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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-10-13 · Heft 41 (13.10.1887) · p. Seite 651

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 41 (13.10.1887)
Date
1887-10-13
Page
Seite 651 (sequence 11)
Language
German
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651 lautern, um dem Hochverdienten die letzte Ehre zu erweisen und zugleich auch den neuen Gottesacker zu weihen. Ein unendlich langer Zug, bestehend aus allen Confessionen und Klassen der Bevölkerung, auch aus der Umgegend, folgten dem Condukt. Auf dem neuen Platze angelangt, recitirte der hiesige Lehrer, Herr Klein, mehrere Psalmen und sprach ein deutsches Gebet, worauf Hr. Dr. Landibay in einer alle Anwesenden tief ergreifenden Grabrede die Verdienste des Verklärten um Familie und Gemeinde hervorhob und dann in passender Weise die Weihe über den neuen Friedhof aussprach. Der treffliche Redner dankte auch der politischen Gemeinde für die Theilnahme derselben an der Errichtung des neuen Friedhofes durch eine entsprechende Subvention und übergab denselben dem Schutze des Publikums als einen heiligen Platz, der niemals durch Entehrung oder Beschimpfung zu leiden haben möge. Tief ergriffen und gehoben verließen die zahlreichen Theilnehmer an diesem Akte den Friedhof, auf dem zuletzt noch Herr Klein das rituelle Gebet vortrug. Der Gemeinde, die trotz ihrer nicht bedeutenten Mitgliederzahl große Opfer gebracht, um eine selbstständige Ruhestätte ihren lieben Heimgegangenen zu bereiten, alle Anerkennung! Bonn, 6. October. (Literarische Notizen.) Wir erhalten aus Breslau einen Prospect, dessen Hauptstellen wir hier wiedergeben. Es heißt da: „Den Charakter unserer Zeit bestimmt die Specialforschung". Gegenüber dieser Erscheinung muß es um so mehr befremden, daß noch ein großes, fruchtbares Gebiet der wahrhaft wissenschaftlichen Bearbeitung entbehrt (??), während es doch nicht minder, als seine herrlich angebauten Nachbarfluren befähigt ist, jede ihm zugewandte Mühe mit reicher Ernte zu lohnen. Dies von der Wissenschaft so arg vernachlässigte Feld ist der Talmud. Wer sich bisher mit ihm beschäftigte, ging nicht voraussetzungslos und vorurtheilsfrei an ihn heran, wie an irgend einen anderen Gegenstand des Erkennens, vielmehr war es entweder religiöse Anschauung oder politische Parteirichtung, welche den Arbeiten, die den Talmud zum Gegenstände hatten, den Stempel irgend einer Tendenz aufdrückte und sie so des objectiven, wissenschaftlichen Charakters entkleidete. Und doch verdienen es wohl wenige Bücher in höherem Grade, allgemeiii gekannt zu werden, als dieses Werk, das scheinbar nur ein Haufen zusammenhangsloser Bruchstücke, thatsächlich aber ein einheitliches, abgerundetes (?) Ganze ist, das den oberflächlichen Beschauer abstößt, weil es ihm unsittlich (??) und abstrus erscheint, und das doch dem, der es in seiner Eigenart zu verstehen sich ernstlich bemüht, eine unendliche Welt des Wahren, Guten und Schönen erschließt! Soll aber hierin eine Wandlung zum Besseren eintreten, so bedarf es vor allem eines Organs, das in sich alle dem Talmud gewidmeten Studien concentrirt und zugleich die Anregung zu neuen, erfolgreichen Arbeiten auf diesem Felde gewährt. Ein solches Organ beabsichtigt die Unterzeichnete Redaction unter dem Namen: „Zeitschrift für die gesummte Wissenschaft des Talmuds" ins Leben zu rufen. Um diesem aber den rein wissenschaftlichen Charakter zu wahren, ist es nöthig aus dem Gebiete, dem es seine Pflege zuwenden will, alles dasjenige anszuschließen, was ein lediglich religiöses Interesse bietet, also vor allem das, was nur mit den die Ceremonien und den Cultus betreffenden Bestimmungen des Talmuds zusammenhängt. Hiermit soll anderseits die sorgfältigste Schonung aller religiösen Gefühle verbunden und jede Polemik religiösen Inhalts streng vermieden werden. Was aber innerhalb des so umgrenzten Gebietes liegt, der große Kreis aller derjenigen Wissenschaften, die der Talmud eingehend behandelt oder nur gelegentlich berührt: die Philosophie mit allen ihren Specialgebieten, die Jurisprudenz, die Geschichte nebst ihren zahlreichen Hilfswissenschaften, insbesondere der Alterthumswissenschaft, der Culturgeschichte, der Numismatik, die Geographie re. re., die National-Oeconomie, nicht nlinder aber auch die gesammten Naturwissenschaften und die Medicin, ebenso auch die Künste insbesondere die Musik und die Baukunst, u. s. w., u. s. w., das Alles soll in dem hier angekündigten Organ eine systematische, streng wissenschaftliche Bearbeitung finden. Diesem ihren Standpunkte der strengsten Wissenschaftlichkeit entspricht es auch, daß die Unterzeichnete Redaction sich nicht an einen durch den Gegensatz der Confessionen bestimmten oder begrenzten Leserkreis wendet, sondern an das gesammte gelehrte und wahrhaft gebildete Publikum, ebenso aber auch, daß sie ihre Mitarbeiter nicht in den Reihen irgend einer bestimmten Religionsgesellschaft sucht, sondern jeden, weß' Glaubens er immer sei, zum Worte verstatten will, der zur wahren Erkenntniß und zum richtigen Verständniß des Talmuds etwas beizutragen vermag. Die Absicht geht dahin, in noch zu bestimmenden Zwischenräumen müßig starke Hefte herauszugeben, deren Hauptinhalt in fortlaufender Aufeinanderfolge wissenschaftliche Abhandlungen der bereits näher angegebenen Art bilden sollen. Diesen soll ein Literaturbericht folgen, welcher durch möglichst eingehende, rein sachgemäß gehaltene Besprechungen die Leser über die neuesten Erzeugnisse der einschlägigen Literatur zu unterrichten bestimmt ist, während wissenschaftliche Mittheilungen und Miszellen von sonstigem Interesse den Schluß bilden werden. Gleichzeitig beabsichtigt die Redaetion unter Heranziehung geeigneter Kräfte die Herstellung eines zuverlässigen, den Bedürfnissen der modernen Wissenschaft entsprechenden Wort- und Sachregisters, welches den Talmud und die an ihn sich anschließende Literatur berücksichtigen soll, ein Werk, von wel- 41*

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