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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-11-03 · Heft 44 (3.11.1887) · p. Seite 698

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 44 (3.11.1887)
Date
1887-11-03
Page
Seite 698 (sequence 10)
Language
German
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698 boxen Partei erhalten wird. Trotz des beschränkten Kreises ihrer Gönner verfügt die Anstalt über die besten Lehrkräfte und giebt den deutlichsten Beweis, was Ueberzeugungstreue und das Gefühl der Solidarität zu vollbringen im Stande sind. Die isr. Bürgerschule zählt 10 ständige Lehrer nebst den einschlägigen Fachlehrern und hat ihre Aufgabe, die Schüler mit religiöser und allgemeiner Bildung auszustatten, jederzeit redlich erfüllt. Es ist daher der Wunsch gerechtfertigt, daß die Schwierigkeiten, mit denen die Schule — sie theilt das Schicksal mit den meisten jüdischen Privatschulen — zu kämpfen hat, in Anbetracht der Leistungen derselben sich vermindern mögen und dem strebsamen Vorstand und dem Lehrkörper die thatkräftigste Unterstützung und Theilnahme des jüdischen hiesigen und auswärtigen Publicums zu Theil werde. Danzig, 23. Oktober. (Danz. Z.) In der letzten Zeit sind niehrere Ausweisungsbefehle zurückgenommen worden. So wandte sich der 80jährige frühere Rabbiner Bernstein, welcher aus Mühlhausen in Ostpreußen ausgewiesen und nach Amerika gegangen war, an den Oberpräsidenten mit der Bitte, zu seiner in Mühlhausen verheiratheten Tochter zurückkehren zu dürfen, und der Herr Oberpräsident hat ihm die Bitte gewährt. Ebenso wandte sich ein 70 jähriger Mann, Namens Ostecki, welcher aus dem Kreise Wollstein (Pr. Posen) mit seinen neun unmündigen Kindern ausgewiesen war, an den Reichskanzler mit der Bitte, ihm den ferneren Aufenthalt in Preußen zu gestatten. Auch seine Bitte ist erfüllt worden. (Uns bedünkt, daß es nicht sehr rühmlich für unsere Zeit ist, solche Züge hervorheben zu müssen. Oesterreich-Ungarn. Wien, 20. Oktober. (Privatmitth.) Der Kaiser empfing gestern eine mohamedanische Deputation aus Bosnien welche ihm unter anderem dafür dankte, daß es den Mohamedancrn vergönnt sei, unbehindert ihrem Glauben nach zu leben. Der Kaiser erwiderte hierauf: Ich kenne keinen Unterschied zwischen den Confessionen, eine jede kann ihrem Glauben anhängen. — Vor dem Gesetze sind alle gleich. Ich gedachte jüngst des Professors Eduard Lang in Jnsbruck. Es freut mich, mittheilen zu können, daß derselbe jetzt hierher als Primararzt im allgemeinen Krankenhause berufen wurde. Meines Wissens ist das der erste Fall, daß ein Jude zum Primarärzte ernannt wurde. Der Herr vr. Philipp Mautner, Mitglied des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde, einer der angesehensten Advokaten hier, erhielt vor einiger Zeit von S. Majestät den Orden der eisernen Krone und, wurde jetzt in den österreichischen Adel resp. Ritterstand erhoben Frankreich. Paris, 20. Oktober. Der „Vossischen" wird geschrieben: Betreffs Rothschilds äußerte ein unterrichteter Franzose, eine finanzielle Verbindung mit ihm sei für Rußland schwerlich vortheilhast. Abgesehen von anderen Gründen sei Rothschild, obgleich Franzose, seinen Interessen und Sympathien nach doch Deutscher durch und durch, und die Aufhebung des März-Ukases wie nebenbei die Verbesserung der Lage der Jude« in Rußland wären die ersten Bedingungen, die er Rußland stellen würde. Allerdings äußerte Rothschild, seine russischen Glaubensgenossen interessirten ihn eben so wenig wie der vorjährige Schnee; ernste Anträge des russischen Finanzministers werde er nicht zurückweisen, zumal er schon seit geraumer Zeit die Errichtung einer Filiale seiner Firma in Rußland plane. — So weit die Corr. der „Voss. Z." die von vielen deutschen Blättern reproduzirt worden. Die Zuverlässigkeit eines anonymen Franzosen ist nicht sehr groß. Die Mittheilung leidet an Widersprüchen: Rothschild soll als erste Bedingung die Verbesserung der Lage der Juden stellen und sich doch um die russischen Juden gar nicht kümmern! Die Vergangenheit lehrt übrigens, daß sich die Rothschilds bei Abschluß von Anleihen um die Lage ihrer Glaubensgenossen niemals bekümmert haben. — Holland. Amsterdam, 21. Oktober. Man schreibt der „Voss. Z.": Gestern war es 25 Jahre her, daß der berühmte Professor vr. T. M. C. Asser (Israelit) als Professor an unserer Universität angestellt wurde. Er war damals nur 24 Jahre alt und ist also jetzt noch verhältnißmäßig jung. Einem vornehmen jüdischen Geschlecht entstammt, folgte er hier in 1860 seinem Vater in der Rechtspraxis. Noch ist er einer der t ersten Advokaten unserer Handelsstadt. Dabei ist er seit 1862 einer der Führer der internationalen Bewegung zur Unisormirung des europäischen Handelsrechtes. Mit Rolin Jacquemyns (Brüssel) und Westlake (London) stiftete er 1869 die „Revue de Droit International et de Legislation comparee.“ 1873 gehörte er zu den Stiftern der Association pour la reforme et la codification du droit des gens, deren Untervorsitzender er noch jetzt ist und des Institut de Droit International, das im vorigen Monat zu Heidelberg tagte. Seit 1870 ist er Mitglied der Prüfungskommission für unsere Diplomatie, seit 1875 Rath des Auswärtigen Amtes, seit 1885 Kommissar der Niederländischen Bank. Er hat unser Land vertreten: 1881 und 1886 auf den Berner Konferenzen für den internationalen Eisenbahnverkehr, 1882 auf der Pariser Konferenz für die unterseeischen Telegraphenkabel, 1885 aus der Pariser Konferenz über die Fahrt auf dem Suezkanal, 1885 auf der

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