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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-11-03 · Heft 44 (3.11.1887) · p. Seite 702

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 44 (3.11.1887)
Date
1887-11-03
Page
Seite 702 (sequence 14)
Language
German
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702 zum Theil hervorragender Weise betheiligt. Aber die einheitliche Verbindung ihrer Arbeiten hatte gefehlt und die active Antheilnahme war im großen und ganzen genommen doch eine zurücktretende, schon aus Mangel an Mitteln, da die sich interessirenden Privatpersonen in der Regel nicht an Ueberfluß an Geld leiden, die reichlicher mit Glücksgütern gesegneten selten größeres Interesse haben und Handreichung aus öffentlichen Cassen in Deutschland nicht herkömmlich war. So waren die deutschen Gelehrten vorherrschend nur Zuschauer bei fremdem Werk und Verarbeiter des von anderen zu Tage geförderten Materials, dabei die Bibelforscher mannichfach auf ausländische, für sie oftmals schwer zugängliche Quellen angewiesen, während sie sich ohne Ueberhcbung sagen durften, daß sie auf manchem einschlagenden Gebiet, vornehmlich dem linguistischen, sicherlich nicht im Hintertreffen standen. Da war es gewiß angezeigt, daß nun auch von deutscher Seite Hand angelegt wurde und man sich viribus uuitis ein Ziel steckte, welches auch der mühsamsten Arbeit und Aufopferung des Einzelnen zu erreichen unmöglich war. Von diesem Gedanken ausgehend kam der Verein im Jahre 1878 im Anschluß an die Jahresversammlung der deutschen morgenländischen Gesellschaft zu Stande. Ueber Organisation, Bestand, Fortgang und Leistung giebt die „Zeitschrift des Palästinavereins" Auskunft und bildet zugleich selber ein Hauptmittel seiner Thätigkeit. Hier zuerst das Wichtigste über seine Organisation. Mitglied des Vereins wird man durch einen jährlichen Beitrag von 10 Mk., wogegen jedes Mitglied die Zeitschrift des Vereins gratis empfängt. Alle 2 Jahre findet statt eine Generalversammlung thunlichst in Verbindung mit derjenigen der deutschen morgenländischen Gesellschaft. Ein Comite von derzeit 20 Mitgliedern, beziehungsweise ein geschäftsführender Ausschuß (zur Zeit bestehend aus Professor Guthe in Leipzig, Redacteur der Zeitschrift des Vereins, vr. Kautzsch und vr. Socin in Tübingen, Dr. Kersten in Berlin und vr. Zimmermann in Basel) besorgt die Bereinsangelegenheiten. Als Zweck des Vereins ist bezeichnet: die wissenschaftliche Erforschung Palästinas in allen Beziehungen zu fördern und die Theilnahme in weiteren Kreisen zu verbreiten. Dieser Zweck wird zu erreichen gesucht 1) durch Herausgabe einer Zeitschrift, welche theils wissenschaftliche Abhandlungen über alle einschlagenden Fragen, soweit sie zur Förderung der Bibelkunde in Betracht kommen, theils Uebersicht und Kritik über die einschlagende Literatur, theils politische und statistische Mittheilungen über die jeweiligen Zustände des modernen Palästinas enthalten soll; 2) durch wissenschaftliche Untersuchungen auf dem Boden Palästinas selbst. Dafür wird angestrebt theils eine Verbindung mit den in Palästina ansässigen Deutschen und deren Mitwirkung, theils Anregung des wissenschaftlichen Interesses für bestimmte Fragen bei Palästina-Reisenden, theils Ansammlung von Mitteln zu selbständigen Expeditionen nach Palästina, bezw, deren Ausführung. Ueber Fortgang und Thätigkeit des Vereins seit seiner definitiven Constituirung giebt wie schon gesagt die von Prof. Guthe in Jahrgängen von je 4 Heften erscheinende Zeitschrift des Vereins Auskunft. Die Mitgliederzahl beläuft sich nach neuestem Stand auf 325. Darunter S. Maj. der Deutsche Kaiser, S. Maj. der König von Württemberg und S. K. K. Hoh. der Kronprinz von Deutschland (früher der Fürst Anton von Hohenzollern und der f Großherzog von Mecklenburg), ferner 32 Bibliotheken, darunter 23 deutsche, (was uns wenig erscheint). Der Nationalität nach sind, wie zu erwarten, die meisten Deutsche (einschl. Schweizer und Oesterreicher), doch auch etliche Engländer, Franzosen, Amerikaner, Russen rc. Die Mehrzahl gehört der evangelischen Kirche an, doch auch nicht wenig der römisch-katholischen, etliche der griechischen, woran sich noch eine Anzahl Israeliten anschließt, wie überhaupt der Verein einen interkonfessionellen Charakter hat. Der Berufstellung nach überwiegt das höhere und niedere Lehrfach, Bibliothekariat und Geistlichkeit. Doch findet sich auch eine Anzahl sonstiger Laien, darunter Feldmarschall Moltke, etliche Gutsbesitzer, Kaufleute, Banquiers, Aerzte, Buchhändler rc. Sehr erfreulich ist die Betheiligung der in Palästina lebenden Deutschen, Prediger, Jnstitutsvorsteher, Missionäre, dem diplomatischen Fach Angehörige. Aus Württemberg haben wir gezählt 24 Mitglieder und von literarischen Mitarbeitern außer den Dr.Dr. Kautzsch und Socin noch Nestle, Fraas, Wolf, Ries und den Referenten, zu denen man noch unfern in Jerusalem wohnenden Landsmann Schir hinzurechnen darf. Nach deutschem Maßstab ist die Zahl der Theilnehmer eine ansehnliche, im Vergleich mit der englischen Gesellschaft aber immer noch eine zurückstehende, wobei wir insbesondere die so zahlreichen deutschen Unterricktsanstalten und ihre Bibliotheken nicht in dem wünschenswerthen Maße vertreten finden. Von der Zahl der Mitglieder hängt ab die Höhe der für die Zwecke des Vereins verfügbaren Mittel, insbesondere für Forschungen an Ort und Stelle. Höchst willkommen waren daher die außerordentlichen Beiträge mehrerer Mitglieder, vorzüglich der obengenannten fürstlichen Persönlichkeiten; ferner ein Zuschuß des preußischen Cultusministeriums im Betrag von 3000 Mk., sowie des württembergischen im Betrag von 200 Mk. und eine Gabe von 500 fl. von S. Maj. dem Kaiser von Oesterreich. So ist es möglich geworden, auf Rechnung des Vereins die Untersuchungen an Ort und Stelle, von welchen nachher die Rede sein wird, vorzunehmen. Sehen wir nun die bisher erschienenen Jahrgänge der Vereinszeitschrift durch, so ist — in einer freilich nicht voll-

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