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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-11-24 · Heft 47 (24.11.1887) · p. Seite 746

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 47 (24.11.1887)
Date
1887-11-24
Page
Seite 746 (sequence 10)
Language
German
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746 ihren Aufenthalt nehmen wollen, verpflichtet ihren Bittbrief an den Senat, zugleich auch zuständigen Orts ein Attest über ihren Beruf als Handwerker, aus einer Stadt, welche eine Zunftorganisation hat, sowie eine Bescheinigung der Polizei, daß sie unbescholtene Leute sind und nie unter Polizeiaufsicht gestanden, beizulegen. Hat der jüdische Handwerker diese Zeugnisse aufzuweisen, dann hat er das Recht, im ganzen russischen Reich sich niederzulassen, dieses Recht steht ihm aber nur so lange zu, als er sein Handwerk ausübt oder die Aufenthaltsberechtigung gerichtlich nicht verloren hat. Dagegen aber hat er sie verwirkt, wenn ein solcher Fall eintritt." — Ferner wird festgesetzt: jüdische Handwerker, welche von ihrem Handwerk keinen Gebrauch machen, sind aus der Zunft auszuschließen und dann soll die Ausweisung erfolgen; dann heißt es noch: „Jeder Handwerker, der sich von der Unproductivität des von ihm gewählten Handwerks überzeugt hat, kann seine Beschäftigung auf diesem Felde einstellen und ein anderes Gewerbe wählen." — Selbstverständlich liegt dieser Entscheidung etwas anderes zu Grunde als der niedrige Stand der jüdischen Handwerker; vielleicht wird es damit gelingen, die ungeheure Auswanderung der russischen Juden nach Amerika ein wenig zurückzuhallen. A—n. Amerika. Vineland, im October. Es sind so oft aus Amerika nachtheilige Mittheilungen über die dort gegründeten jüdischen Ackerbaucolonien herübergekommen, daß es um so erfreulicher ist, auch einmal das Gegentheil zu hören. Das jüngste Bulletin der All. i8r. uiriv. enthält folgenden authentischen Bericht, der aas aufgekommene Vorurtheil zu zerstreuen im Stande ist. Das Centralcomite erhielt folgenden Bericht über die Colonie A11iano6, welche dicht bei Vineland, New- Jersey liegt: Diese Colonie erhielt im Monat September den Besuch einer Anzahl Mitglieder des Board of Delegates aus New- Aork, in Begleitung von einigen anderen Personen, welche Einsicht von dem Zustande dieser Colonie nehmen wollten. Die Besucher constatirten den befriedigenden Zustand dieser Colonie, die noch auf dem Felde stehende Ernte versprach eine vortreffliche zu werden, neue Häuser, neue Scheunen und neue Stallungen sind im letzten Jahr auf Kosten der Colonisten erbaut worden. Das Durchschnittsproduct des Getreides allein betrug für jeden Colonisten für dieses Jahr 400 Dollars; einer der Colonisten erhielt mehr als 500 Dollars. Zu dieser Summe muß man noch die Kartoffeln, Aepfel, Pfirsiche und Weintrauben hinzufügen, obgleich letztere wegen des „Mildem" nicht gerathen sind. Noch mehr. jeder Colonist behielt für den Winter einen ausreichenden Vorrath an Kartoffeln, Kohl, Rüben und Getreide. Das Capital besteht in einer gewissen Anzahl schöner und kräftiger Pferde und zahlreichen Kühen, von denen einige von vortrefflicher Gattung sind. Sämmtliche Colonisten erklären sich mit dem Resultat ihrer Arbeiten befriedigt und Dank den Einnahmen, welche ihnen gewöhnlich im Winter die Cigarrenfabrikation und das Maschinennähen verschaffen, werden sie ein sorgenloses Leben führen können. Zahlreiche Leute aus verschiedenen Ländern sind um die Erlaubniß eingekommen, sich in der Colonie niederlassen zu dürfen, aber es bleibt nur noch wenig Land zum Vertheilen. Ein Terrain von 40 Acres um die Synagoge herum muß für Gemeindebedürfnisse reservirt bleiben, theils um öffentliche Gebäude zu errichten, theils um einen Square oder einen Park anzulegen. Es ist möglich, daß die Stadtbehörden von Vineland eine Schule in der Colonie organisiren wollen, welche gegenwärtig 150 Kinder zählt, die in dem Alter sind, die Schule zu besuchen; das wäre ein vortrefflicher Platz, um eine Localschule zu errichten. Die Badeanstalt, der Friedhof und die Synagoge, welche letztere durch die Freigebigkeit der Juden zu Berlin errichtet worden, befinden sich in gutem Zustand, die Colonisten machen selbst die kleinen Ausbesserungen, welche von Zeit zu Zeit nöthig sind. Herr Schiff hat 250 Dollars gegeben als Beitrag zur Gründung einer kleinen Bibliothek und hat mit Herrn Levisoka einen kleinen Fond gegründet, um in besonderen Fällen (Krankheiten, Neuangekommene) Unteiffützungen zu gewähren. Herr Jsaae versprach, dem Gehalt eines Lehrers beizusteuern, welcher die Aufgabe hat, den jungen Leuten im Englischen und den Kindern im Hebräischen Unterricht zu geben. Die Colonisten sind jetzt fast alle in guten Verhältnissen. Einer von ihnen, Herr Lubarski, hat ein Grundstück von 122 Acres für 1500 Dollars gekauft, auf welche er schon 250 Dollars abgezahlt hat. Es muß eine Quelle der Befriedigung für diejenigen sein, welche allen diesen Leuten geholfen haben, sich in den Stand zu setzen, von ihrer eigenen Arbeit zu leben, wenn sie sehen, bis zu welcher Höhe dieser Colonisationsversuch geglückt ist Marokko. Tanger, 10. November. Es wurde vor Kurzem auch in dieser Zeitung der Conflikt besprochen, welcher nach dem Tode des gegenwärtigen Sultans von Marokko von innen und außen dieses fruchtbare, aber von halb barbarischen und fanatischen Stämmen bewohnte Land bedroht, und der Wunsch ausgedrückt, daß die europäischen Großmächte sich dar-

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