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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-10-20 · Heft 42 (20.10.1887) · p. Seite 668

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 42 (20.10.1887)
Date
1887-10-20
Page
Seite 668 (sequence 14)
Language
German
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668 Italien. Rom, im October. (Nach den Arch. isi\) Das Sornitz für die israelitischen Kinderasyle in Rom hat einen Rechenschaftsbericht über das Jahr 1886 ausgegeben. Die Einnahmen beliefen sich auf 26433 Lires und die Ausgaben auf 24386 Lires. Durch den Ueberschuß stieg der Fond auf 47841 Lires. Hierbei ist hervorzuheben, daß in die Einnahmen die von der römischen Stadtbehörde bis zu 10000 Lires gesteigerte jährliche Subvention, ferner 3000 Lires von der Provinz und Spenden der Nationalbank und anderer Creditinstitute, sowie die des Königs und der Königin von Italien eingeschlossen sind, woraus man die Sympathie ersehen kann, welche jene Anstalt genießt. Indessen befindet sich das Comite gegenwärtig vor einer schwierigen Frage. Das Ghetto ist niedergelegt, die jüdischen Familien haben sich über alle Theile der Stadt zerstreut — wie wird man es durchsetzen können, daß aus allen Theilen der großen Stadt die Kinder der Armen in die Anstalt kommen? Wird es möglich sein, Succursalschulen zu errichten. Die Lösung dieses Problems ist überaus wichtig. Türkei. Salonichi, 9. October. Von hier wird der Tod des dortigen Großrabbiners Arditi gemeldet. Der Verewigte war Inhaber des höchsten türkischen Ordens und bekleidete den Rang eines Paschas. An dem Leichenbegängnisse betheiligten sich 40,000 Personen. Palästina. Jaffa, im September. Unsere Leser erinnern sich, wie vor einigen Wochen durch die Zeitungen eine Notiz ging, unter der Autorität der Alliance univ. isr. seien in Palästina Münzen ausgegeben worden. Die Alliance dementirte sofort diese Nachricht, die von den Antisemiten ausgebeutet zu werden sehr geeignet war. Das eben ausgegebene Monatsbulletin der Alliance enthält ein Schreiben des Direetors der israel. Ackerbauschule zu Jaffa, welches das hellste Licht über die Sache verbreitet, und das wir deshalb zum Abschluß der Affaire in Uebersetzung mittheilen. Da das kleine Geld, das heißt die Münzen von 1 Piaster (Fr. 0.22), von 20 Paras (Fr. 0.11) und von 10 Paras (Fr. 0.055), hier sehr selten ist, manchmal sogar nicht zu finden, so waren wir fast immer sehr in Verlegenheit, um das Auszahlen unserer oft sehr zahlreichen Arbeiter zu vervollständigen. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, ließ man im Mai eine bestimmte Anzahl von Zahlpfennigen Herstellen (1 Piaster, 1I2 Piaster, '/4 Piaster) zum Nominalwerth von 1915 Piaster (ungefähr 422 Francs). Sobald unsere Arbeiter davon eine genügende Anzahl hatten, wechselten wir sie ihnen in die Landesmünze um, in Medjidiös (der Medjidie gilt in Jaffa 26 Piaster oder Fr. 5.75) und selbst in viertel Medjidie, wenn wir uns welche verschaffen konnten, denn sie sind auch sehr rar. Nach und nach circulirten, ohne unseren Willen, diese Zahlpfennige, welche wir nur für unsere Arbeiter hatten, in Jaffa, wo das kleine Geld vollständig fehlte und man glücklich war, kleines Geld zur Verfügung zu haben, von welchen may nicht zu fürchten brauchte, daß es außer Cours gesetzt werden könnte. Es geschah sogar oft, daß unsere Zahlpfennige nicht wieder zu uns zurück gelangten, und damit sie uns nicht fehlten, ließen wir in Jaffa auf unsere Kosten veröffentlichen und bekannt machen, daß diejenigen, welche nach Verlauf von vierzehn Tagen nicht zurückgebracht und gegen die Landesmünze umgewechselt würden, nicht mehr angenommen würden. Eine große Zahl der unrichtigen Besitzer richteten sich nicht nach dieser Aufforderung und im März 1884 waren wir genöthigt, 1000 Zahl- Pfennige von 1 Piaster und 1150 zu (2 Piaster Herstellen zu lassen, zu einem Münzenwerthe von 1575 Piaster oder ungefähr 347 Francs. Aber um Mißbräuche zu vermeiden, beschränken wir so viel wie möglich die Circulation dieser Zahlpfennige. Die Localbehörden ihrerseits kommen uns zu Hilfe, indem sie von Zeit zu Zeit die Circulation unserer Zahlpfennige und die der anderen streng verbieten und sogar denen Geldstrafte auferlegen, tvelche sie in Jaffa statt Zahlung ausgeben oder annehmen. Kurz wir haben zwei Mal, im Mai 1881 und im März 1884 Zahlpfennige machen lassen zu einem Nominalwerthe von 3490 Piaster oder ungefähr 765 Francs; es sind uns davon bis heute noch 1800 Piaster geblieben und in Circulation sind für 1690 Piaster, also ungefähr 375 Francs- Es ist klar, daß an dem Tage, wo es im Lande kleines Geld giebt, wir das Verwenden der Zahlpfennige sofort aufgeben werden, übrigens bedienen wir uns ihrer nur, um die Bezahlung unserer Arbeiter zu vervollständigen. Von allen israelitischen Colonien hat unseres Wissens nur eine einzige, die von Sichron Jacob, Zahlpfennige nach dem Muster der unsrigen machen lassen. Die Herren Breisch & Co. aus Jaffa haben ebenfalls für ihren Gebrauch Zahlpfennige machen lassen, welche 1 Piaster, 20, 10 und 5 Paras repräsentiren. Und schließlich hatte lange vor uns das Hotel „Jerusalem" in Jaffa Zahlpfennige zu 1 Piaster und (2 Piaster anfertigen lassen und hatte sich sogar erlaubt den Nominalwerth davon anzugeben, während unsere Zahlpfennige nur die Zahlen 1, (2/ J U tragen, ohne Werthangabe. Also im Gegensatz zu dem, was man Ihnen irrthümlich mitgetheilt hat, hat die deutsche Ackerbaucolonie von Jaffa diese Zahlpfennige für ihren eigenen Gebrauch anfertigen lassen, aber, wie Sie schon wissen, hat Herr Proß in Ca'iffa ebenfalls welche machen lassen.

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