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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-11-17 · Heft 46 (17.11.1887) · p. Seite 726

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 46 (17.11.1887)
Date
1887-11-17
Page
Seite 726 (sequence 6)
Language
German
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726 Gemeinden, welche längst einer reformistischen Richtung folgen, zu der Gegenpetition auf diesem Gebiete die Einigkeit beweist, also jede Parteiung bei dieser Frage ausgeschieden sein sollte. Berlin, 4. November. (Privatmitth.) Der „Deutsch- Israelitische Gemeindebund" hat die Nummer 17 seiner Mittheilungen ausgegeben. Dieselben geben zuerst einen Bericht über die Bundesgemeinden. Diese zählen zur Zeit 330, da im Laufe des Jahres 27 neu eingetreten sind. Wenn diese letzteren meist kleinere Gemeinden sind, so bemerken wir doch mit Vergnügen, daß unter denselben sich auch die Gemeinde Posen befindet. Diese 27 Gemeinden führen dem Bunde eine Seelenzahl von 11,500 zu, so daß gegenwärtig die sämmtlichen Bundesgemeinden ca. 270,000 Seelen befassen. Dies ist etwas mehr als die Hälfte der Juden im deutschen Reiche. Die andere lebt in 2000 meist kleineren Gemeinden, die dem Bunde noch fehlen. Namentlich in Süddeutschland und in Elsaß-Lothringen genießt der Bund noch nicht die gewünschte Unterstützung. Es folgt die Aufzählung der Beamten, des Bureaus, der Delegirten und der persönlichen Mitglieder. Der finanzielle Bericht vom 1. April 1886 bis zum 1. April 1887 erweist die finanzielle Lage als günstig. Das Vermögen besteht in 85,122 Mark. Die Einnahmen beliefen sich auf 31,325 Mark, worunter allerdings sämmtliche Stiftungen des Bundes begriffen sind. Von diesen Einnahmen wurden für 10,307 M. Effecten angekauft und Saldo verblieben 272 M. Heben wir einige prägnante Ausgabenposten hervor. An Zuschüssen für Lehrervereine wurden 690 M., an Gemeinden zu Unterrichtszweckeu 951 M. und an Jnspectionskosten 87 M. verausgabt. Die Philippson-Stiftung verlieh an Lehrer 410 M. Subventionen; die Herxheimer Stiftung für Stipendien an Seminaristen 1590 M. Stipendien an Handwerkslehrlinge erforderten 1163 M. Bemerkenswerth ist, daß die „historische Commission" bereits an Honoraren 4006 M. verausgabt hat, und hoffen wir, daß sich dafür angemessene Resultate ergeben werden. Nicht unerwähnt wollen wir lassen, daß auch für Synagogenbauten an Gemeinden 300 Mk. gewährt wurden. Man ersieht hieraus, wie mannigfaltig die wohlthätigen Ziele sind, welche der Gemeindebund verfolgt, und wie sehr es deßhalb den jüdischen Gemeinden zu empfehlen ist, dem Bunde beizutreten, resp. in ihm zu verbleiben und ihm immer größere Mittel zu gewähren. Ihm zur Seite steht auch die „Deutsch-Israelitische Darlehnskaffe für Frauen und Jungfrauen." Dieselbe gewährte an vier Wittwen M. 700, sechs Frauen M. 1520, an zwanzig Mädchen M. 3455, zusammen M. 5675 im verflossenen Jahre, und zwar zur Anlegung und Unterstützung von Geschäften. Unter den Einnahmen befinden sich auch die Rückzahlungen von sechzehn Darlehnsempfängerinnen zu M. 881. Die oben angegebene Summe neuer Darlehen konnte nur durch Verwendung früher aufgesammelter Summen von M. 2009 gewährt werden, und sind noch verwendbare Verträge aus dem Jahre 1885. M. 6088. An festen Fonds besitzt die Kasse M. 46,132. Aus dem eben angegebenen Umstande ergiebt sich aber, daß bei den immerfort steigenden Gesuchen die aus Zinsen und Beiträgen gezogenen Einnahmen nicht mehr genügen und erläßt deßhalb der Ausschuß eine dringende Aufforderung an Gemeinden und Private für diese Darlehnskaffe, deren wohlthätige Wirksamkeit nicht zweifelhaft ist, recht zahlreiche Spenden zu gewähren. Aus Schlesien, 31. Oct. Der „N. Görl. Anz." theilt folgende Reminiscenz mit: Es war im Jahre 1882, als die Affaire von Tisza-Eszlar, nach welcher die dortigen Juden beschuldigt wurden, ein christliches Mädchen ermordet und dessen Blut zu rituellen Zwecken verwendet zu haben, die Gemüther erregte. Unter den Erklärungen, die von hohen christlichen Würdenträgern, Professoren der Theologie und theologischen Fakultäten gegen diese Beschuldigung abgegeben wurden, befindet sich in erster Reihe die des damaligen Bischofs vr. Kopp in Fulda, jetzigen Fürstbischofs von Breslau. Sie lautete wie folgt: „Fnlda, 4. Nov. 1882. Geehrter Herr Doktor! Auf ihren Wunsch stehe ich nicht an, die bei unserer neulichen Unterredung abgegebene Erklärung hiermit schriftlich zu wiederholen, daß die Annahme, es könnte von Juden Christenblut zu rituellen Zwecken jemals gebraucht worden sein, weder durch die jüdische Religion, noch durch die Geschichte zu begründen ist, und daß eine derartige Beschuldigung, auf welche Voraussetzungen immer sie gestützt werden möge, als eine entschiedene freventliche Unwahrheit bezeichnet werden muß. In vollkommener Hochachtung Ew. Wohlgeboren ergebenster Kopp, Bischof von Fulda. An den Rabbiner Herrn Dr. Cohn." Jnowraclaw, 4. Nov. Wir berichteten bereits, daß hierein junger Kaufmann Spiro an der Trichinose gestorben sein soll, der sehr orthodox gelebt. Man hat nun seine Leiche ausgegraben, um jeden Zweifel zu beseitigen, und die Aerzte haben constatirt, daß er wirklich an Trichinose gestorben. Jetzt sollen ganze Familien, die streng koscher leben, von der Trichinose epidemisch ergriffen sein, und die Wissenschaft kann es nicht erklären, in welcher Weise die Trichinen in diese Menschen kommen. Sollte hier eine epidemische Ent- Wickelung und Verbreitung der Krankheit durch Bacterien möglich sein? Die Sache wird als ein Problem angesehen. — Frankfurt a. M., 8. November. (Privatmitth.) Der unerwartetes Tod vr. JacobAuerbach's hat unter der großen Schaar seiner ehemaligen Schüler die tiefste Trauer hervorgerufen. Jacob Auerbach war das Ideal eines Religionslehrers. Mit welch' goldnen Worten hat er selbst den Beruf eines

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