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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-29 · Heft 39 (29.9.1887) · p. Seite 617

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 39 (29.9.1887)
Date
1887-09-29
Page
Seite 617 (sequence 9)
Language
German
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617 für die Verhandlungen der Kammern, für das gesammte Bayerland und besonders für die Stadt München, für seine Behörden und Bürger, für die israelitische Gemeinde und deren Verwaltung um den Schutz und Segen des Himmels bat. — Nun erklang mit Orgel, Posaunen und Pauken der Psalm 150 „Hallelujah! Lobet Gott in seinem Heiligthum und diese großartige Composition war der Schluß der für alle Theilnehmer denkwürdigen Feier der Einweihung der neuen Synagoge in München. Braunschweig, 18. Sept. (Privatmitth.) Die sämmtlichen Kinder des am 28. December 1810 in Ellrich geborenen und am 11. März 1884 in Braunschweig verstorbenen Landesrabbiners Prof. vr. Lewi Herzfeld haben zum Andenken an ihren Vater gemeinschaftlich eine Stiftung für Wittwen und Waisen jüdischer Lehrer des Herzogthums Braunschweig errichtet und zur Begründung derselben ein Capital von Eintausend Mark gespendet. Für diese Stiftung, deren Vermögen durch Zuwendungen und Zinsersparnisse sich auf 1325 Mark vermehrt hat, gelten statutarische Bestimmungen, von welchen wir folgende hervorheben: §. 1. Die Stiftung führt den Namen „Professor Herzfeld-Stiftung" und hat ihren Sitz in der Stadt Braunschweig. Der Zweck derselben ist die Unterstützung armer jüdischer Lehrer-Wittwen und -Waisen des Herzogthums Braunschweig. §. 3. Die Angelegenheiten der Stiftung, namentlich die Verwaltung des Fonds und die Verwendung der Einkünfte werden durch einen, aus drei Mitgliedern bestehenden Vorstand besorgt. Dieser Vorstand wird gebildet aus: 1. dem jedesmaligen Landesrabbiner des Herzogthums Braunschweig, 2. einem von den Vorstehern der jüdischen Gemeinde zu Braunschweig aus ihrer Mitte zu deputirenden Mitgliede, 3. einem männlichen, volljährigen Descendenten des Landesrabbiners Prof. vr. Herzfeld. §. 6. Die Einnahmen der Stiftung bestehen außer dem Grundfonds zu 1325 Mark und dessen Zinsen aus schenkweisen einmaligen oder regelmäßig wiederkehrenden Zuwendungen seitens der Begründer der Stiftung oder dritter Personen, lieber die Verwendung der Auskünfte des Stiftungsvermögens soll alljährlich Beschluß gefaßt werden. Die Bewilligungen dürfen immer nur auf höchstens drei Jahre erfolgen. Gesuche sind an den Landesrabbiner zu richten. Die Bewilligung einer Unterstützung ist durch Einreichung eines Gesuches nicht bedingt. Unterstützungen können nur den Wittwen und Waisen jüdischer Lehrer des Herzogthums Braunschweig ertheilt werden. Solche sind zwar nicht berechtigt, Unterstützung zu verlangen, sondern die Bewilligung einer Unterstützung, sowie deren Höhe und Zeitdauer — jedoch nicht über drei Jahre — hängt von dem freien Beschlüsse des Vorstandes ab. Der letztere hat aber bei seinen Erwägungen jederzeit zu berücksichtigen, daß die Stiftung nicht allein für Fälle wirklicher Noth begründet wurde, sondern auch, wenn die verfügbaren Mittel es gestatten, um durch Zuwendungen aus derselben den Wittwen und Waisen jüdischer Lehrer des Herzogthums Braunschweig ihre Existenz in etwas zu verschönen, ein Gedanke, welcher dem milden Sinne Desjenigen entspricht, zu dessen Andenken die Stiftung errichtet worden ist. Wenn die Auskünfte zu solchen Unterstützungen bezw. Zuwendungen nicht verwendet werden, so sind dieselben vorläufig verzinslich zu belegen, und wenn sie nach Beendigung des laufenden und Ablauf dreier fernerer Rechnungsjahre noch nicht verwendet worden sind, alsdann zum Capital zu schlagen. Das ursprüngliche, sowie das auf diese oder andere Weise vermehrte Stiftungs-Capital darf niemals angegriffen werden. Oesterreich-Ungarn. Wien, 14. September. Gestern hielt der Abg. vr. Kronawetter im demokratischen Verein einen Rechenschaftsbericht. Ans demselben soll nicht unerwähnt bleiben, daß Kronawetter, der bis jetzt als Antisemit galt, sich gegen den Antisemitismus aussprach und erklärte, er sei kein -Judenfeind und lasse die Juden die Exzesse des Großkapitals nicht entgelten. Die Zuhörer nahmen diese Erklärung stillschweigend entgegen, was man just nicht als eine freundliche Gesinnung auslegen kann. Aus Böhmen, 19. Sept. Beim gestrigen deutsch-böhmischen Gauturnseste in Karlsbad, welchem aus Sachsen und Bayern 300 Turner beiwohnten, haben mehrere Redner die beim Kremser Kreisturnfest versuchte Antisemiten-Hetze scharf verurtheilt und einmüthig zurückgewiesen. Rußland. Warschau, im September. (Privatmitth.) Unbefangenen Beobachtern ist es ein Räthsel, warum in der Behandlung der Juden in Rußland gegenwärtig ein so auffälliger Umschwung stattgefunden hat. Unter Alexander II. wurden viele drückende Ausnahmegesetze aufgehoben; noch mehr, man verfolgte die Tendenz, die Juden zur Bildung heranzuziehen, ihre Jugend zum Besuche der höheren Lehranstalten, der Gymnasien und Universitäten aufzumuntern, und ihnen die öffentlichen Carrieren und sogar Staatsämter zu erschließen. Bekannt ist es, daß dies einen großen Erfolg hatte. Die jüdische Jugend trat in immer größerem Prozentsatz in diese Anstalten ein, und die Zahl der jüdischen Rechtsanwälte, .Aerzte und Subalternbeamte wuchs. Jetzt nun das gerade 39

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