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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-11-10 · Heft 45 (10.11.1887) · p. Seite 717

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 45 (10.11.1887)
Date
1887-11-10
Page
Seite 717 (sequence 13)
Language
German
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717 reczky (Namen der Gassen und Plätze im jetzigen Jerusalem mit Skizze.) Für künftige Reisende hat Professor Rziha in Wien eine Instruction gegeben für Sammlung von Steinmetzzeichen und Untersuchung von Bergfrieden (d. h. alte Thürme auf hochgelegenen Orten, welche im Kriege als letzte Zufluchtsorte dienten). Zahlreich sind die Nachrichten über antiquarische Funde, Münzen, Inschriften, aufgedeckte Gräber, Fundamente früherer Gebäude rc. gemachte Reisen und Localforschungen, überall verbunden mit Abbildungen, Karten, und Skizzen. Wir nennen darunter Kersten: Umwanderung des todten Meeres, sowie des Sees Genezareth von Frei, Schwarz (Jafa nnd Umgebung), Gatt (Gaza und Umgebung). Besonders werthvoll ist von Ingenieur Schumacher in Haifa die erstmalige trigonometrisch aufgenommene Karte des Dscholan, der alten Gaulanitis, des nördlichen Theils des ostjordanischen Landes von Iarmuk an nordwärts, mit Namenverzeichniß, Beschreibung der Localitäten und vielen Abbildungen. Zahlreich sind die Beiträge unseres Landsmanns Baurath Schick, welcher seit vielen Jahren in Jerusalem ansässig mit ununterbrochener Aufmerksamkeit und großem Erfolg sich der antiquarischen Forschung gewidmet und hervorragende Dienste um dieselbe erworben hat. So ziemlich in jedem Jahrgang der Zeitschrift finden sich von ihm Mittheilungen über die verschiedensten Gegenstände, über neuentdeckte Gräber und alte Kirchen, den sogen. Davidsthurm an der Citadelle (in welchem er einen der drei von Titus nach der Zerstörung der Stadt stehen gelassenen Thürme, nämlich den Phasael findet), die Mauern von Askalon, den sogen. Frankenberg (das Herodion des Josephus, wo Herodes N. beigesetzt wurde), eine Reise ins moabitische Land, die Wasserversorgung Jerusalems, neue Untersuchung, Vermessung und Beschreibung der sogen, salomonischen Teiche und der von dort nach Jerusalem führenden Wasserleitung, über die sogen, zweite Mauer des Josephus (welche, wenn sie sich noch weiter bestätigt, der Robinson'schen Bestreitung der Echtheit des h. Grabes ihr Hauptfundament entziehen würde). Schick verdanken wir auch die interessanteste Entdeckung im Gebiete des antiken Jerusalems, nämlich der ältesten vorhandenen hebräischen Inschrift im Innern des Tunnels, welcher von der Marienquelle auf die Westseite des Ophelrückens herüberführt und dessen Ausgang die sogen. Siloahquelle bildet. Ein Facsimile nach einem von Prof. Guthe bei seiner Anwesenheit in Jerusalem ebenso mühsam als sorgfältig gefertigten Gypsabdruck findet sich in der Vereinszeitschrift Jahrgang 1881. Mit großer Mühe ist Prof. Kautzsch eine Entzifferung gelungen, bei welcher nur ganz Weniges zweifelhaft bleibt. Freilich hat sie einige nicht lesbare Lücken und das Ergebniß ist die Wünsche des Forschers keineswegs befriedigend, wenn auch die Inschrift selber für den Linguisten von großem paläographischem Werth. Man hätte gerne darin einen sicheren Anhaltspunkt gefunden für das Alter des Tunnels, welcher selber eines der merkwürdigsten Werke des Altenthums bildet, für das aber jede geschichtliche Nachricht fehlt. Aber weder Name noch Jahreszahl findet sich in der Inschrift. Die Uebersetzung von Kautsch lautet so: 1. Linie: ... der Durchstich. Und dies war der Hergang des Durchstichs. Als noch. 2. Linie: den Meisel einer (in der Richtung) gegen den andern. Und als noch drei Ellen waren bis.da rief die Stimme des einen 3. Linie: dem andern zu, denn es war (Sadeh) im Felsen: Wasser (oder vom Tage.?) . . . und am Tage des 4. Linie: Durchstichs schlugen die Mineurs einer gegenüber dem andern Meisel auf Meisel und es flössen ü. Linie: die Wasser in den Ausgangspunkt in den Teich in (einer Linie von) 1200 Ellen und 6. Linie: 100 Ellen war die Höhe des Felsens über dem Haupte des Mineurs. Ueber das Wort Sadeh sind die Gelehrten noch nicht einig, ob es mit „Aufbrausung des Wassers", oder mit „Riß, Spalt" wiederzugeben ist. Die Deutung der Inschrift ist, daß die Werkleute den Punkt bezeichnen wollten, in welchem sie bei der Durchgrabung des Felsens von oben und unten her arbeitend zusammentrafen. In der That ist derselbe durch »euere wiederholte Durchforschung des Tunnels nach mehrfachen Judicien mit großer Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, übereinstimmend mit den Angaben der Inschrift. Nach der Form der Buchstaben wird die Inschrift in das 8. Jahrh. v. Ehr. gesetzt und nahe liegt die Combination mit II. Könige 20, 20, wonach König Hiskia Wasser in die Stadt leitete und Sirach 48, 19, wonach er zu diesem Zweck den Felsen durchgrub. Letzteres freilich eine unsichere Angabe, da sich auf dem Terrain der Stadt gar mancherlei unterirdische Kanäle befinden, deren genauere Erforschung unmöglich ist. Merkwürdig bleibt, bemerken wir nebenbei, daß dieser Tunnel, welcher nach seiner Bedeutung für die Wasserversorgung der Stadt, sowie nach seiner ganzen Anlage die Aufmerksamkeit so sehr auf sich zieht, sich nirgends in den historischen Schriften, auch nicht bei Josephus erwähnt findet, wie auch über die großartige Salomonische Wasserleitung erst Josephus berichtet. Ein Beweis, wie vorsichtig man mit dem so oft angewendeten, aber höchst trügerischen argumentum ex silentio sein muß. Bon großem Interesse und Werth sind endlich die Ausgrabungen, welche Prof. Güthe im Aufträge des Vereins am Ophelrücken vorgenommen und darüber im Jahrgang 1882 der Zeitschrift berichtet hat. Es ist ihm gelungen, noch

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