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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-15 · Heft 37 (15.9.1887) · p. Seite 588

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 37 (15.9.1887)
Date
1887-09-15
Page
Seite 588 (sequence 12)
Language
German
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588 Großbritannien. London, 29. August. Die Agitation im Ostende Low dons gegen die Einwanderung mittelloser Ausländer nimmt immer größeren Umfang an. Die Enthüllungen, welche bei der Ermordung der Mirjam Angel durch Lipski gemacht wurden, haben viel dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit auch des weiteren Publikums auf einen Uebelstand zu lenken, der, wie die „Daily News" heute zugiebt, nationale Wichtigkeit erlangen kann. Die Sache ist schon mehrere Mal im Unterhaus zur Sprache gekommen, doch kann auf administrativem Wege Nichts gethan werden, um das Landen von Paupers zu hindern. Man spricht jedoch von der Ernennung eines Ausschusses, um die ganze Angelegenheit in Erwägung zu ziehen. Vor der nächsten Parlaments-Session kann jedoch Nichts gethan werden. (Es ist ein eigenthümliches Schauspiel, welches die neueste Zeit im modernen Staate darbietet: von der einen Seite Austreibung von Menschen, die selbst schon lange ansässig sind, weil sie fremder Nationalität angehören, andererseits Agitation für Verhinderung von Einwanderung, beides unter dem Titel: „Schutz der nationalen Arbeit." Man vergißt, daß viele Länder ihre rasche Entwickelung oder gar Alles, was sie an Civilisation erlangt haben, der Einwanderung fremder Elemente zu verdanken haben. Man denke sich z. B. Rußland ohne die deutsche Einwanderung, die nordamerikanische Union ohne die Einwanderung überhaupt. Man spricht oft und viel von den Widersprüchen der Theorie und der Principien mit der Wirklichkeit. Diese Widersprüche sind aber nur momentan. Im großen Ganzen und mit dem Verlauf der Zeiten rächt sich die Verletzung jedes humanen Princips sehr fühlbar, und nur diejenigen Staaten und Völker erreichen die Höhe ihrer Entwickelung, welche die Forderungen der Humanität dauernd erfüllen. Redact. d. Allg. Ztg. d. Jud.) Bonn, 11. Sept. (Notizen.) Man schreibt uns aus Brüssel: Ende vor. Monats verstarb hier plötzlich ein in weitesten Kreisen geachteter und beliebter Künstler, der Medaillenstecher und Bildhauer Charles Wiener. Sein biederer Charakter, seine Güte und Menschenfreundlichkeit, seine Hülfsbereitschaft für alle Bedürftige und zumal auch für Mitkünstler wurden allgemein anerkannt. Die jüdische Gemeinde fand in ihm einen begeisterten Förderer ihrer Wohlthätigkeits-Einrichtungen, und zumal als Präsident des Vereins für junge israelitische Handwerker machte er sich höchlichst verdient. Soeben von einer längeren Reise zurückgekehrt, fiel Herr Wiener, noch im kräftigsten Mannesalter stehend, einem Herzschlag zum Opfer. — Der Oberst Fix (Israelit) ist zum Generalmajor avancirt. Somit besitzt auch die belgische Armee Zeinen General unsres Glaubens. — In Chicago starb ein gewisser Levi Rosenfeld mit Hinterlassung eines Vermögens von 3 Millionen Dollars. Haupterbin seine Frau, die schon 1 x/2 Millionen Dollars besitzt. Legate — 2000 D. dem United Hebrew Unterstützungsverein und 500 D. dem Hebrew Union-College für dessen Bibliothek! So engherzig kann ein reicher Beutel sein, selbst in den Augenblicken, wo er Alles zurücklassen muß. Glücklicher Weise ist dies in Israel selten, und deshalb — zum abschreckenden Beispiel — führen wir es hier an. — Aus Luxemburg vom 4. September schreibt man uns: Heute beging Herr Samson Godchaux, der frühere Präsident des jüdischen Consistoriums und Fabrikbesitzer auf Schleif¬ und Pulvermühl die Feier seiner goldenen Hochzeit. Die religiöse Feier fand Vormittags in der Synagoge in solenner Weise statt. Die Jubilare errichteten zum Andenken an diesen Tag eine Volksschule für die Arbeiterkinder und eine philanthropische Stiftung zu Gunsten der Arbeiter. — Unser Corr. aus Turek (Rußland), Herr Moses Feinkind, schreibt uns: Es ist für uns ein höchst erfreuliches Factum, daß wir heute abermals die Gelegenheit haben, einige Auszeichnungen, die unseren Glaubensgenossen zu Theil wurden, mitzutheilen. Der Apotheker I. Horowitz und Dr. Karfunkel, Mitglied des Kollegienrathes, beide in Petersburg, erhielten den heil. Stanislausorden II. Masse und dem in weitesten Kreisen bekannten Großindustriellen, Herrn Isidor Goldberg (noch heute ein deutscher Unterthan, aber in Petersburg wohnhaft), wurde auch derselbe Orden III. Classe von Sr. Majestät dem Kaiser in Anerkennung seiner hohen industriellen Verdienste für Rußland verliehen, und auch das Departement für Handel u. s. w. würdigte ihn dieser Auszeichnung anschließend ein seine Verdienste ehrendes Schreiben. — Ferner wurde auf Verwendung des Finanzministers dem I. Gilde Kaufmann I. Chajes in Odessa die goldene Medaille mit dem Stanislausbande verliehen. Bonn, 5. September. (Literarische Notizen). Wir erhalten mehrere Nummern der in Constantinopel erscheinenden Zeitschrift El Tienpo in spaniolischer Sprache, aber in hebräischer Quadratschrift. So weist dieses Blatt auf eine zweifache Tradition hin, auf die israelitische Abstammung und auf dieHerkunft von jenenspanischenFlüchtlingen, welche 1492 ihr Vaterland verlassen mußten, und unter türkischem Scepter eine Zufluchtstätte fanden. Diese Spaniolen haben die beiden Traditionen mit großer Zähigkeit bewahrt. Mitten in dem Gewühle der verschiedensten Völkerstämme, der beherrschenden und beherrschten und eingekeilt zwischen dem Islam und dem Christenthume, haben sie es verstanden, sich ihren väterlichen Glauben, aber auch ihre Sprache und Sitte zu bewahren. Gewiß sind dieses und andere Zeitblätter,

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