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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-10-20 · Heft 42 (20.10.1887) · p. Seite 665

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 42 (20.10.1887)
Date
1887-10-20
Page
Seite 665 (sequence 11)
Language
German
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665 netten Vokabularien vielfach ab. Bei manchem derselben läßt es sich nicht verkennen, daß es aufs Gerathewohl hin planlos verfaßt ist. Hier sollen einige Gesichtspunkte erörtert werden, die mir bei Abfassung desselben normativ waren. Was den Zweck eines guteingerichteten Vocabulars anbelangt, so besieht er wohl zunächst darin, daß sich der Schüler vermittelst desselben auf eine jede Lection vorzubereiten vermag-, daß eben dadurch das fast bei einem jeden Worte vorkommende, sich oft wiederholende Vorsprechen der Uebersetzuug seitens des Lehrers und Nach sprechen seitens des Schülers vermieden und viel Zeit und Mühe erspart werden, und daß die Einprägung derselben leicht von statten gehe und dennoch im Gedächtniß des Schülers dauernd verharre. Doch kann und soll damit auch noch ein höherer Zweck erreicht werden. Im Vocabular soll nämlich dem Leser ein theoretisch-praktisches Mittel geboten werden, seinen Schülern zu zeigen, wie sich das Geschäft des Uebersetzens und Uebertragens des Hebräischen ins Deutsche zu vollziehen Pflege; denn dadurch kann das blos mechanische Uebersetzen immer mehr aus den Schulen weichen und einem durchdachten und verstandenen Platz machen. Allein die Erreichung dieser Zwecke hängt sehr davon ab, wie ein Vocabular auf die grammatischen Verhältnisse hingewiesen und das Verständniß der Wortformen und ihrer Verbindungen angestrebt werde. Von dem Verfahren, welches ich in dieser Hinsicht in dem von mir verfaßten vorliegenden beobachtet habe, soll jetzt das Wichtigste erläutert werden. Das hebräische Verbum habe ich durchgehends in derjenigen Form und Gestalt aufgeführt, die cs gerade in der zu übersetzenden Stelle angenommen hat, einschließlich der Prä- und Suffixen (der Vor- und Nachsetzconsonanten), des Wav copul. consecut. convers., und habe die entsprechende Uebersetzuug angefügt. Ich habe es jedoch nicht für zweckmäßig erachtet, wie es in manchen anderen Vocabularien geschehen ist, bei einem jeden Verbum dessen Verhältnisse der Conjugation, Zeit, Person und des Geschlechts zu bezeichnen und so dem Schüler das selbstständige Besinnen und Denken zu ersparen, sondern habe anstatt dessen die 3te Person masc. des Präteritums oder, wie es manche nennen, des Perfects der betreffenden Conjugation als Normalform (Musterwort) hingestellt, woran der Schüler, dieselbe vor Augen habend, ganz leicht die übrigen grammatischen Verhältnisse aufsuchen und finden kann. So z. B. habe ich neben dem Berbnm „und er schied" hinzugefügt um anzudeuten, daß jenes im Hiphil steht, anstatt daß ich dabei hingeschrieben hätte: liiph. fut, 3 pers. masc. mit Wav convers., da diese grammatischen Verhältnisse von selbstthätigen Schülern leicht aufgefunden und bezeichnet werden können und müssen. — Außerdem habe ich in den ersten 18 Capiteln der Genesis (1. B. Mos.) bei einem jeden Verbum auch den Stamm (Radix) in einer Klammer angegeben; später ist dieses nur bei unregelmäßigen Verben geschehen oder auch bei denjenigen regelmäßigen, von welchen bis dahin noch keine Vocabel aufgeführt worden war. — In ähnlicher Weise verfuhr ich beim Namen, Den statu» coustructuL habe ich öfters neben den st. absol. gesetzt ohne nähere Bezeichnung, diese dem Schüler überlassend. Das Geschlecht des Substantivs wurde nur dann bezeichnet, wenn es weiblich aber ohne weibliche Endung, oder wenn es communis, d. i. beiderlei Geschlechts, ist. — Von besonderer Wichtigkeit erschien mir die Behandlung der Partikeln und Particular-Präfixen. — Hat ein Wort mehrere Bedeutungen, so habe ich sie nicht allesammt an einer einzigen Stelle angegeben, wie z. B. B'tn Kopf, Spitze, Anfang, dies ist unpraktisch, sondern auf mehreren Stellen vertheilt und an einer jeden nur diejenige gegeben, die der Sinn des Zusammenhanges fordert. — Dem Vocabular ist ein alphabetisch geordnetes Berzeichniß aller in ihm vorkommenden Wörter beigefügt und in diesem ein Mittel dem Schüler geboten worden, sich ein jedes Wort in seiner verschiedensten Bedeutung aufsuchen und wieder seinem Gedächtnisse einprägen zu können. Endlich ist auch eine kurzgefaßte hebr. Grammatik beigegeben worden. — Ich habe das Vocabular vor der Hand nur auf die 2 ersten Bücher Moses beschränkt, weil ich mich vorerst überzeugen wollte, welche Aufnahme dasselbe in der Lehrerwelt findet, und weil ich -auch von der Ansicht ausging, daß, wenn dieses in den Schulen vollständig und gründlich gelehrt werde, für die übrigen Bücher des Pentateuchs ein Vocabular leicht entbehrt werden könne. — Diejenige Buchhandlung, welche bereit ist, mein für sie gewiß lohnendes Merkchen in Druck und Verlag zu nehmen, bitte ich, mir es gef. kund zu thun. Das Honorar für meine Arbeit bildet durchaus keinen Differenzpunkt zwischen mir und dem Verleger. Vielleicht dürfte sich der in Berlin neugegründete Verein Beth Israel, der sich die Aufgabe gestellt hat, die Kenntniß der hebräischen Sprache zu fördern, veranlaßt fühlen, die Herausgabe meines Vocabulars zu übernehmen. In diesem Falle möge sich dessen Vorstand an mich wenden, und ich werde ihm sofort das Manuskript zur Einsicht übersenden. — Wenn mein Merkchen dazu beitrüge, unter der israelitischen Schuljugend eine gründlichere Erlernung der hebr. Sprache, die doch ein wichtiges Band der gesammten isr. Religionsgemeinschaft bildet, zu fördern und ein besseres Verständniß des Pentateuchs zu ermitteln, so würde ich mich für die auf seine Abfassung verwendete Zeit und Mühe hiirlänglich belohnt fühlen. 42

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