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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-10-27 · Heft 43 (27.10.1887) · p. Seite 683

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 43 (27.10.1887)
Date
1887-10-27
Page
Seite 683 (sequence 11)
Language
German
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683 Nach der nämlich 1,7 M.), ,e. Ober- Die Ge- 592,842, stantischer der Leitroceßordsteht, so worden,; „Recht ieser in er einen :den, für n Punkt c Zeuge 8 zu be- :n allgeerwandtmchtend, , anderwelches Einfluß kenntniß ise conandere esonders ach der rach die chiedene und ist bekenntwmellen Zeugen ichkeiten teriellen bei Bebekenntize Beiersehen cht des solcher Grundsatz auf's Aeußerste bekämpft werden als Jnfraction gegen das Princip der Gleichheit vor dem Gesetze. Wir nehmen, wie bemerkt, nicht an, daß im Gesetze eine materiell verschiedene Beurtheilung nach der Confession beabsichtigt sei; dann aber streiche man auch die Frage nach ver Confession so schnell als möglich aus dem Gesetzbuch aus! Oesterreich-Ungarn. Wien, 12. Oktober. (Privatmitth.) Unser Kaiser begeht im nächsten Jahre das 40jährige Regierungsjubiläum. Bor einigen Tagen veröffentlichten einige Journale eine gleichlautende Notiz des Inhaltes, daß die Juden zum Andenken an diese Feier ein neues Gotteshaus erbauen wollen. Ich erkundigte mich hierauf bei den upper ten thousand, aber da wußte man nichts von der Sache. Möglicherweise war die ganze Notiz blos ein ballon d’essai. Nur ist so viel gewiß, daß, die jüdische Bevölkerungszahl in's Auge gefaßt, ein neues Bethaus am Platze wäre. Andererseits ist aber auch nicht zu bestreiten, daß die vorhandenen Bethäuser für das Jahr im Allgemeinen, mit Ausnahme vom Neujahrsniib Versöhnungsfest, ausreichen, und um für diese Tage zu genügen, auch drei neue Bethäuser es nicht würden. Sie gedachten jüngst des Professors Wahrmund und seiner antisemitischen Schriften. Ich halte es nicht für überflüssig, hervorzuheben, daß dieser Mann, bevor er seine anüsemitische Gesinnung zur Schau trug, sich in hiesigen jüdischen Häusern mästete, und es nicht verschmähte, sich an jüdischen Tafeln gütlich zu thun. Jüngst wurde hier eine tieftraurige Entdeckung gemacht. Im verflossenen Schuljahre befanden sich nämlich beiläufig dritthalbtausend Schüler in Volks- und Bürgerschulen, welche in Folge der Armuth ihrer Eltern hungerte». Manche hatten;u Mittag gar nichts zu essen und der größere Theil mußte sich mit trockenem Brode begnügen. Hoffentlich wird jetzt diesen Kindern geholfen werden. Es mag jedoch hervorgehoben werden, daß es ein Jude war, der diese Recherchen ««achte, nämlich Herr Johann Lichtenstadt, Redakteur der /Presse". Wie natürlich betheiligen sich in großer Masse Zuden bei der Hilfsaktion. Bei dieser Gelegenheit möchte ich eine Frage stellen: Was haben bisher die Antisemiten auf humanitärem Gebiete, ausschließlich für Arme, geleistet? Wien, 14. Oktober. Wir haben schon einmal bemerkt, daß es den antisemitischen Hetzern gelungen ist, durch ihre 2chlagwörter in den Vorstädten von Wien eine antisemilische Stimmung zu verbreiten. Bei der gestrigen Reichsrathswahl in den Bezirken St. Pölten wurde nach hartem Kampfe der Antisemit Ursinn gewählt. Der deutsch-liberale Kandidat Granitsch blieb in der Minorität. Wien, 13. Oktober. Heute fand die Ergänzungswahl für den Reichsrath im Bezirke Sankt-Pölten-Klosterneuburg statt. Der deutschliberale Kandidat vr. Granitsch erhielt 956 Stimmen, der Antisemit Ursinn 864 und der Klerikale Wimmer 357 Stimmen. In Folge dessen kamen Granitsch und Ursinn in die engere Wahl, welche sofort vorgenommen wurde und in welcher Granitsch unterlag, da die meisten Klerikalen für den antisemitischen Kandidaten stimmten. Pest, 16. Oktober. (Privatmitth.) Der Club der Antisemitenpartei hat sich aufgelöst. Diejenigen Abgeordneten, welche mit antisemitischen Programmen gewählt wurden, suchen nunmehr um Aufnahme in die bestehenden politischen Parteiklubs an. Bisher wurde nur vr. Ludwig Szabo, der Abgeordnete für Duna-Szerdahely, in einen Parteiverband ausgenommen und zwar ist der genannte Abgeordnete seit Kurzem Mitglied der liberalen Partei. Frankreich. Paris, 14. Oktober. Die Areh. isr. sind in der Lage, über eine Spende zu berichten, wie sie großartiger wohl noch nicht vorgekommen: Herr Baron Moritz von Hirsch beabsichtigt, die Summe von hundert Millionen für wohlthätige Werke, insbesondere Schulzwecke, in Galizien, Oesterreich-Ungarn und Rußland, zu verwenden. In dieser Absicht bereist jetzt der Bevollmächtigte des Baron Hirsch, Herr F. Veneziani, Rußland und Galizien, um die Verhältnisse und Bedürfnisse daselbst zu studiren. Ueber die Bedeutung dieser außer, ordentlichen Thal bedarf es keiner weiteren Auslassung. — In Paris bestehen gegenwärtig bereits zwei polnische Gemeinden. Die zweite eröffnete am Rosch Haschana in einem sehr alten Gebäude eine Synagoge von 150 Plätzen. Am 6. Oktober wurde dieselbe in Gegenwart des Großrabbinen von Paris eingeweiht. Niederlande. Amsterdam, im Oktober. Außer Frankreich und Italien sind es die Niederlande, in welchen den jüdischen Talenten auch die Staatsämter offen gehalten werden. Es ist dies eine Thatsache von schon älterem Datum; man erinnere sich z. B. Godefoy's, der zwei Mal Justizminister war. T. M. E. Asser ist berichterstattender Rath im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten; A. Texeira du Mattos, Berichterstattender Rath im Justizministerium; A. A. de Pinto und E. D. Asser, Mitglieder des obersten Gerichtshofes; die Professoren Rosenstein in Leyden, Drucker und Siemens in Groningen, Justizräthe; 28 Konsularagenten gehören unserer Religion an; in holländisch Indien ist Poive, Generalad- 43*

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