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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-15 · Heft 37 (15.9.1887) · p. Seite 584

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 37 (15.9.1887)
Date
1887-09-15
Page
Seite 584 (sequence 8)
Language
German
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584 gezogen wurden und, um diesem Schicksale zu entgehen, den weißen Turban annahmen, d. h. zur muhamedanischen Religion übergingen. Sie erhielten den Namen Dolmäh wegen ihres Abfalls llon ihrer angestammten väterlichen Religion, denn Dolmäh bedeutet im Türkischen Abgefallene, Apostat«. Nämlich mit dem Tode') des Messias aus Smyrna, Sabbatai Zewi, der sich als den wunderthätigen Messias, den Erlöser Israels, ausgab, in seiner mystischen Schwärmerei wahrscheinlich sich auch selbst dafür hielt, und in allen israelitischen Gemeinden Italiens, Hollands, Deutschlands und der Türkei die größte Aufregung hervorrief, war der tollhäuslerische Messiasschwindel noch nicht zu Ende; er trieb vielmehr seinen verderblichen Spuk in vielen Köpfen fort. Sabbatai Zewi hatte eine Wittwe hinterlassen, die in Salonichi, jenem Brutneste jüdischer Kabbalah, geboren war und nach dem Tode ihres Mannes ihren Sitz wieder daselbst nahm. Ihren Bruder Jakob Querido, der sich den Namen Zewi beilegte, gab sie für einen Sohn Sabbatai Zewi's aus. Diesen betrachteten die Sabbatianer als den Messias und Fortsetzer des von S. Zewi begonnenen ErlösungsWerkes. Aber wie sollte letzteres gefördert und erreicht werden? Man höre und staune! Die Messiaswittwe und ihr Bruder Querido haben hierzu geschlechtlichen Unfug empfohlen. Sie gaben an, daß durch ein Uebermaß von Sünden, insonders durch den äußersten Grad unkeuschen Wandels, die Sündhaftigkeit der Welt überwunden und die Erlösung herbeigeführt werden könne. So absurd auch diese Lehre war und so sehr sie i) Sabbatai Zewi starb 1676 in den« seit dem türkisch-russischen Kriege ostgenannten Dulcigo in Albanien. Corr. gegen die Schrift, die Tradition und das sittliche Gefühl verstieß, sie fand dennoch Beifall, und so bildete sich in Salonichi ein Kreis junger Leute, die sich den geschlechtliche» Verirrungen ergaben. — Die Rabbiner durften diesen mystisch-sabbatianischen Unfug umsoweniger gleichgültig ansehen, als die Sabbatianer Salonichi's mit denen Adrianopel's und Smyrna's in Verbindung standen. Auf ihre Denunciation schritt die türkische Behörde ein, und, wie schon erwähnt, die Sabbatianer wurden Moslems. Doch dies thaten dieselben nur zum Scheine; denn fortan lebten sie ebenso getrennt von Türken wie von Juden, heiratheten nur untereinander, besuchten zwar manchmal die Moschee, kamen aber noch öfters zu ihrem eigenen mystischen Gottesdienst zusammen. Bei einem solchen pflegten sie ihren Erlöser und Gottmenschen anzubeten, als welcher nach dem Tode Querido's dessen Sohn Berechja (um 1695—1740) galt. Unter der Leitung dieses Berechja scheint der Glaube an eine Art von Dreieinigkeit aufgekommen zu sein, worin jener die verkörperte Urseele des Erlösers, die fleischgewordene Gottheit, bildete. Vor mehreren Jahrzehnten wurde diesen Dolmäh die Freiheit ihres Bekenntnisses gestattet. Von jener Lascivität soll längst jede Spur unter ihnen geschwunden sein, vielleicht schon mit dem Tode Berechja's (1740), jedoch die mystische Richtung soll bei ihnen verblieben sein. Das hohe Lied schätzen sie höher als die Bücher Moses und den Koran. Auch von der Mystik des christlichen Mittelalters wurde das hohe Lied hochgeschätzt wegen dessen mystischer Auslegbarkeit. Es märe interessant zu erfahren, ob diese jüdisch-türkische Secte der Dolmäh in Salonichi noch besteht und in welchem Zustande? Deutschland. Berlin, 4. Sept. Die „Voss. Ztg." enthält folgende Berichtigung bezüglich der, auch von uns gebrachten Mittheilung (s. vor. Nr.): In der neulichen Beschreibung des Grabdenkmals Ludwig Loewe's sind einige Unrichtigkeiten zu berichtigen, die allerdings für den mit dem jüdischen Ritus vertrauten Personen sofort kenntlich waren. Menschliche Figuren also z. B. Medaillonbilder auf dem Grabdenkmal zur Darstellung zu bringen, ist bekanntlich nach jüdischem Ritus nicht gestattet. Es handelt sich vielmehr um eine Abbildung der Stadtverordnetenkette auf dem Denkmal, wogegen sich rituell nichts einwenden läßt. Außerdem stammen aus dem Atelier Otto Lessings nicht der Entwurf des Denkmals, sondern die Modelle zum Bronzeguß. — Hier hat sich unter dem Titel b ><"£'■ n\: ein Verein „zur Förderung der hebräische» Sprache und Literatur" gebildet. Die ersten Paragraphen des Statuts lauten: „ß 1. Der Verein „Beth Israel" hat den Zweck, die Kenntniß der hebräischen Sprache und Literatur unter den Mitgliedern zu fördern, sowie das Interesse für dieselbe in möglichst weiten Kreisen anzuregen. 8 2. Zur Erreichung dieses Zweckes sollen: a) wöchentlich populäre Vorträge über hebräische Sprache und Literatur gehalten werden; b) hebräische Bücher und Zeitschriften angeschafft werden, welche den Mitgliedern gratis zur Verfügung stehen sollen; c) Lehrkurse zum Unterrichte in hebräischer Sprache und Literatur eingerichtet werden.

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