Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1887)
- Date
- 1887-09-22
- Page
- Seite 600 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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600 da er wußte, so werde am sichersten eine harmonische Ordnung der Bewegung geschaffen werden. Denn Alles, was mit Gott geschieht, .ist lobenswerth, Alles ohne Gott tadelnswerth. Dies ist die eine Erklärungsweise der Cherubim. Von dem flammenden sich drehenden Schwerte nun ist anzunehmen, daß es die Umdrehung derselben und den ewigen Umlauf des ganzen Himmels bezeichnet. — Nach einer anderen Erklärung indessen bedeuten die Cherubim die beiden Hemisphären des Himmels oben und unter der Erde. Ward doch von ihnen gesagt, daß sie einander anschauen, indem sie einander nach der Sühnplatte hin zugewendet sind: und so sind auch die Hemisphären einander zngewendet, und schauen zur Erde, dem Mittelpunkt der Welt, durch welchen sie auch von einander geschieden werden. Die Erde allein unter allen Theilen der Welt steht fest, und wurde deßhalb mit Recht von den Alten Vesta genannt, damit die Bewegung der beiden Hemisphären um etwas fest Gegründetes herum geschehe. Das brennende Schwert ist dann ein Sinnbild der Sonne. Denn diese ist eine Vereinigung vielen Feuers und zugleich das schnellste von allen Dingen, so daß sie an einem Tage die ganze Welt durchläuft'). 1) Wer diese Bücher Philo's vollständig kennen lernen will, findet sie in Bd. Ill der von uns herausgegebenen „Bibliothek griechischer und römischer Schriftsteller über Judenthum und Juden". Leipzig 1870. Deutschland. Berlin, 11. Septbr. Unter großer Betheiligung von Freunden und Gesinnungsgenossen des Verstorbenen fand heute eine Gedächtnißfeier für Ludwig Löwe auf dem jüdischen Friedhofe statt. Albert Träger hielt eine ergreifende Ansprache und legte im Namen der freisinnigen Partei einen Kranz auf das Grab. Außerdem sprach Rabbiner vr. Maybaum. Unter der nach Hunderten zählenden Menge, welche das mit Kränzen bedeckte Grab umgab, waren die Stadtverordneten besonders zahlreich vertreten; unter den anwesenden Magistratsmitgliedern befand sich der Oberbürgermeister v. Forckenbeck. — Ueber diese Feier berichtet ausführlicher die „Voss. Zeitung": Der 11. September ist der Todestag Ludwig Löwe's und am 11. September Mittags 12 Uhr fand an der Ruhestätte Ludwig Löwe's auf dem Friedhofe der jüdischen Gemeinde in der Schönhauser Allee eine erhebende Gedächtnißfeier statt, welche wiederum recht fühlbar daran gemahnte, wie schwer der Verlust ist, welchen die freisinnige Bürgerschaft Berlins und des Landes durch den Tod dieses trefflichen Mannes erlitten hat. Am Sonntag galt es der Weihe des Denksteins, welchen Verehrung und Liebe dem Heimgegangenen errichtet, und wiederum drängte sich eine zahlreiche Trauerversammlung um die Hinterbliebenen Familienglieder, die an der blumenbedeckten Grabstätte Aufstellung genommen hatten. Zu den zahlreich erschienenen Mitgliedern des Reichs¬ und Landtages gesellten sich Vertreteter der beiden städtischen Behörden, voran der Bürgermeister Forckenbeck, Mitglieder von Wahl- und Bezirksvereinen, Vertreter der freisinnigen Presse, des Handels und der Industrie, eine Deputation der Arbeiter der Löwe'schen Fabrik rc. rc. Der Denkstein besteht aus einer hohen, dreikantigen Syenitsäule, die auf einem mächtigen Porphyrsockel ruht. Goldbronzene Embleme in der Form von umgekehrten Fackeln, Palmenblättern und Eichenzweigen bilden den Schmuck der Säule, deren oberste Spitze der Stern David's bildet, während auf der vorderen Seite unter einem goldenen mit der Stadtverordnetenkette geschmückten Kranze die Worte stehen: „Ludwig Löwe, geb. zu Heiligenstadt 27. November 1837, gestorben zu Berlin, 11. September 1886." Der Grabhügel des Verewigten war unter der Fülle der ihm an diesem Tage dargebrachten Blumen und Kränze nicht zu erkennen. Darunter befand sich ein Kranz, welchen die deutschfreisinnige Partei „dem unvergeßlichen Parteigenossen und Freunde" gewidmet, ferner Kränze mehrerer freisinniger Wahlvereine, ein solcher mit der Inschrift „Albert Träger". Auch das Personal der Firma Ludwig Löwe u. Co. hatte „seinem unvergeßlichen Chef" einen Kranz gewidmet und eine gleiche Blumengabe brachte „Dem theuren zu früh Verklärten Grüße aus der Heimath Heiligenstadt". Chorgesang leitete die Feier ein. Nachdem die frommen Weisen verklungen, ergriff Rabbiner vr. Maybaum das Wort, um in inhaltreicher, in ihrer knappen Form wahrhaft klassischen Rede das Gedächtniß des Entschlafenen zu ehren. Ein Jahr erst sei dahin geschwunden, als der Besten Einer an dieser Stätte gebettet wurde, und wieder drängt sich eine große Anzahl hervorragender Männer dieser Stadt um dieses Fleckchen Erde, um Zeugniß davon abzulegen, daß das Andenken des Verstorbenen noch nicht verblaßt, daß heute noch, wie bei seinem Hinscheiden, sein Bild fest im Herzen seiner Freunde und Gesinnungsgenossen bewahrt wird. Ein Jahr ist ja in unserer rasch lebenden Zeit und