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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-10-13 · Heft 41 (13.10.1887) · p. Seite 650

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 41 (13.10.1887)
Date
1887-10-13
Page
Seite 650 (sequence 10)
Language
German
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650 Bulgarien. Rustschuk, im September. Nur weil in den öffentlichen Blättern wiederholt die Rede davon war, mag hier Folgendes und zwar, nach dem Pariser Temps erwähnt sein. Der französische Consul ist von Rustschuk abberufen worden, weil der bulgarische Präfekt sich wiederholt ungerechtfertigte Willkür gegen französische Unterthanen hat zu Schulden kommen lassen. Ein französischer Bürger Cohen (Israelit), der, obschon nach dem Berliner Vertrage Fremde als solche keine Abgaben zu zahlen haben sollen, auf Befehl des Präfekten jährlich fünfzig Francs Steuern bezahlte, sollte jetzt 200 Francs bezahlen, und da er sich dessen mit Zustimmung seines Consuls weigerte, wollte der Präfekt seine Mobilien mit Beschlag belegen und öffentlich verkaufen lassen. Der französische Consul begab sich in das Haus des Israeliten und wies die bewaffneten Beamten entschieden zurück. Da ließ der Präfekt nächtlicher Weise zwei Buden des Cohen niederreißen, daraus entstand nun der Conflikt, der mit dem Abbruch der Consularverbindung endete und erst in Sofia einen Abschluß finden wird. Die Religion des Cohen hat mit der Sache nichts zu thun; aber da einmal in den öffentlichen Blättern davon die Rede war, wollten wir es hier nicht unerwähnt lassen. Jedenfalls beweist es, wie sehr sich die französische Regierung ihrer Schutzbefohlenen auch in den Donauländern annimmt, auch wenn sie jüdischen Glaubens sind, was bekanntlich andere Staaten unterlassen. Bonn, 3. Oktober. (Notizen.) Aus Berlin schreibt man: Die Trauerfeier für den Geheimen Medizinalrath Professor Dr. Joseph Meyer fand heute Bormittag 10 Uhr im Sterbehause Potsdamer Str. 125 statt. In dein Sprechzimmer war der Sarg unter reichem Trauerschmuck aufgestellt. Prachtvolle Kränze, die von den Professoren der Universität, den Assistenten des Verstorbenen, dem Ausschuß der Stndirenden, den medizinischen Vereinen, der Universität, den Berliner Aerztevereinen und vielen anderen Korporationen niedergelegt waren, verdeckten den Sarg fast vollständig. Als amtlicher Vertreter der Universität war der Rektor, Geheimrath Professor Wahlen, erschienen; ihm schlossen sich von Universitätslehrern an die Professoren Tubois-Reymond, Senator, Hirsch, Henoch, Kronecker, Rubo u. A. Tie Stadt hatte eine Deputation von Magistratsmitgliedern, die Stadträthe Friede! und Mamroth, und mehrere Stadtverordnete unter Führung der beiden Vorsteher Dr. Stryck und Dr. Laugerhans entsendet. Die ärztlichen Collegen des Verewigten waren am zahlreichsten in der Trauerversammlnng; man bemerkte unter ihnen die Geheimräthe Dr. Abarbanell, Markuse, Gumbinner, Neumann. Auch viele Personen, die als Patienten Prof. Meyers Hilfeleistung an sich erfahren, umstanden trauernd den Sarg. Nach einem Chorgesang nahm Prediger Dr. Ritter von der jüdischen Reformgemeinde das Wort zur Gedächtnißrede, in der er namentlich die große Menschenfreundlichkeit des Verblichenen feierte. Nach abermaligem Gesang wurde der Sarg zum Wagen hinabgetragen, worauf sich der große Leichenzug in Bewegung setzte. An der Spitze fuhr der Ausschuß der Studirenden mit dem Universitätsbanner und der Fahne der medizinischen Fakultät, dann folgten nach einander in offenem Wagen der Ausschuß der Technischen Hochschule und der Krankenverein derselben, dessen Arzt Meyer gewesen, die Vertreter der Burschenschaften Franconia, Hevella und Saxonia, der Verband wissenschaftlicher Vereine, der Gymnasialverband, die freie wissenschaftliche Bereinigung, die akademische Liedertafel, der Gesang-, der juristische und der wissenschaftliche Verein, Schachklub Ghibellinia, Cheruscia, Neo-Germania und Turnverein Borussia. Der Weg ging nach dem alten jüdischen Friedhofe in der Schönhauser Allee, wo die Beerdigung erfolgte. — Aus Warschau wird berichtet: Das Städtchen Tryzli, Kreis Szawel, ist in Folge böswilliger Brandstiftung abgebrannt. Der größte Theil der Obdachlosen sind Juden. — Bei der Ausstellung in Havre erhielten Levy Bram in Algier für seine rotheu Weine und Gebrüder Ellul in Algier für ihre vorzüglichen Getreide die goldene Medaille. Auch für ihre Verdienste bei Lebensrettungen, namentlich bei Feuersbrünsten, erhielten mehrere algierische Juden Auszeichnungen. — Die Arch. isr. entnahmen unserem Blatte die Mittheilung über Eduard Israel, selbstverständlich ohne Angabe der Quelle. Dabei begegnete es dem Bearbeiter, daß er vergaß, er habe es mit einer nordamerikanischen Expedition zu thun und läßt die sieben Ueberlebenden nach Europa zurückkehren. — Man schreibt uns aus Offenbach a. Gl., d. 25. v. M. Die hiesige Gemeinde feierte heute einen in ihrer Geschichte höchst denkwürdigen Tag, nämlich die Einweihung ihres neuen Friedhofes. Nachdem der alte Gottesacker, ein äußerst schwer zugänglicher, auf steiler Anhöhe gelegener Platz, an dem auch noch zwei andere in der Nähe gelegene Gemeinden participiren, bereits von Gräbern angefüllt war, trug sich seit langer Zeit die Vertretung der Gemeinde und vor allem unser um das Gemeindewohl hochverdienter ehemaliger Vorstand, Herr Trifurth, u. A. mit dem ernsten Gedanken an eine Neuerwerbung eines zweckentsprechenden Platzes für den zu errichtenden Friedhof. Leider daß gerade er, der für diesen schön gelegenen und außerordentlich geeigneten Platz alles aufgeboten, als der Erste dort ruhen muß! Kaum waren die Umfassungsmauern zu dem neuen Friedhofe fertig gestellt und alles andere, was den Platz als solchen markirt, — da entschlief derjenige, der ihn als sein geistiges Werk bezeichuen konnte. Die Gemeinde und die Angehörigen des Verblichenen beriefen darum den bez. Rath Dr. Landibays aus Kaisers-

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