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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-10-06 · Heft 40 (6.10.1887) · p. Seite 635

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 40 (6.10.1887)
Date
1887-10-06
Page
Seite 635 (sequence 11)
Language
German
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635 der Cherssoner Rabbiner unlängst zwei Juden, Abram Kogan und Moses Minster, daß dieselben ohne jede Befugniß eigenmächtig Trauungs- und Beerdigungs-Acte ohne Hilfe des Rabbiners vornehmen. — Da die eingeleitete Untersuchung die Anzeige des Rabbiners bestätigte, so wurden die beiden Juden zur gerichtlichen Verantwortung gezogen und vom Cherssoner Bezirksgericht zu je 40 Tagen Gefängniß verurtheilt. Die Juden, die sich trotzdem im Rechte fühlten, wandten sich an den hiesigen Gerichtshof, woselbst die beiden Rabbiner-Gehilfen, Herren Eichenwald vr. Pomeranz als Experten vorgeladen waren, deren Meinungen in dieser religiösen Frage aber ganz auseinander gingen. Trotz der glänzenden Vertheidigung des Herrn Margulies fand der Gerichtshof die beiden Juden für schuldig, eigenmächtig religiöse Acte vorgenommen zu haben und bestätigte das erste Urtheil. Rumänien. Bukarest, 21. Sept. Die Judenfresser in Rumänien und ihr Vorbild. Die „Franks. Ztg." berichtet: „Vorgestern wurde aus Crajova gemeldet, daß der Vorsitzende des Comitös der Crajovaer nationalen Ausstellung und Präsident der Genossenschaft einheimischer Gewerbetreibender, der Deputirte Butculescu, unter Beschlagnahme seiner Bücher vor das Parquet citirt worden sei, um sich wegen ordnungswidrigen Gebahrens mit den seiner Verwaltung anvertrauten Geldern zu verantworten. Herr Butculescu hat, ohne über eine wirthschaftliche und politische Bildung, über Vermögen oder Einfluß zu verfügen, sich nur dadurch zu einer gewissen öffentlichen Rolle emporgeschwungen, daß er den engen wechselseitigen Anschluß der rumänischen, das heißt nämlich der im Besitze des rumänischen Bürgerrechts befindlichen Gewerbtreibenden den fremden Industriellen und Handwerkern gegenüber als einziges Mittel zur Hebung der gewerblichen Production im Lande predigte. Als Mittel zu diesem Zwecke wurde die Genossenschaft einheimischer Gewerbetreibender, die „Looiststo ovoxoratorilcm in tsro." gegründet, welche durch Veranstaltung von Ausstellungen, an welchen sich nur Rumänen betheiligen durften, Nachweisen sollte, daß fremde Handwerker und Industrielle im Lande überflüssig seien. Als jedoch die ersten Anläufe zur Veranstaltung solcher Ausstellungen mit derartig beschränktem Programm jämmerlich Fiasko machten, sah man sich veranlaßt, auch solchen Fremden, welche bereits mindestens zehn Jahre im Lande waren, die Theil- »ahme an den Ausstellungen zu gestatten — israelitische Gewerbsleute und Industrielle ausgenommen, welchen auch fernerhin die Pforten der nationalen Ausstellungslocale verschlossen bleiben sollen. Man kann gerade nicht sagen, daß die Ausstellungen der „Kooletuts aooporatorilos" epochemachend für das Wirthfchaftsleben Rumäniens gewesen seien, denn was ich auf ihnen Gutes fand, war ja doch von eingewanderten Theilnehmern ausgestellt worden, welche man, wie das z. B. bei der Bukarester Ausstellung des Jahres 1883 geschah, zur Beschickung der Ausstellungen geradezu nöthigte. Aber Herr Butculescu war, Dank der im wirthschaftlichen Leben Rumäniens immer mehr an Boden gewinnenden exclusiv-chauvinistischen Richtung, der Name des Tages geworden, dem es sogar nicht schadete, daß ihm im Rechnungsberichte über die Bukarester Ausstellung des Jahres 1883 eine nicht rechnungsmäßig belegte Mehrausgabe von mehr als 30,000 Francs nachgewiesen wurde. Ja er wurde sogar im folgenden Jahre zum Deputirten gewählt, als welcher er sich sofort auf die Seite der Schutzzöllner, Fremden und Judenfresser stellte. Die in seiner Jungfernrede aufgestellte Behauptung, daß der durch die fremde Conkurrenz zu Grunde gerichtete rumänische Gewerbsmann nicht einmal einen im Jnlande erzeugten Strick finden könne, um sich mit demselben aufhängen zu können, wurde in den Kreisen seiner Gesinnungsgenossen lebhaft beklatscht, und Herr Butculescu, welcher nur Kleider von im Jnlande erzeugten Stoffen trug, wurde trotz seines allgemein bekannten Charlatancharakters eine in gewissen Kreisen sehr populäre Persönlichkeit Es schien nun, als wenn ihm die Ausstellung zu Crajova das Genick brechen werde. Herr Butculescu hat sich nämlich geweigert, über die von ihm verwendeten Gelder Rechenschaft abzulegen, was zu einer strafgerichtlichen Anzeige und zur Einleitung der oben erwähnten Untersuchung führte, doch wird bereits heute gemeldet, daß sich einflußreiche Leute um die Niederschlagung der Untersuchung bemühen, weil man befürchtet, daß bei deren weiterer Verfolgung auch andere, für unsere fremdenfeindlichen Chauvinisten sehr unangenehme Details an das Tageslicht kommen könnten. Bonn, 2. Oktober. (Notizen.) Aus Stampfen (Ungarn) wird unterm 15. Sept. geschrieben: Herr Simon Spitzer und dessen Frau haben aus eigenen Mitteln einen Tempel erbauen und ihn vollständig einrichten lassen. Anläßlich der Uebergabe desselben an den Cultusvorstand fand am 13. d. die Schlußstcinlegung und Einweihung des Gotteshauses statt. Dem in feierlicher Weise begangenen Acte wohnten nebst Vertretungen aus allen umliegenden Eultusgemeinden, zahlreiche Gäste aus Wien, Preßburg und Malaczka bei. Nach der Feierlichkeit gab Hr. Spitzer sowohl den Gästen als auch der Feuerwehr, welche während der Feierlichkeit Spalier bildete, ein Banket. — Man schreibt aus Berlin vom 26. Sept. Gestern Abend ist der Geh. Medicinalrath (außerordentlicher!) Professor vr. Joseph Meyer verschieden. Joseph Meyer wurde am 10. Juli 1818 zu Stralsund geboren und promovirte im Jahre 1845. Alsdann war er eine Reihe von Jahren Assistent des berühmten Klinikers Schoenlein, der den ausgedehntesten und tiefgrei- 40*

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