Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1887)
- Date
- 1887-10-27
- Page
- Seite 686 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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686 Die Resolution des Herrn Landrabbiner mit diesem Zusatz wird angenommen. Zum Schluß des ersten Sitzungstages übergab der Herr Landrabbiner der Versammlung ein ausgearbeitetes Statut für den zu begründenden „Verein zur Unterbringung und Erziehung armer und verwaister Kinder im Landrabbinatsbezirk Emden." Das Statut ward sofort durchberathen. Hr. Heß-Wittmunde erbietet sich, die Drucklegung gratis zu bewirken, worauf das Statut an die Vorsteher und Lehrer gesandt werden soll. (Solches ist bereits geschehen; hoffentlich mit gutem Erfolg.) Schluß der ersten Sitzung Abends 8 Uhr, Verrichtung des Abendgebets, gemüthliches Beisamniensein. Fortsetzung den 31., Morgens 8 Uhr. Herr Fink hält seinen Vortrag: „Der Pentateuch in der Schule." Res. zeigt, wie trotz der knapp zugemessenen Zeit für diesen Unterricht dennoch derselbe mit größtem Nutzen cursorisch gegeben und dem Kinde eine ganz besondere Liebe für ein späteres Studium erweckt werden könne. Nach langer Debatte werden die Thesen in folgender Fassung angenommen: These I. Der Pentateuchunterricht gehört zu den wichtigsten Gegenständen der relig. Belehrung. These II. Der Unterricht im Pentateuch beginnt möglichst früh, sobald eine gewisse Fertigkeit im Lesen erreicht ist. These III. Die Schule hat das schlichte Verständniß des gesammten Pentateuch zu erstreben. These IV. Die Vertheilung des Stoffes braucht sich nicht nach der Reihenfolge im Pentateuch, sondern soll sich nach methodischen und pädagogischen Gesichtspunkten richten. These V. Das methodische Verfahren vermittelt zuvörderst an der Hand einer volksthümlichen Uebersetzung das Verständniß des betreffenden Stückes, dann erst die Uebersetzung des hebräischen Textes, wobei grammatische Erklärungen vorgenommen werden können. These VI. Wo die Verhältnisse es gestatten, ist die Theilnahme der Mädchen am Pentateuch wünschenswerth. Es folgt der Vortrag des Herrn Wolfs Aurich: „An-i regung bezw. Vorschläge zur Gründung eines allgem. deutschisrael. Lehrerbundes." Redner hebt mit Nachdruck die noch oft und regelmäßig wiederkehrenden Chikanen seitens der Gemeinden gegen den Lehrer hervor. Er beklagt, daß es kein Organ gäbe, das sich der Lehrer besonders annähme. Vieles, was geschieht, ist noch nicht das Rechte. Durch Gründung des gen. Vereins sei das Beste zu erhoffen. Derselbe soll die materielle Lage des gesammten deutsch-israel. Lehrerthums ins Auge fassen. Der Sitz des Vereins soll in der Mitte Deutschlands sein. Die Zweigvereine sollen mit ersterem stets in Verbindung stehen, um den Wünschen einzelner Lehrer! stets in vollem Maße entgegenkommen zu können. Auskünfte; über vacante Stellen seien dann zuverlässiger u. s. >v. — Der Bund muß den Rechtsschutz gewährleisten. Rechtsschutz- Commissionen, event. Rechtsgelehrte sollen in zweifelhaften Fällen das Verbiet fällen. Was bis jetzt zum Schutze der Lehrer existirt, sei mangelhaft. Redner kommt auf die jetzige ungünstige Zeit für solche Pläne, aber ermuntert, das Werk mit bestem Vertrauen zu beginnen. Folgender Antrag wird von dem Referenten gestellt: „In Erwägung, daß die socialen, materiellen und gesetzlichen Verhältnisse der jüdischen Lehrer einer dringenden Verbesserung einerseits bedürftig, andererseits aber auch eines Aufschwunges fähig sind; in Erwägung, daß die jüdische Lehrerschaft Deutschlands bisher eines gemeinsamen Mittelpunktes entbehrte und somit nie zu einmüthigen Maßnahmen wie zur rechten Aufklärung ihres Standesbewußtseins gelangen konnte: „beschließt die heutige Versammlung israel. Lehrer und Cultusbeamten des Landrabbinat-Bezirks Emden, -einen „Allgemeinen deutsch-israel. Lehrerbund" zu gründen, und beauftragt ihren Vorstand, die geeigneten Schritte zur Anbahnung einer derartigen Bereinigung zu unternehmen, sich aber insbesondere mit den Vorständen des bereits bestehenden jüdischen Lehrervereins in dieser Angelegenheit ins Benehme» zu setzen." Herr Landrabbiner Dr. Buchholz führt dagegen aus, daß ohne Hülfe und Zutreten der Regierung ein solches Unternehmen zwecklos sei und glaubt, wie Herr Rosenthal-Emden, daß eine Centralstelle nur eine Anklatschstelle sei, daß er selbst von einer Königl. Regierung des Staates erfahren, daß sie sich in solche Dinge nicht eiymischen werde. Der Vorstand unseres Vereins wird sich auf Antrag des Vorsitzenden mit dem Wolff'schen Anträge zur weiteren Besprechung an die übrigen Lehrervereine Deutschlands wenden, und diese ersuchen, Stellung zu dem Anträge zu nehmen. Den Herren Referenten wird der Dank des Vereins für ihre ausführlichen und mühevollen Arbeiten gesagt.! Zu Vorstandsmitgliedern pro 1887/88 werden die Herren Levy, Meyer und de Vries wiedergewählt. Die nächstjährige Versammlung' soll am 21. und 22. August wieder in Emden tagen. In Aussicht stellt Herr Landrabbiner Dr. Buchholz einen Vortrag über „einige pädagogische Sätze im Talmud" und Herr Apt-Meppen über den „systematischen Religionsunterricht". Die Versammlung erkannte es dankbar an, daß Herr Dr. Buchholz vom Anfang der Conferenz bis zum Schluß, im ganzen gegen 11 Stunden unverdrossen an ihren Arbeiten!theilnahm. Derselbe sprach sich zum Schluffe sehr lobend; über die taktvolle Leitung des Vorsitzenden aus, der es verstanden habe, im hitzigen Wortgefechte jedem gerecht geworden zu sein und bat die Versammlung, demselben für seine