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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-10-13 · Heft 41 (13.10.1887) · p. Seite 652

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 41 (13.10.1887)
Date
1887-10-13
Page
Seite 652 (sequence 12)
Language
German
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652 cfjent wesentliche Förderung und Erleichterung talmudischer Arbeiten zu erhoffen ist. Die Veröffentlichung dieses Registers soll in Form von Separat-Beilagen erfolgen, die, den einzelnen Heften beigefügt, sich bequem zu einem Ganzen vereinigen lassen." Als Redacteur nennt sich H Bloch. Wir wünschen dem Unternehmen besten Erfolg, begreifen aber nicht, wie ein „wissenschaftliches" Bild und ein volles „wissenschaftliches" Urtheil ohne das Religiöse, Ethische (das im Talmud vom Religiösen getrennt werden kann) und Cermonielle gründlicher, objectiver Betrachtung zu unterziehen! Mit Ausnahme der Jurisprudenz ist alles Andere im Talmud nur secundär, Bruchstücke, Bröckelwesen. Dabei führt Herr Bloch nicht einmal die Linguistik auf, die gerade umfassender Bearbeitung die wichtigsten Resultate verspricht. Bonn, 6. Oktober. (Historische Notiz.) Wenn man bis jetzt als den ältesten jüdischen Grabstein in Deutschland einen solchen auf dem jüdischen Friedhof in Worms gehalten, welcher die Jahreszahl 4360 nach der Schöpfung der Welt, d. i. 900 nach der gew. Ztr., trägt, so ist jetzt durch einen Zufall ein älterer in Mainz entdeckt worden. Bei Zahlbach einem Dorfe in der nächsten Nähe von Mainz, bemerkte man wie dee „Israelit" berichtet, einen als Uebergang über einen Bach dienenden Stein mit hebräischen Schriftzeichen. Nach Säuberung desselben stellte der Herr Rabb. Di*. M. Lehmann Inschrift und Jahreszahl fest, wonach derselbe aus dem Jahre 4566 a. m. 806 n. herrührt. Der Stein ist in das städtische Museum geschafft worden und wird noch einernäheren Prüfung unterzogen werden. Ieurtteton. Eine Wiener Reise im Jahre 1853. ii. „Ah, das muß ja prächtig sein, dort möchü ich hin! 's giebt nur ein' Kaiserstadt, 's giebt nur ein Wien." Diese Strophen aus dem damals beliebten, höchst harmlosen Singspiel „die Wiener in Berlin" kamen mir unwillkürlich auf die Lippen, als der Bahnzug von Prag nach der Kaiserlichen Residenz sich in Bewegung setzte. Die Fahrt ging reglementsmäßig vor sich; man saß in langen Wagen mit einem Mittelgang durch die Sitzplätze rechts und links. Da war es nun etwas komisch, daß bei jeder Station der Polizist durch die Wagen ging und rief: „die Pässe!" und diese revidirte. Man steckte schließlich diese Zeugnisse gesellschaftlicher Unbescholtenheit gar nicht mehr ein, sondern behielt sie in der Hand, um sie auf jenen Ruf dem Wächter des Gesetzes vor die Nase zu halten. Dabei war die Beleuchtung, wir fuhren des Nachts, so schwach, daß der Mann gewiß nichts lesen konnte. Was thut's, es hatte doch Jedermann sein bestempeltes Papier und Jedermann wurde an die väterliche Wachsamkeit der Regierenden über die Regierten erinnert. — Die Nacht verging, die Sonne erhob sich strahlend über die weite, von wolkigen Höhen umkcänzte Flur, als wir über die aus Napoleonischer Zeit her berühmte Insel Leoben und in den Bahnhof fuhren. Ich hatte mein Ziel erreicht. Ein freundliches Zimmer in einem der mittleren Gasthöfe in der Leopoldstadt nahm mich auf und bald hatte ich mich erfrischt, meine Sachen geordnet und machte mich zum Ausgehen bereit. Aber, lieber Leser, du mußt Nachsicht üben, wenn — in etwas einförmiger Weise — das erste Stück des „prächtigen" Wiens für mich wieder in dem Geschäftszimmer des Polizeikommissarius sich abspielte. Nachdem ich gleich nach der Ankunft meinen Namen in das Fremdenbuch eingeschrieben und meinen Paß abgegeben hatte, überraschte mich schon während des Frühstücks eine Aufforderung, nach der Polizei zu kommen. Ich wurde höflich ausgenommen, aber einer Inquisition unterworfen. Woher ich komme? wohin ich wolle? zu welchem Zwecke ich nach Wien gekommen? wie lange ich mich da aufhalten wolle? u. s. w. Ich war tief gerührt von dem hohen Interesse, welches die K. K. Regierung an meiner geringen Person nahm und beantwortete alle Fragen in unbefangener Weise. Da kam die Hauptfrage: ob und wann ich in Prag gewesen? niemals außer jetzt auf der Durchreise. Ob ich nicht einmal Hofmeister in Prag gewesen? Jetzt wußte ich Bescheid. Mein Vetter, der sel. Dr. Gustav Philippson war vor einiger Zeit Hofmeister in Prag gewesen und hatte einige scharfe oppositionelle Artikel veröffentlicht, auf die hin er ganz im Stillen Prag und den Kaiserstaat verlassen mußte. Man war also so schlau, zu glauben, daß derselbe sich in die Höhle des Löwen getrauen sollte. Es ward mir nicht schwer, zu beweisen, daß ich ich und nicht mein Vetter sei, noch dazu, da mein Paß mir bezeugte, daß ich ehrsamer Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Magdeburg sei. Man entließ mich und belästigte mich nicht weiter, obschon ich zufällig meist mit Männern umging und in deren Gesellschaft gesehen wurde, welche aus der, doch noch so kurz vergangenen Revolutionszeit nicht unverdächtig erscheinen konnten. Und da will ich denn eine Bemerkung hinzufügen, die sich mir damals aufdrängte. Sie betraf einen fühlbaren Unterschied in dem allgemeinen Geiste, der mit der siegreichen Reaktion in Nord-

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