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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-29 · Heft 39 (29.9.1887) · p. Seite 619

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 39 (29.9.1887)
Date
1887-09-29
Page
Seite 619 (sequence 11)
Language
German
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619 mal von kompetenter Seite die Augen geöffnet werden sollten. Ebenso, wie kürzlich der officiöse „Telegraful" die Anlage einer Fremden- und'Judenstatistik im Sinne antisemitischer Bestrebungen verlangte, so will auch die volkswirthschaftliche Fachschrift „Economia Nationala" eine solche Fremdenstatistik namentlich im Hinblick auf die zahlreichen im Lande lebenden Ungarn durchgeführt wissen. Bukarest, 10. Sept. (Privatmitth.) Am 4. d. und den folgenden Tagen fand hier eine Versammlung der rumänischen Antisemitenliga statt. Nur den Mitgliedern derselben war der Zutritt gestattet und die Verhandlungen wurden geheim gehalten. Die Epoca, ein den Juden durchaus nicht freundliches Journal, bringt jedoch Einiges aus diesem unheimlichen Congresse, und das ist trübselig genug. In der ersten Versammlung wurden folgende Resolutionen beschlossen: l) Bon der Regierung zu verlangen, den Juden nicht mehr zu erlauben, Handel und Industrie zu treiben; 2) nicht mehr zu gestatten, daß Staatsdomänen oder Privatbesitz Juden in Pacht gegeben werden, und dies durch ein besonderes Gesetz zu verbieten; 3) daß es keinem Juden gestattet werde, vor dem 25. Lebensjahre zu heirathen. Wie die Epoca bemerkt, sind die Sitzungen dieses feindseligen Vereins durch die Polizei begünstigt. Mehrere Polizeicommissare wohnten, obschon keine Mitglieder, der Sitzung bei und bezeugten demonstrativ ihren Beifall Allem, was vorgeschlagen wurde. — Wenn man mit der Meinung sich beruhigte, daß die giftigen Reden und Beschlüsse dieser Versammlung doch von einer Verwirklichung fern seien, so ist dies für Rumänien nur wenig tröstlich. Denn die Wirklichkeit ist so schrecklich, daß sie den Intentionen jenes Vereins fast gleichkommt. Nicht allein ist jüngst wieder auf die willkürlichste Weise eine bedeutende Zahl Juden unter dem Vorwände, sie seien Vagabonden, von der Polizei aufgegriffen und aus dem Lande geschafft worden, wenn sie auch noch so klar beweisen konnten, daß sie fleißige und beschäftigte Arbeiter seien. Noch mehr. Der Unterrichtsminister Stourdza hat durch einen Erlaß befohlen, daß die jüdischen Kinder in die Elementarschulen nur zugelassen werden sollten, wenn alle christlichen Kinder darin ausgenommen worden. Dies ist thatsächlich der völlige Ausschluß der jüdischen Kinder vom Elementarunterricht. Denn nach dem officiellen Berichte der Schulinspectoren sind die rumänischen Volksschulen noch so mangelhaft, daß sie nur für einen sehr mäßigen Theil der betreffenden Jugend ausreichen. Die jüdischen Gemeinden sehen sich dadurch genöthigt, jüdische Schulen einzurichten. Da aber die rumänische Regierung die jüdischen Gemeinden aufgelöst hat, folglich Niemand Beiträge zu zählen gezwungen werden kann, so fehlen an den meisten Orten die Mittel für die Erhaltung von Schulen. Aus demselben Umstande ist es gekommen, daß jüdische Schulen, die früher bestanden, aufhören mußten — was freilich für die rumänischen Juden kein gutes Zeugniß abgiebt. Kurz, die Verhältnisse unserer Glaubensgenossen in diesem, mit Cultur nur überfirnißten Staate sind verzweifelt. Bonn, 25. Sept. (Notizen.) Aus Pest wird uns geschrieben: Von den Hörern des Rabbiner-Seminars, welche demnächst entlassen werden, sind bereits zu Rabbinern gewählt: vr. Jos. Feldmann in Czegled, vr. S. Pinkusfeld in Duna-Földvar, vr. M. Schwarz in Mezö-Bereny. — Zum Rabbiner in Kopreinitz (Kroatien) wurde Rabbiner Hessel gewählt und hat derselbe am 6. d.M. sein Amt angetreten. — Aus Wien wird geschrieben: Herr vr. Moritz Löwith, ein junger Israelit, wurde zum Professor der pathologischen Anatomie an der Universität Innsbruck ernannt. — Am 14. d. fand die feierliche Einführung des neuen Großrabbinen von Bayonne, Herrn A. E. Astruc statt. — In Bischwciler (Elsaß) hat der Fabrikant Ullrich Ernst (Protestant) unter anderen Legaten den Armen der dortigen Jsraelitengemeinde 1000 Mark vermacht. — Die Arch. isr. berichten: In letzter Woche fand in Hericourt (Haute SaSne) das Bankett des landwirthschaftlichen Comites statt. Den Vorsitz führte Herr Schwöb, Maire von Häricourt und Präsident des Arondissementrathes. Unter anderen Rednern befanden sich die Herren See, Präfect des Departements, und Strauß, Municipalrath von Paris, alle drei Israeliten. — Feuilleton. Coralie Cahen, eine jüdische Frau. Herr Maxime du Camp beginnt im jüngsten Hefte der Revue des deux Mondes (15. September 1887) die Fortsetzung seiner Abhandlung über „die israelitische Wohlthätigkeit in Paris" mit der Schilderung einer Pariser Jüdin von eminenter Thatkraft und Hingebung auf, dem Gebiete der Wohlthätigkeit. Wir geben diese Schilderung in wortgetreuer Uebersetzung: Nach dem französisch-deutschen Kriege, sobald die Friedenspräliminarien unterzeichnet waren, beschäftigte man sich damit, unsere Soldaten wieder ins Vaterland zurück zu bringen, welche in der Gefangenschaft jenseits des Rheins zerstreut worden. Nicht alle kamen gleich zurück, nicht alle ss*

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