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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-29 · Heft 39 (29.9.1887) · p. Seite 615

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 39 (29.9.1887)
Date
1887-09-29
Page
Seite 615 (sequence 7)
Language
German
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615 die hiernach» angeordnete Veranlagung erhoben die jüdischen Einwohner, nachdem ihr Antrag zurückgewiesen, Klage im Verwaltungsstreitverfahren, wobei sie geltend machten, daß sie von den Schuleinrichtungen des Verbandes keinen Gebrauch machten, sondern eine eigene Schule unterhielten. Der Bezirksausschuß in Lüneburg hob, dem Klageantrag gemäß, die Veranlagung als ungerechtfertigt auf, weil Andersgläubige nur dann zu den Schullasten beizutragen verpflichtet wären, wenn sie von den Einrichtungen Nutzen zögen, was hier nicht zuträfe. Das Oberverwaltungsgericht hat diese Entscheidung ohne Miltheilung später noch zu gebender Gründe bestätigt. Bemerkenswerth waren die Auslassungen des Bevollmächtigten des Unterrichtsministers vor dem höchsten Verwaltungsgerichtshofe, die dahin gingen, daß die Begründung des Bezirksausschusses ganz verfehlt sei, wenn auch das Ergebniß der Entscheidung desselben zutreffe. Die nach Bekenntnissen erfolgte Gliederung der Schulverbände in Hannover beruhe auf der Uebung des vormaligen hannoverschen Ministeriums, entbehre aber jeder gesetzlichen Grundlage. Wie im ganzen preußischen Staate gehören vielmehr auch dort dem Schulverbande alle Einwohner des Bezirks ohne Unterschied der Religion an, wenn sie nicht etwa zu einem besondern Verbände vereinigt seien, und auch zu Gunsten der Juden bestehe keine Ausnahme dieser Regel. Berlin, 21. Sept. (Privatmitth.) Die Ansprache der Kaiserin Augusta an den Rabbiner vr. Vogelstein in Stettin als Vertreter des jüdischen Waisenhauses gerichtet, hat hier eine sehr freudige Stimmung hervorgerufen. Einerseits beweist sie, daß im Geiste der hohen Frau ein Vorurtheil nicht vorhanden ist, und daß sie folglich das Urtheil ihres erlauchten Sohnes über den Antisemitismus theilt. Man weiß, daß die Antisemiten geflissentlich die gegenteilige Meinung zu verbreiten gesucht haben. Dem ist nun die Spitze völlig abgebrochen. Andrerseits spricht die Rede der Kaiserin so beredtes Lob über die wohlthätigen Anstalten der Juden, so wie die überall bethätigte Opferwilligkeit derselben aus, daß „das praktische Judenthum" sich wohl als ebenbürtig dem „praktischen Christenthum", von welchem jetzt so oft die Rede ist, an die Seite stellen darf. Wenn zu gleicher Zeit die Artikel des Herrn Maxime du Camp in der „Revue des deux Mondes“ dasselbe in Paris aussagen, was die Kaiserin in Stettin auszusprechen geruht hat, so möchte es unseren Gegnetrti nicht gelingen, den Eindruck abzuschwächen, welchen diese Auslassungen allgemein machen müssen. — Sie haben des Vereines Beth Israel zur Förderung der Kenntniß der hebräischen Sprache gedacht. Derselbe ist bereits im vorigen Jahre mit Genehmigung des Berliner Polizeipräsidiums gegründet worden. Die Zahl seiner Mitglieder ist jetzt 51 und bestehen diese aus Studirenden verschiedener Fakultäten, Kaufleuten und Professionisten, die verschiedenen religiösen Richtungen angehören. Der Vortrag des Herrn Fuchs stellt daher nur im Allgemeinen, nicht aber in seinen einzelnen Ansichten, die Tendenz des Vereines dar, und ist auch nicht dessen Veröffentlichung von dem Vereine veranlaßt worden. Stettin, 16. Sept. (Privatmitth.) Der folgende Bericht über die Worte, die gestern die Kaiserin bei der Vorstellung der Vertreter hiesiger Wohlthätigkeitsvereine zu mir, als dem Vertreter des israelitischen Waisenhauses sprach, nachdem sie sich von mir auch die übrigen jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten hiesiger Stadt hatte nennen lassen, ist gewiß auch in der A. Z. d. Jud. an rechter Stelle. Die hohe Frau sagte etwa Folgendes: „Ich freue mich, daß ich auch hier wiederum Gelegenheit habe, meine vollste Anerkennung Ihres Wohlthätigkeitssinnes aussprechen zu können. Ich bin Ihren Glaubensgenossen auf diesem Gebiete oft begegnet und habe stets die Gesinnung der Opferwilligkeit und hingebenden Liebe bei ihnen wahrgenommen. Auch hier zeigt sich, wie ich zu meiner Freude höre, dieselbe menschenfreundliche Gesinnung in den zahlreichen Wohlthätigkeitsanstalten und ich spreche Ihnen meine wärmste Theiluahme an diesen Bestrebungen aus, deren Gedeihen mir sehr am Herzen liegt." Nachdem der Vertreter des israelitischen Waisenhauses für diese huldvolle Anerkennung den schuldigen Dank dargebracht, fuhr Ihre Majestät fort: „In Berlin habe ich oft die jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten besucht und immer gefunden, daß sie geradezu musterhaft sind. Ich wünsche Ihnen, daß es auch Ihnen gelingen möge, Ihre Anstalten auf diese Höhe zu bringen und sehe, daß ja hierzu die schönste Aussicht vorhanden ist. Fahren Sie fort, meine wärmsten Wünsche begleiten Sie bei Ihrem Liebeswerke." V. Danzig, 15. September. Vor zweiundeinhalb Jahren gedieh innerhalb der hiesigen jüdischen Gemeinde der Entschluß zur Reife, ein längst vermißtes, würdiges Gotteshaus aufzuführen, ein Werk, welches zugleich dazu bestimmt war, sich würdig an die Reihe schöner Baudenkmäler anzuschließen, an denen unsere Stadt so reich ist. Die Gemeinde, obgleich nicht sehr zahlreich oder hervorragend begütert, nahm schwere Opfer auf sich, als sie den von den Herren Ende und Boeckmann in Berlin entworfenen Plan genehmigte und ausführte, hat aber dafür die Befriedigung, jetzt in herrlichster Vollendung eine Synagoge zu besitzen, die an Formeuschönheit ihres Gleichen sucht und umsomehr eine Zierde von ganz Danzig geworden ist, als sie im Stil ganz dem Grundcharakter der Danziger Bauwerke angepaßt ist, ohne doch die dem Synagogenbau im Allgemeinen mehr oder weniger anhaftenden byzantinisch-arabischen Anklänge vermissen zu lassen. Bedauerlich ist bei dem Bauwerk nur ein Umstand, der nämlich, daß es, nach drei Seiten in dicht herantretende Häusermassen hineingebaut, im Ganzen nicht recht zur Geltung

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