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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-22 · Heft 38 (22.9.1887) · p. Seite 604

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 38 (22.9.1887)
Date
1887-09-22
Page
Seite 604 (sequence 12)
Language
German
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ist festgestellt, daß Deutsche und Israeliten für den jungczechischen Candidaten gestimmt und dadurch die Entscheidung herbeigeführt haben." „Hslas Naroda" dagegen meldet: „Die Sittenverwilderung der Jungczechen ging so weit, daß Dr. Eiselt von dem ganzen Trosse gedungener Agitatoren als Jude bezeichnet wurde, und so ist, wie jüngst in der Josephstadt, auch dies Mal der jungczechische Erfolg unter antisemitischer Parole erfochten worden." Diese Leute sehen nicht ein, daß wenn diese beiden Elemente thätig gewesen wären, sie sich paralysiren mußten, und so der Erfolg gar nicht von ihnen abhing. Bonn, 18. Sept. (Notizen.) Leopold Freund, dessen soeben in Breslau im Alter von 79 Jahren erfolgter Tod bereits an anderer Stelle gemeldet wurde, war ein „seil made man*, der sich vom unbemittelten Setzerlehrling zum Herausgeber und Besitzer der verbreitetsten Breslauer Zeitung emporgearbeitet hatte. lieber seinen Lebeusgang hat er selbst zur Erinnerung für seine Familie berichtet und diese Selbstbiographie unter dem Titel „Eine Lebensgeschichte" im Selbstverläge erscheinen lassen. Leopold Freund war 1808 in Leobschütz geboren worden. Als sein Vater, der inzwischen nach Posen übergesiedelt war, starb, hinterließ derselbe eine zahlreiche Familie ohne Subsistenzmittel, und Leopold, der soeben die Secunda des Gymnasiums verlassen hatte, sah sich, achtzehn Jahre alt, auf seine eigenen Kräfte angewiesen. In der nachmals Littfaß'schen Druckerei in Berlin wurde Leopold Freund Setzerlehrling. Er fand vielfache Unterstützung angesehener Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Berlin, und sehr bald erwarb ihm sein Fleiß und sein Geschick eine angesehene Stellung in der Druckerei, in der er namentlich als Metteur und Corrector eines Saphir'schen Blattes, des „Courier", thätig war. Bald wurde er auch mit den Freunden Saphir's, mit Oettinger und Herlossohn, bekannt und versuchte sich vielfach in schriftstellerischen Arbeiten. Im Jahre 1831 verließ er Berlin, wo damals die Cholera wüthete, und reiste nach Breslau. Unglückliche Familienverhältnisse, die Noth seiner Geschwister, verleideten ihm den Aufenthalt in der Heimath; er ergriff den Wanderstab und ging nach Leipzig, wo er bei Brockhaus als Setzer eintrat und bei dessen Encyklopädie beschäftigt wurde. Von dort aus kehrte er indeß über Berlin wieder nach Breslau zurück, wo es ihm gelang, einen Associe für die Begründung einer kleinen Buchdruckerei zu finden. Anfänglich ließ sich das Geschäft gut an, allein sein Associö, der nichts von der Technik des Druckerei-Gewerbes verstand, machte allerlei unglückliche Dispositionen und Freund beschloß, sich von ihm zu trennen. Es gelang ihm, das nothwendige Geld für eine selbständige Etablirung aufzutreiben. Er verlobte sich mit Fräulein Jda Oelsner in Oels, verheirathete sich 1834, und von nun an nimmt sein Lebensgang eine aufsteigende Richtung. Die Druckerei prosperirte, Freund übernahm allerlei Verlagswerke, mit denen er Erfolg hatte, und allmählich entwickelte sich seine Druckerei zu ungeahnter Bedeutung. Er begründete das „Breslauer Handelsblatt" (in Gemeinschaft mit dem jetzigen Mitredacteur der „Boss. Ztg.", Hrn. Julius Schweitzer) und den „Breslauer Anzeiger" und beide Blätter hatten nach wechselnden Chancen günstige Erfolge. Der politischen Entwickelung, welche seitdem eingetreten war, entsprechend, fand eine Umwandlung des „Anzeigers", statt, aus welchem die täglich erscheinende „Breslauer Morgenzeitung" geworden war, ein Blatt, das sich in dem politischen und socialen Leben Schlesiens eine feste Stellung erworben hat und eine Reihe begabter Journalisten zu seinen Mitarbeitern zählte. Freund's persönliche Eigenschaften.haben an diesem Erfolg keinen geringen Antheil gehabt. Von feinen Söhnen ist der jüngste der Chef der bekannten Berliner Verlagsfirma Freund und Jeckel. — Am 12. Sept. feierten der Rentier Louis Meyer und Frau, geb. Oppenheimer zu Berlin die goldene Hochzeit. — Man schreibt aus Frankfurt a. M. vom 12. Sept.: Das Gebäude der israelitischen Religionsschule auf dem Hermesweg wird mit Beginn des Herbst- Semesters seiner Bestimmung übergeben werden. Die damit verbundene Synagoge (Löb Reiß'sche Synagoge) wurde gestern Nachmittag bereits in Benutzung genommen. Herr Rabbiner Di-. Horovitz hielt eine Ansprache, in welcher er der religiösen und humanitären Stiftungen des Mannes gedachte, dessen Andenken die Synagoge erhalten soll, und dankte schließlich allen Denen, die durch ihre Beihülfe zur Herstellung des Werkes beigetragen haben. Die Synagoge ist, wie das ganze Gebäude, von Herrn Architecten Kuzniczky ausgeführt. (Man kann es nur mit Befriedigung vernehmen, daß Herr Rabb. Dr. Horovitz so schnell zum Ziele gekommen und für die von ihm geleitete Religionsschule ein eigenes Gebäude mit synagogaler Räumlichkeit erlangt hat. Es hat sich damit erwiesen, daß in Frankfurt außer der hyperorthodoxen und der radikalen Partei noch Herz und Sinn für ein auf historischem Boden bestehendes Judenthum vorhanden ist.) — Aus Pest wird uns geschrieben: Der Ober-Staatsanwalts-Substitut Eduard Speiffert, der in dem Tißa-Eßlarer Sensätions- Pröcesse als Vertreter der Anklage fungirte und durch seine würdige Haltung und die herzhafte Wärme seiner Beredtsamkeit die Bewunderung aller Gebildeten erregte, ist zum Richter am obersten Gerichtshof ernannt. — Dr. Armin Flesch, Hörer des Ungar. Landes-Rabbinerseminars, wurde zum Rabbiner in Alt-Kanizsa gewählt und am 30. v. M. feierlich in sein Amt eingeführt. — Die Installation des Dr. Julius Klein als Oberrabbiner von Altofen findet den 6. d. M. statt. — Herr Ferdinand Jsaac, Cabinetsj chef des Präfecten der Dordogne, ist zum Unterpräfecten der

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