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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-11-03 · Heft 44 (3.11.1887) · p. Seite 695

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 44 (3.11.1887)
Date
1887-11-03
Page
Seite 695 (sequence 7)
Language
German
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695 desMaimonidesausGerona von IsidoreLoeb. DieseDisputation i) fand vor dem Könige Jakob von Aragonien statt, und sind über sie zwei Relationen, die eine von dem Orden der Prediger in lateinischer, die andre von Nachmani selbst in hebräischer Sprache vorhanden.?) Jüngst hat nun ein Predigermönch P.Denifle über diese Disputation in dem Historischen Jahrbuch der Görres- Gesellschaft (Jahrg. 1887, S. 225—244) eine Abhandlung geliefert, in welcher er, scheinbar kritisch, auf die Seite der Predigermönche tritt und ihren Bericht als genau mit der Wahrheit übereinstimmend erklärt, den Bericht des Nachmani und das Urtheil des Di-. Graetz über jenen Streit als „lügenhaft" erklärt und sich überhaupt in sehr unmanierlicher Weise äußert. Es versteht sich, wie das immer in Folge solcher theologischer Disputationen geschieht, jede Partei schreibt sich den Sieg zu, jede läßt bald hier, bald dort, den Gegner verstummen und über diesen triumphiren. Herr Isidor Löb nimmt deshalb Veranlassung, die beiden Relationen mit sorgfältiger und unparteiischer Kritik zu vergleichen. Er weist nach, daß die Relation der Mönche viele nicht unwichtigen und thatsächlichen Punkte ausläßt und Angaben trifft, die jeder Wahrscheinlichkeit widersprechen, während der Bericht Nachmani's, der auf Anordnung des Bischofs von Gerona, woselbst Nachmani Rabbiner war, verfaßt worden, sich genau an den wirklichen Verlauf hält, was er schon den äußeren Verhältnissen nach thun mußte. Wenn die Abhandlung des Herrn Löb eine Schilderung des materiellen Verlaufes der Disputation vermissen läßt, so ist sie doch hinsichtlich der äußeren Momente mit solchem Scharfsinn und mit solcher Berücksichtigung der kleinsten Umstände verfaßt, daß sie die Aufmerksamkeit des Lesers in Spannung erhält und durch ihre Unparteilichkeit die volle Ueberzeugung für sich gewinnt. — Weiterhin folgt von Pierre Vidal „die Juden von Roussillon" und „Cerdagne", eine Abhandlung von Theodor Rainach über eine Münze; Israel Lewy über den Tod des Titus, um die Hypothese Darmesteters, daß die Legende ihren Ursprung im Chinesischen habe, zu widerlegen. Isidor Löb berichtet nach einer neu aufgefundenen Handschrift über den Proceß des Samuel ibn Tibbon, welcher früher schon nach einer von A. Neubauer mitgetheilten Oxforder Handschrift besprochen worden, hier aber in einem neuen Lichte erscheint. Endlich giebt I. Kracauer die Geschichte einer Zwangsanleihe bei der jüdischen Gemeinde von Frankfurt. Noten und Vermischtes, 1) Nicht zu verwechseln mit der Disputation am i. Januar 1413, welche aus Beiehl des Papstes Benedikt XIII. auch von einem Renegaten Hieronymus de Sankt» Fide gegen eine Anzahl jüdischer Gelehrten, worunter Vidal und Aldo die Hauptrolle spielten, gehalten wurden, und welche Phöbus Philippson in Bd. I. unsres „Israelitischen Predigt- und Schulmagazins" S. 104 ff. beschrieben hat. 2) Unter dem Titel abgedruckt in Wagenseil's Tela ignea (Altorf 1681) und in dem Sammelwerk nmn nün?D (Konstantinopel 1710. sowie Bibliographie bilden den Schluß des Heftes. Doch ist noch ein Vortrag Theodor Rainach's über die jüdischen Münzen hinzugefügt. — I. Baum, Religionslehrer in Reichenau (Böhmen), der ein „Leben Moses" veröffentlicht hat, beabsichtigt im Selbstverlag herauszugeben: „Der Geistesschatz der Bibel, Abhandlungen, Erläuterungen, Erklärungen, Schilderungen, Betrachtungen und Skizzen über den Hauptinhalt der 24 Bücher der h. Schrift", und erläßt hierzu eine Subscriptionseinladung mit einer Probe des Werkes. Er meint nämlich, daß die bisherigen Bibelcommentare nur zu Studien befähigt seien, für das größere Publicum aber keine Anregung enthielten. Wir lassen dies dahingestellt und nach dem Grundsätze, Alles, was die Bibel dem größeren Publicum näher bringt, willkommen zu heißen, können wir nur der Absicht des Verfassers zustimmen. Als Probe giebt er eine Erklärung der schwierigen Stelle 1. Mos. 6, 2—4, und faßt diese als „ein Culturbild der vorsinthflutlichen (antediluvianischen) Zeit" ans. Da nur ein Stück dieser Erklärung gegeben wird, so können wir die ganze Idee des Verfassers nicht beurtheilen; doch können wir sagen, daß sie just nicht für das größere Publicum angemessen gefaßt sei, und ihr die populäre Färbung fehlt. Besonders möchten wir den Verf. aufmerksam machen, sich nicht in so ungeheuerlichen Sätzen zu ergehen, welche durch die hineingezwängten Zwischensätze sich so weit ausdehnen, daß man am Ende derselben nicht mehr weiß, was am Anfang gesagt worden. Es ist dies ein Grundfehler vieler deutscher Schriftsteller, und kann doch durch richtige Vertheilung der Sätze vermieden werden. (Kunstnotig) Wir haben vor Kurzem über die Einweihung des neuen Tempels der türkischen Gemeinde in Wien cherichtet. Ueber dieses Bauwerk findet sich in der „Kunstchronik" folgende Besprechung: „Mit dem kürzlich eröffueten türkisch-israelitischen Tempel (in der Leopoldstadt, Circusgasse) hat Wien eine neue bauliche Sehenswürdigkeit erhalten. Gar seltsam contrastirt das im zierlichen maurischen Stil gehaltene Gebäude mit seiner nüchternen Umgebung, und nur zu bedauern ist es, daß das originelle Werk zu sehr von den Zinskasernen eingeengt erscheint und kaum eine schmale Front, der Straße zu, zur Facadenentwicklung übrig blieb. Doch hat schon an dieser Selle der Architekt, Hugo R. v. Wiedenfeld, ein kleines Meisterwerk geschaffen. Durch ein reich gegliedertes Steinportal tritt man zunächst in einen von gedeckten Arkaden umgebenen Borhof, an dessen Seitenwänden zur Rechten und Linken sich die auf den Bau bezüglichen Gedenktafeln befinden. Die schlanken Säulen von rothem Marmor, das reich entwickelte,, mit zierlichen Trägern ausgestattete Gebälk und die vornehme Pracht der Ornamentik in Gold und Farbe erinnern an die luftigen Höfe der Alhambra. Dem Eintretenden gegenüber entfaltet sich in reicher architektonischer Umrahmung, mit den religiösen Emblemen

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