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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-10-20 · Heft 42 (20.10.1887) · p. Seite 666

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 42 (20.10.1887)
Date
1887-10-20
Page
Seite 666 (sequence 12)
Language
German
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668 Deutschland. Berlin, 9. Oktober. Der „Deutsche Antisemiten-Bund" sandte am 23. v. Mts. dem Fürsten Reichskanzler nach Friedrichsruh folgende Depesche: „Ew. Durchlaucht senden die am 23. September auf Veranlassung des „D. A. B." in Nieft's Sälen zahlreich erschienenen deutschen Antisemiten zum 25jährigen Ministerjubiläum die treuesten deutschen Glückwünsche. Der Vorstand des „D. A. B." — Hierauf ist, wie die „Staatsb. Ztg." mittheilt, per Post folgende Antwort eingegangen: „Friedrichsruh, 24. September 1887. Für Ihre freundlichen Wünsche zum gestrigen Tage sage ich meinen verbindlichsten Dank. v. Bismarck. An den Vorstand des „Deutschen Antisemiten-Bundes", Berlin." — Jüngst hat Stöcker in Lauenburg gesprochen, sich aber nur über die „innere Mission" ausgelassen, von den Juden schwieg er. Gleiches wird wohl in Wiesbaden der Fall sein, wo er nächster Tage auftreten wird. — Was aus einem Antisemiten werden kann?! Der „Franks. Ztg." schreibt man aus Danzig: Der bekannte Antisemit Dr. Bernhard Förster versendet neuerdings an die Geistlichen und Lehrer in unserer Provinz Circulare, in welchen dieselben gebeten werden, unter dem Landvolke Auswanderer für.seine südamerikanische Colonie zu werben. Die Regierungen lassen durch die Kreisschul - Jnspectoren und Superintendenten die Empfänger solcher Circulare unter Androhung von Disciplinarmaßregeln warnen, sich mit Dr. Förster irgendwie einzulassen oder gar seinen Plänen Vorschub zu leisten. Das konservative Wahlcomitö hat die Herren Stöcker und Wagner als Mitglieder berufen. — Das ist genug: Straßburg, 10. Okt. Ueber ein hier stattgefundenes Duell zwischen einem Ulanen-Rittmeister und einem früheren Freiwilligen erfährt der „B. B.-C." folgende Einzelheiten: Der Letztere, ein ehemaliger Korpsstudent, jetzt Chemiker, Namens L. v. W., ein Jude und Sohn eines Berliner Rentiers, hat nach Ablauf seiner Dienstzeit den betreffenden Rittmeister um Aushändigung seines Militärpasses ersucht und wurde dabei wieder von diesem in Bezug auf sein religiöses Bekenntniß beleidigt. Er bemerkte seinem bisherigen Vorgesetzten, daß derselbe weiter von ihm hören sollte und beauftragte zwei seiner Freunde mit der Forderung des Rittmeisters zum Duell. Dieser weigerte sich, auf das Duell einzugehen; der zur Entscheidung angerufene Ehrenrath entschied jedoch, daß er hierzu verpflichtet sei. Nachdem der Ehrenrath am Montag diese Entscheidung getroffen, fand das Duell am Dienstag auf Pistolen mit 5 Schritten Distanz statt. Der erste Kugelwechsel war erfolglos. Nach demselben fragte der Unparteiische, ein Herr von dem K., ob der Beleidigte befriedigt sei. Derselbe erklärte, daß er nur dann sich für befriedigt erklären könne, wenn sein Gegner ihm in Gegenwart aller Zeugen sofort Abbitte leiste. Eine solche öffentliche Abbitte verweigerte der Rittmeister. Es fand nun der zweite Kugelwechsel, ebenfalls ohne Erfolg statt. Auf die nun erneuerte Frage des Unparteiischen erklärte der Beleidigte sich für befriedigt, während nunmehr aber der Rittmeister auf der Fortsetzung des Duells bestand. Es erfolgte ein dritter Kugelwechsel und ergab als Resultat eine ziemlich schwere Verwundung des Rittmeisters, der dadurch wohl dauernd dienstunfähig geworden sein dürfte, in der Schenkelgegend. Oesterreich-Ungarn. Pest, 3. Oktober. Der gewesene antisemitische Candidat im Neutraer Bezirk, Universitätsprofessor Dr. August Lubrich, und der gewesene antisemitische Candidat im Szakcser Bezirk, Gymnasialprofessor Franz Tomar, wurden vom Unterrichtsminister auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Bei der Feier der Enthüllung des Franz Deak-Denkmals, welche den 29. v. M. in Gegenwart Sr. Majestät des Königs stattfand, war die jüdische Confession auf Einladung des Ministerpräsidenten durch Herrn Rabbiner Dr. Kayserling vertreten. Aus Ungarn, 9. Oktober. In Ungarn wiederholen sich unter dem blöden Volke immer dieselben Vorgänge. Man 1 berichtetet: In Nyirvasvari, einer Gemeinde des Szatmarer Komitats, hat sich dieser Tage ein betrübender Fall ereignet, welcher durch die Böswilligkeit des Ortsrichters leicht schlimme Folgen nach sich hätte ziehen können. Dem „Egetertes" wird hierüber berichtet: Die Wittwe Lukas Kocsics hat gestern ihr sechsjähriges Söhnchen durchgeprügelt, worauf sich dasselbe aus dem Hause entfernte. Später suchte die Frau ihr Kind und da ihr Suchen vergebens war, erstattete sie im Gemeindehause die Anzeige von dem Verschwinden des Knaben. Der weise Gemeindevorstand hatte bald herausgefunden, daß das Kind durch die Juden umgekommen sein müsse, und als der Knabe bis zum Abend nicht zum Vorschein kam, drang der Richter in Begleitung eines Geschworenen zu später Nachtzeit in die Häuser mehrerer jüdischer Insassen ein, um dort Haussuchungen vorzunehmen und unter Drohungen die Herausgabe des kleinen Kocsics zu fordern. Als dieses Vorgehen nicht zu dem gewünschten Resultate führte, forderte der Richter noch im Laufe der Nacht die Ausschließung der Synagoge; er ließ auch die heilige Bundeslade öffnen und Alles aus

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