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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-10-06 · Heft 40 (6.10.1887) · p. Seite 633

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 40 (6.10.1887)
Date
1887-10-06
Page
Seite 633 (sequence 9)
Language
German
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633 durch ihr Benehmen angefeindet. Man erwäge, daß die elfässischen Juden keine besondere Intelligenz im Laufe der Zeiten durch etwaige Geisteserzeugnisse erwiesen haben, wenigstens sind solche aus ihrem Schoße nicht hervorgegangen, namentlich seitdem das Rabbinerseminar von Metz nach Paris verlegt worden. Was an geistigen Kräften unter ihnen erwuchs, zog stets nach Paris, um sich dort eine Stellung zu erwerben, wie dies ja aus allen Provinzen Frankreicks der Fall war und ist. Daß sich dann recht viele jüdische Männer aus Elsaß in Paris auszeichneten und selbst hervorragende Aemter erlangten, gereichte uns znm Ruhm, wirkte aber nicht unmittelbar auf die Zurückgebliebenen. Die elfässischen Juden sprechen durchaus deutsch und haben viel weniger sich dem französischen Wesen zugeneigt als ein nicht geringer Theil der anderen Bevölkerung. Dies ist ihr Standpunkt und sie wissen recht wohl, daß es ihre Pflicht ist, den Gesetzen des Staates treu zu gehorchen, welchem sie nach dem Willen der göttlichen Vorsehung, nach den Geschicken, die diese über die Völker verhängt, angehören. Mögen daher diese gewissenslosen Denunziationen verstummen oder doch kein Gehör finden, wenn sie zum Schaden des Friedens und der Gerechtigkeit Haß aussäen und selbst da Unruhe verbreiten wollen, wo keine Ursache dazu gegeben wird! Oesterreich-Ungarn. Wien, 23. September. (Privatmitth.) Sie haben gewiß die Worte, die jüngst der Kaiser zu der Deputation der israel. Gemeinde in Neutra sprach: „Die unbedingte Gleichberechtigung ist in jeder Beziehung ein Gebot der Gerechtigkeit", zur Kenntniß Ihrer Leser gebracht. Es ist auch hervorzuheben, daß der Kaiser an die zahlreichen Deputationen des katholischen Clerus in Ungarn, wo er sich in den letzten Wochen befand, wiederholt die Mahnung richtete, den religiösen Frieden zu wahren. Bei dieser Gelegenheit will ich auch bemerken, daß die streng katholischen „historisch-politischen Blätter" (begründet von Görres) in einem der letzten Hefte Nr. 5 einen Artikel gegen den Antisemitismus veröffentlichten. Jüngst fand die Einweihung des neuerbauten Bethauses der türkisch-israelitischen Gemeinde statt. Wie allseitig constatirt wird, gereicht dieses Gebäude zur Zierde Wiens. Eigenthüinlich genug wurde diese Synagoge eingeweiht, ohne daß außer den üblichen Gebeten ein Wort gesprochen wurde Bei dieser Gelegenheit mag folgende Bemerkung beigefügt werden: Bis vor etwa 30 oder 40 Jahren trugen die Mitglieder der türkisch-israelitischen Gemeinde, Männer und Frauen, die malerische orientalische Tracht und sprachen zumeist spagnolisch, jetzt kleiden sie sich ausschließlich deutsch, respective französisch, d. h. modern und sprechen deutsch. Sie haben eine Schule mit deutscher Unterrichtssprache, und zahlreiche Kinder besuchen die allgemeinen Volks-, Bürger- oder Mittelschulen. So viel jedoch bekannt ist, widmen sich nur selten Knaben oder Jünglinge der Wissenschaft im Allgemeinen oder der jüdischen insbesondere. Der Ritus in ihrer Synagoge ist der spanische. Sie haben jedoch in letzter Zeit einen deutschen Cantor, Namens Bauer, und einen Chor. — Der Minister für Cultus und Unterricht ernannte in jüngster Zeit Herrn Dr. Löwith, einen Israeliten, zum Professor an der medicinischen Facultät in Innsbruck. An dieser Universität wirkt bereits ein Jude als Professor, Herr vr. Eduard Lang. Wien, 22. Sept. (Privatmitth.) Die für gestern Abend 8 Uhr in Elterleins Casino in Hernals vom „Christlichsozialen Verein" einberufene Versammlung, bei welcher zwei ungarische Antisemitenführer über die Parteiverhältnisse und die Antisemiten-Bewegung in Ungarn und der Reichsraths- Abgeordnete vr. Lueger über den Linzer Gewerbetag sprechen sollten, wurde noch vor Beginn von dem anwesenden Polizeicommissär inhibirt. Der neuerbaute prachtvolle Tempel der hiesigen türkischen israelitischen Gemeinde wurde den 17. d. M. in feierlicher Weise eingeweiht. Zahlreiche Nobilitäten nahmen an der Feier Theil. Die türkische Botschaft war durch ihren Secretär vertreten. Die Regierung, der Magistrat, die israel. Cultusgemeinde und die Geistlichkeit, sowie die serbische und rumänische Botschaft waren vertreten. Der Chacham Papo sprach ein Dankgebet in spanischer Sprache. Wie wir der „Neuzeit" entnehmen, wird der hebräische Redacteur M. L. Rodkinsohn, der infolge einer Denunciation hier verhaftet und gegen Ende April d. I. nach Rußland ausgeliefert wurde, demnächst als schuldlos freigelassen. — Telegraphisch wird gemeldet: Baron Hirsch spendete eine Million Gulden zur Errichtung einer Gewerbeschule für jüdische Waisenkinder in Galizien. (Unsre Leser, die unsre Artikel über „das galizische Werk" gelesen, werden die Bedeutung dieser neuen wohlthätigen That des Baron Hirsch zu würdigen wissen. Red. d. A. Z. d. Jud.) Klausenburg, 23. Sept. Kaiser Franz Joseph ist hier eingetroffen und festlich empfangen worden. Auf die Huldigungsansprache des Metropoliten Roman erwiderte der Kaiser, die griechisch orientalisch-rumänische Kirche könne stets auf seinen wirksamen Schutz rechnen, er wünsche aber, daß jede Konfession ohne Unterschied der Nationalität jede Agitation von sich fernhalte und sich eins fühle in der Erfüllug der patriotischen Pflichten. Er erwarte deshalb, daß die Geistlichkeit ihren Einfluß auf die Bevölkerung zur Pflege wahrhaft patriotischer Tugenden benutze, was ihm einen erfreulichen Anlaß zu seiner Zufriedenheit und zu seiner jederzeit gern bekundeten Gnade geben werde. Die Ansprache der Deputation des evangelischen Kirchendistricts beant- 40

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