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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-11-24 · Heft 47 (24.11.1887) · p. Seite 744

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 47 (24.11.1887)
Date
1887-11-24
Page
Seite 744 (sequence 8)
Language
German
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744 in seinem pädagogischen Werthe. Ein Lehrer spricht zu seinen Schülern in klarer, leicht verständlicher Sprache, übersetzt ihnen das vieldeutige Schriftwort treu und gewissenhaft, giebt ihnen mit dem feinsten pädagogischen Takte über alles Ausschluß» was einer Erläuterung bedarf und bekundet dabei ein Taktgefühl, wie es nur erfahrenen Lehrern eigen ist, die sich durch langjährige Lehrthätigkeit daran gewöhnt haben, dem Verständnisse des Schülers dort zur Hülfe zu kommen, wo dieß am nöthigsten ist, nichts vorzuenthalten, was geeignet wäre, eine richtige und gründliche Erfassung des Gegenstandes zu erzielen, aber auch kein Wort mehr zu sagen, als unbedingt von nöthen ist. Jedes Kapitel ist mit einer Ueberschrift versehen, die eine kurze und concise Angabe seines Inhaltes enthält. Die Uebersetzung befleißigt sich der größten Treue, ohne dabei sclavisch zu sein, der Commentar aber zeichnet sich durch eine Akribie und Genauigkeit aus, die uns bei dem Verfasser allerdings nicht neu ist und an Raschi erinnert, mit dem Herr Heinrich Deutsch auch in so fern Aehnlichkeit hat, als er den traditionellen Erklärungen einen ziemlich weiten Spielraum gewährt, sogar auf die Halacha Rücksicht nimmt und! besonders solchen Stellen seine besondere Aufmerksamkeit angedeihen läßt, die in der späteren religiösen Entwickelung größere Bedeutung erlangt. Nach unserem Dafürhalten liegt der Hauptwerth des Buches in dem Commentare, der füglich dem Besten angereiht werden kann, was auf diesem Gebiete je geleistet wurde. Es kann nicht unsere Absicht sein, auf Einzelheiten einzugehen. Bei der Unzahl von Deutungen und Auslegungen, die das Bibelwort erfahren hat, stehen oft die widersprechendsten Auffassungen einander gegenüber, ohne daß man seinen Anschluß an die eine oder die andere unwiderlegbar rechtfertigen könnte und häufig bekennen muß: „dieß und jenes sind Worte des lebendigen Gottes". Was wir aber nicht unterlassen wollen, ist, dem verehrten Verfasser Namens aller ungarischen Lehrer und Bibelfreunde auch in diesen Blättern für das gediegene Buch zu danken und den Wunsch auszusprechen, daß es von nun an kein ungarischer Lehrer unternehme, die heilige Schrift zu deuten und zu erklären, ohne unser Buch zu Rathe gezogen zu haben. Möge es die verdiente Verbreitung finden und bald seiner Vollendung entgegengehen. vr. E. Neumann. oxiac fytiscfyke ■XX. Deutschland. Berlin, 10. Nov. Die Altersversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde an der Schönhauser Allee hat jetzt einen großen Erweiterungsbau erhalten. Diese Anstalt ist von dem Moritz Mannheimer'schen Ehepaar errichtet, eingerichtet und mit einem Stiftungsfond von 30,000 M. versehen worden. Dasselbe Ehepaar hat nun 100,000 M. auf den Erweiterungsbau verwendet, und hat sich Vorbehalten, noch einen anderen Flügel anbauen zu lassen, sobald die neuen Räume mit Hospitaliten besetzt sind. — Ein eclatanter Beweis des „praktischen" Antisemitismus wurde in diesen Tagen geliefert. Der bekannte „Verein deutscher Studenten", welcher seine antisemitischen Grundsätze in seinem Statut festgenagelt hat, forderte am schwarzen Brett der Universität „alle Commilitonen", welche dauernd zum Militärdienste untauglich sind, auf, sich zur freiwilligen Krankenpflege zum Kriege unter der Leitung des „Rothen Kreuzes" zu melden. Das „rvthe Kreuz" ist bekanntlich international und interconfessionell. Dennoch geschah das Unglaubliche, daß der Vorsitzende und Leiter des Verbandes, Direktor Wichern, es ablehnte, „den jüdischen Commilitonen die Theilnahme an der freiwilligen Krankenpflege zu gestatten". (Man thäte doch wohl Recht daran, von der betreffenden Seite, d. i. von seiten jüdischer Cowmilitonen, gegen den Bescheid dieses Wichern's bei der höheren Instanz zu protestiren. Uebrigens brachte obige Mittheilung die „jüd. Presse". Auch an dem schwarzen Brett der hiesigen, d. i. der Bonner Universität, war ein gleicher Anschlag zu lesen, jedoch nicht vom „deutschen Verein" unterschrieben, einem Privatdozenten ist die Leitung des betr. Lehrkursus übergeben und von einer Ausschließung jüdischer Studenten ist nicht die Rede. Redact.) Mannheim, 12. Nov. Auch einmal eine Zeitschrift in hebräischen Lettern verboten! Man schreibt von hier: „Der Großh. Landescommissär Frech für die Kreise Mannheim, Heidelberg und Mosbach erläßt folgende Bekanntmachung: Auf Grund der 88 11 und 12 des Reichsgesetzes vom 21. Oct. 1878 wird verfügt: Die mit hebräischen Lettern gedruckte, in London herausgegebene Zeitschrift mit dem Titel „The Workers’ Friend“ Yol. II. No. 33 vom 16. Sept. 1887 wird verboten." (Man wird sich erinnern, daß wir vor Kurzem berichteten, daß in London auch eine von den übrigen Socialisten abgesonderte socialistische Gesellschaft jüdischer

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