Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1887)
- Date
- 1887-11-03
- Page
- Seite 701 (sequence 13)
- Language
- German
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701 u. A. die Begründung des „Medicinisch-Pädagog. Vereins", die er in Gemeinschaft mit bewährten Aerzten und Schulmännern 1869 ins Werk setzte und an dessen Spitze als allverehrter Präsident und zugleich als gastlicher Wirth — alle Sitzungen finden in seiner Privatwohnung statt — er heute noch steht. — Man schreibt aus Westpreußen vom 17. October: Vor einigen Tagen stand der Rabbiner Dr. Nordheimer vor dem Schöffengerichte in Schwetz unter der Anklage, einen 12jährigen Knaben mißhandelt zu haben. Der Sachverhalt ist folgender: Bei der Wiederimpfung der Pocken in einer Klasse der Schule zu Schwetz verursachte eine Anzahl Knaben und Mädchen großen Lärm auf dem Flur, so daß Dr. N., welcher in einer Schulklasse jüdischen Religionsunterricht ertheilte, wiederholt sich veranlaßt sah, die Lärmenden zur Ruhe zu mahnen. Dieselben trieben indeß ihren Muthwillen immer toller und klinkten schließlich sogar die Klassenthür auf. Dr. N. faßte hierbei einen 12jährigen Knaben ab und zählte ihm einige Schläge mit dem Rohrstock auf. Der Vater des betr. Knaben sah diese Züchtigung für eine unerlaubte an und beantragte die Bestrafung des Dr. N. Das Schöffengericht sprach dagegen dem Dr. N. in seiner Eigenschaft als Religionslehrer das Züchtigungsrecht in solchen Fällen zu und wies den Kläger unter Tragung sämmtlicher Kosten mit der Klage ab. — In Turgno im Thorner Kreise revidirte kürzlich der eigens zu diesem Zwelle angestellte Ministerial- Commissarius Rex die polnische Volksbibliothek, welche sich in der Wohnung eines Schäfers befindet, und nahm 25 polnische Bücher in Beschlag. — In der Stadt Straßburg ist die Regierungs-Polizeiverordnung in Kraft getreten, wonach die dort wohnhaften Israeliten verpflichtet werden, bei Vermeidung einer Ordnungsstrafe bis zu 150 Mark, ihre Todten in Särgen beerdigen zu lassen. — Hinsichtlich einer früher vielgenannten Persönlichkeit bringen Pariser Blätter folgende Berichtigung: „Anläßlich des Falles Caffarel wurde auch wiederholt der Name des Generals Jung genannt und in Verbindung mit diesem die Erinnerung an die Frau von Kaulla und ihre „Armeelieferungsgeschäfte" wachgerufen. Mit Bezug hierauf erhält das „Berl. Tagebl." von gut unterrichteter Seite folgende Zuschrift: „Gegen Frau v. Kaulla, eine geborene Baierin (Enkelin des alten Baron v. Hirsch in München, dessen Tochter den baierischen Baron v. Kaulla in Jllereichen bei Ulm heirarhete), wurde unter der Anschuldigung von Armeelieferungsgeschäften und des Verraths von Militärgeheimnissen eine peinliche Untersuchung vor einem eigens dazu constituirten, aus Spionenriechern zusammen" gesetzten Gerichtshof eingeleitet, der die Angeklagte sicherlich verurtheilt haben würde, wenn etwas Thatsächliches hätte gegen sie vorgebracht werden können. Die ganze Affaire wurde wahrscheinlich auf Betreiben des von seiner Frau geschiedenen Ehemanns, des Generals (damaligen Obersten) Jung arrangirt, der seine Frau aus Frankreich ausgewiesen sehen wollte. Das französische Gericht hat gegen Frau von Kaulla nichts feststellen können, als daß diese Frau viel Geld ausgegeben hat, und es hat sie daher nicht einmal in Anklagestand versetzt. Frau v. Kaulla lebt nach wie vor in Paris vornehm und zurückgezogen und auch frei von Jugendthorheiten, die wohl ihrer Börse, aber nicht ihrer socialen Stellung Abbruch gethan haben. Der jetzige Augenblick dürfte geeignet sein, auf einen thatsächlichen Jrrthum in der Bej urtheilung dieser Dame hinzuweisen." A e u i l l e 1 o n. Der deutsche Verein;ur Erforschung Palästinas?) Von Prälat a. D. Dr. d. Klaiber in Stuttgart. Dieser Verein ist in unserem Vaterland noch nicht so bekannt und gewürdigt, wie er es verdient. Eine Besprechung seiner Zwecke und Leistungen möge daher auch in dieser Zeitung einen Raum finden. Es war gewiß ein ebenso berechtigter, als — wie wir jetzt sehen — fruchtbarer Gedanke, als im Jahre 1876 die Herren Rector Zimmermann in Basel, Prof. Socin, Lehrer der orientalischen Sprachen in Tübingen, Vers, des bekannten Bädcker'schen Reisehandbuchs durch Syrien und Palä- 1) Wir entnehmen diesen Artikel der „Beilage des Staats-Anzeigers für Württemberg" Nr. 16 vom 21. Oktober, wozu außer dem inleressanten Inhalt auch der Zweck desselben uns bestimmt. Redakt. stina, der sich selber mehrere Jahre in jenen Ländern aufgehalten und Prof, der Theol. Kautzsch in Tübingen, gleichfalls durch Autopsie mit Palästina bekannt, den Plan zur Gründung einer deutschen Gesellschaft zur Erforschung des heiligen Landes faßten und im Jahre 1878 zur Ausführung brachten. Vorangegangen waren mit gleichem Zwecke die englische und amerikanische Gesellschaft, von welchen insbesondere die erste (Palestine Exploration Fund) durch vielfache Untersuchungen an Ort und Stelle (in hervorragender Weise in der Stadt Jerusalem selber), zuletzt noch durch trigonometrische Aufnahme des Westjordanlandes höchst bedeutendes und bleibend Werthvolles, zum Theil für immer Grundlegendes geleistet hat. Durch frühere und gleichzeitige Forschungen im Lande, wie auch durch literarische Untersuchungen haben zwar wohl auch nicht wenige Deutsche sich in verdienstlicher