartigkeit der Melodien und besonders des Affektes in denselben beim Gottesdienst keinen Beifall mehr. War es doch immer mehr eine Schaustellung als eine cultuelle Handlung. Hiermit soll jedoch über die musikalischen Leistungen des Herrn Rubinstein und insonders seines zwölfjährigen Sohnes kein Urtheil gefällt sein. Redact.) — In Weißenburg (Elsaß) betrauert man den Tod des Herrn Dalmbert, früher Gerichtsbeamter, Vorsteher der israelitischen Gemeinde, Mitglied des Stadtrathes und Verwalter der Sparkasse. Seiner Bestattung wohnte eine große Menschenmasse aus allen Schichten des Volkes bei. Der Sohn des Verstorbenen ist Rath am Appellhof in Rouen. — Nicht minder beklagt man in Colmar den Tod des Herrn Abraham See, früheren Präsidenten des Consistoriums. Er war das Haupt einer Familie, welche zahlreiche und hervorragende Männer der Medizin, der Armee und der Verwaltung Frankreichs gegeben hat. — Man schreibt der „Nordpfälzischen Bürgerzeitung" aus Gauersheim, 10. Nov. Ein großer Leichenzug bewegte sich heute Nachmittag kurz nach 3 Uhr nach dem Friedhof der israelitischen Gemeinde. Voran gingen mit 2 in Trauerflor umhüllten Fahnen die Mitglieder von fünf Kriegervereinen unter dumpfem Trommelwirbel. Dann folgte der Sarg, getragen von einigen Glaubensgenossen, und hinter diesem Herr Rabbiner vr. Landsberg von Kaiserslautern und eine große Zahl leidtragender Freunde. Es galt Herrn Simon Mecklenburger, der im schönsten Mannesalter den Seinen entrissen wurde, die letzte Ehre zu erweisen. Herr Rabbiner Dr. Landsberg gedachte am Grabe der Thätigkeit des Dahingeschiedenen im geschäftlichen und religiösen Leben und namentlich seiner Theilnahme am letzten Feldzuge; wir gedenken noch einmal des treuen Freundes, der sich zu Beginn dieses Jahres oft und bitter über die damaligen Ver- 47*

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