Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1887)
- Date
- 1887-11-17
- Page
- Seite 725 (sequence 5)
- Language
- German
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725 seinen eigenen Gefühlen und Absichten die unsrigen verwechselt und auf uns übertragen hat, was in seinem eigenen Geiste lebt. Wir leugnen gar nicht, daß wir während unseres langen literarischen Lebens dann und wann bei den zahllosen Angriffen auf das Judenthum veranlaßt sein mußten, die christlichen Dogmen, geschichtlichen Ansichten und Urkunden mit denen des Judenthums zu vergleichen und sie in wissenschaftlicher Methode zu prüfen und zu kritisiren J). Wir sind uns bewußt, daß wir dies zu aller Zeit mit voller Ruhe und Besonnenheit gethan haben, und nur vom Gesichtspunkte eines von seiner religiösen Ueberzeugung erfüllten Lehrers des Judenthums. Dagegen haben wir wiederholt ausgesprochen, daß Judenthum und Christenthum, ebenso wie sie gemeinsame Momente besitzen, auch ein gemeinsames Interesse gegenüber den Atheisten, Materialisten und Religionsfeinden, noch mehr aber jenem Jndifferentismus gegenüber haben, welcher in zahllosen Menschen gegenwärtig die Religion nur noch in einem Reste von Pietät bestehen läßt, der jedoch dem religionswidrigen Hauche der Neuzeit nachzugeben jederzeit geneigt ist; kurz Judenthum und Christenthum haben gemeinschaftlich die Religion und die Moral zu verteidigen. Wie dieseUeberzeugung mit dem zu vereinigen wäre, was Brunner in gehässigster Weise uns unterschiebt, ist gewiß nicht ersichtlich. — Nicht minder ärgert sich der edle Brunner darüber, daß bei unserem Schriftstellerjubiläum auch Christen uns ihre Theilnahme bezeugt, und noch mehr darüber, daß bei dieser Gelegenheit die illustrirten Zeitungen unser Porträt gebracht. Hierüber äußert er sich in so schmutziger Weise, daß wir unser Blatt mit seinen Auslassungen nicht beflecken mögen. In allem Diesem zeichnet der ehemalige Kirchenzeitungsredacteur nur sich selbst. Einer unserer Freunde in Wien richtete an das „Vaterland" die Aufforderung, die Stelle anzugeben, wo wir die von Brunner citirten Worte gesagt. Das „antisemitisch - clerikal-feudale" Blatt hat ihm keine Antwort gegeben. Derselbe schrieb uns auch, wir möchten dem „Vaterland" „eine Berichtigung" einsenden. Wir denken nicht daran. Auf den Tummelplatz eines Blattes, wie das genannte ist, begeben wir uns nicht. Wir kennen die Art, wie solchen Berichtigungen eine Verdrehung folgt und nur neue Jnvectiven daran geknüpft werden, zur Genüge aus Erfahrung. Wir haben deshalb diesem Artikel nicht einmal die Überschrift „Entgegnung" gegeben, sondern | nur „Erklärung". Einer Entgegnung halten wir Brunner j nicht für werth. Er charakterisirt sich ja in seinen eigenen! Worten genugsam. le-ta. Deutschland. Bonn, 9. November. Nach einer Depesche aus Wien vom 8. d. „dementirt der Sekretär des Barons Hirsch die 100-Millionen-Spende!" Wir brachten die Nachricht nach den Arch. i8r., die „in der Lage sein wollten", den Entschluß des Barons Hirsch mitzutheilen. Uebrigens läßt obiges Dementi mancherlei Erklärungen zu. Auch halten die Arch. i8i'. ihre Nachricht aufrecht, und bringen einiges Nähere dahin lautend, daß 50 Millionen Frcs. für die Schulen der russischen Juden bestimmt seien, falls die russische Regierung dies zuläßt. (Näheres in der nächsten Nr.) Berlin, 8. Nov. (Privatmitth.) Dem Bericht des deutschen Thierschutzvereins, welchem in vor. Nummer eine zutreffende Entgegnung geworden, gegenüber, hat Dr. Hildesheimer ein Flugblatt erlassen, das an die Vorstände der jüdischen Gemeinden versandt worden. Dasselbe widerlegt Schritt vor Schritt die Behauptungen jenes Berichtes als eine Reihe von Verdrehungen. Wir können daher dieses Flugblatt den Gemeinden nur zu ernster Berücksichtigung empfehlen. Auffällig ist uns nur ein Punkt. Der Bericht 1) So z. B. unsere „Weltbewegende Fragen" Th. II S. 1ö2 ff.! | des Thierschutzvereines führt eine Reihe jüdischer Gelehrten und die Synoden zu Leipzig und Augsburg an, welche sich gegen die Schechita erklärt haben sollen. Man hätte doch nun bei der sonstigen Ausführlichkeit der Entgegnung voraussetzen müssen, daß Herr Hildesheimer auch diesen Punkt gründlich erörtert und widerlegt haben sollte. Dies unterläßt er aber, und stellt dieser Behauptung nur entgegen, daß ja die Einigkeit der Gemeinden in der Gegenpetition hinlänglich erweise, daß über die Schechita bei den Juden nur eine Stimme herrsche. Da die Widerlegung jener Insinuation so leicht war, da das Fechterstück, jede Beschränkung der Autorität des Schulchan Aruch mit einer Opposition gegen die Schechita zu identificiren, gar zu offen liegt, und es weder jenen Synoden noch den aufgeführten Männern eingefallen ist, die Schechita anzutasten, die nicht auf Autorität des Schulchan Aruch, sondern auf biblischer und Lalmudischer beruht — so kann man in dem Stillschweigen des Herrn Hildesheimer über diesen Punkt nur einen Ausfluß einseitiger Parteiung erblicken. Natürlich macht Prof. Gcaetz in einer Anmerkung eine Ausnahme für Herrn Hildesheimer. Er läßt also die Frage, ob jene Gelehrten und Versammlungen wirki lich gegen die Schechita gesprochen, unerörtert. Dies ist um! so weniger zu verzeihen, als eben die Zustimmung auch der