Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1887)
- Date
- 1887-11-10
- Page
- Seite 715 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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715 schaftliche Bande vereinigten später die beiden Männer. 1836 wurde Auerbach Hauslehrer in der Biedermann'schen Familie in Wien, 1843 berief ihn die hiesige israelitische Gemeinde an das Philanthropin als Religionslehrer und Prediger im Andachtssaal (gemeinsam mit vr. I. M. Jost). 1848 wurde ihm der hebräische Unterricht am Gymnasium übertragen. 1879 wurde er pensionirt und bei dieser Gelegenheit auch von der Staatsregierung durch Verleihung des Rothen Adler- Ordens ausgezeichnet. Literarisch war Auerbach durch Aufsätze im Schulprogramm und in verschiedenen jüdischen wissenschaftlichen Zeitschriften thätig. Er gab die Schul- und Hausbibel, biblische Erzählungen re. für jüdische Kreise heraus; auch betheiligte er sich eifrig an verschiedenen Rabbiner-Ver° sammlungen (an der Rabb.-Vers. zu Frankfurt und an der Synode zu Augsburg. Red.) Eine seiner letzten Veröffentlichungen waren die Briefe Berthold Auerbach's an ihn, die er sichtete und in zwei Bänden publicirte. Sein scharfer Verstand, sein klarer Geist, seine liebenswürdige Milde ließen ihn auch im maurerischen Kreise die höchsten Würden und ungetheilte Anerkennung erringen. Auerbach war von Allen, die ihn kannten, geehrt und geliebt. — Die Beerdigung findet Donnerstag 9 Uhr Morgens statt. — Aus Wien wird geschrieben: Den 22. October verschied hier im 72. Lebensjahre Herr Simon Hock aus Prag, der zu den von Herrn Koppelmann-Lieben unter dem Titel Gal-Ed 1856 herausgegebenen Grabschriften des alten jüdischen Prager Friedhofes die historischen Erläuterungen verfaßte und mehrere wissenschaftliche Arbeiten in verschiedenen Zeitschriften und Kalendern veröffentlicht hat. — Aus Pest wird uns mitgetheilt: Ueber den Geschenken, welche dem Papst zu seinem Priesterjubiläum aus Ungarn geschickt wurden, befindet sich auch das eines Israeliten, des in Komorn wohnhaften Dr. L. Raab. Es ist ein unscheinbares Buch voller Zahlen, aber von nicht zu überschätzendem Werthe. Das Buch ist nämlich ein Universal-Kalender für die julianische, gregorianische, jüdische, jüdisch-gregorianische und jüdisch-julianische Zeitrechnung. Zwanzig Jahre emsiger Thätigkeit hat vr. Raab diesem kolossalen Werke gewidmet und als Tribut seiner Huldigung sendet er dasselbe an Seine Heiligkeit nach Rom. Der Fürstprimas selbst wird es dem Papste überreichen. — Der „Posener Zeitung" zufolge sind im Städtchen Kluzin, im Gouvernement Minsk, 300 Häuser, darunter die Synagoge, niedergebrannt; 200 Familien, meist Juden, sind obdachlos, mehrere Menschen verbrannt. Der Schaden der jüdischen Kaufleute ist beträchtlich. \ Bonn, 2. November. (Literarische Notizen.) Wir haben eine ganze Anzahl von Broschüren vor uns, denen wir, wenn auch in bündiger Weise, gerecht werden müssen. — „Worte der Abwehr, Antwort auf die Briefe eines Ariers an einen Semiten, von vr. D. Almogen". (Leipzig, Kufß, 1887.) Der Verfasser zieht dem Anonymus der Broschüre „Briefe ff." die Maske vom Gesicht. Derselbe schreibt sich wiederholt „Unbefangenheit" zu, und ist doch nichts als ein fanatischer Zelot, der nach jeder Richtung hin die Juden als Urheber aller vorhandenen Uebelstände anklagt und z. B. sogar den Verfall der Kunst ihnen in die Schuhe schiebt. Der Vers, der vorliegenden Broschüre weist alle die Angriffspunkte mit Geschick und Nachdruck zurück, sich auf die Abwehr beschränkend und deßhalb die naheliegende Vergeltung, den Speer umzudrehen, zurückweisend. Neues konnte der Angreifer nicht Vorbringen, und deßhalb war es auch unsrem Verfasser nicht gegeben, mit neuen Argumenten vorzugehen. — Lckach Tob (Pesikta Sutrata). Ein agadischer Commentar zu Megillat Ruth von Rabbi Tobia ben Elieser, zum ersten Male herausgegeben nach einer Handschrift der Münchener Hof- und Staatsbibliothek, mit Vergleichung der betreffenden Handschriften aus den Bibliotheken Oxford. Brit. Museum. London (Cod. Harleian), Cambridge, Wien (Cod. Jellinek), Petersburg (Kais. Bibliothek), Parma und Rom (Cod. Casanata und Cod. Angelica) und mit Commentar versehen. Einleitung von Seckel Bamberger (Frankfurt, I. Kauffmann, 1887). Der ausführliche Titel besagt, wohin die Absicht des Verfassers geht. Hier haben wir zuvor eine Einleitung, welche die bez. Momente mit Fleiß und Umsicht bearbeitet. — Trauerrede, gehalten am 26. August 1887 an der Bahre des Rabbiners vr. P. F. Frankl von vr. S. Maybaum (Berlin, Julius Feiertag, 1887). Den Inhalt dieser beredten und pietätvollen Rede hat uns der Corresp. über die Beerdigung Frankl's in dieser Zeitung ausführlich mitgetheilt. — Gedächtnißrede auf Freih. Leopold v. Popper de Podhragy am 16. Juli 1887 im israelitischen Tempel zu Hlinik von Prediger vr. David Leim dürfer zu Hamburg (Kaschau, Bernovits). Mit der au diesem Redner gewohnten Beredtsamkeit wird das Bild des Gefeierten in Liebe und Dankbarkeit entworfen.-Werden wir die Besprechung von Broschüren in den nächsten Nummern fortsetzen, so richten wir heute noch die Aufmerksamkeit der Fachgenossen auf folgende gewichtige Schriften. Bekanntlich ist der Versuch, ein Versmaß in den poetischen Theilen der h. Schrift nachzuweisen, wiederholt gemacht worden, ohne sich eines durchgreifenden Erfolges erfreuen zu können. Anklänge hiervon finden wir schon bei Abarbanel, ja schon bei Josephus, der z. B. im Liede am rothen Meere den hexametrischen Rhythmus finden wollte. Ausführlich behandelte diesen Punkt zuerst Bellermann in seinem „Versuch einer Metrik der Hebräer", Berlin 1813. Auch wir behandelten den Rhythmus und die Strophenabtheilung bereits 1834 im ersten Bande unsres israelitischen Predigt- und Schulmagazins S. 149 ff., und ebenso in unsrem Commentar zu den Psalmen. Vor Kurzem 4b*