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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-15 · Heft 37 (15.9.1887) · p. Seite 582

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 37 (15.9.1887)
Date
1887-09-15
Page
Seite 582 (sequence 6)
Language
German
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582 können, wenn nicht in dasselbe in rüdester Weise Tendenzen hineingetragen worden wären, die am letzten ^allgemeinen deutschen Turntage in Coburg als für die deutsche Turnerei verderblich gebrandmarkt wurden. Es ist charakteristisch genug, daß bei beiden Commersen kein Regierungsvertreter anwesend war. Daß jeder nationale Aufschwung gehemmt und unterdrückt wurde, dafür sorgten schon die „unverfälscht Deutsch- Nationalen". Mit echt norddeutscher Gelassenheit ertrugen die Deutschböhmen die zahlreichen, oft die Gastfreundschaft verletzenden Provocationen der Wiener, um das Fest nicht zu stören und unseren nationalen Gegnern keine Herzensfreude zu bereiten. Allein ihr Schweigen war nichts weniger als Gutheißung! Erstarkt im Kampfe für unser Volksthum, ausgewachsen unter der. schwarz-roth-goldenen Fahne, benöthigen wir keine Belehrung von den Sprößlingen des Capua des nationalen Gedankens, von Wien; und wir werden Mittel und Wege finden, um dieser so aufdringlichen Propaganda den Weg in unser herrliches Deutschböhmerland zu verrammeln und zu versperren. An den Kreisturnrath aber treten wir schon heute mit der ernsten Mahnung heran, sich nicht gegenüber diesen Vorgängen auf eine Vogel-Strauß-Politik zu beschränken, sondern im Sinne der Beschlüsse der allgemeinen deutschen Turnerschaft vorzugehen. Videant oonsules, ns quid res publica detrimenti capiat!“ So ist es denn den Antisemiten, richtiger den Antiliberalen gelungen, auch die deutsche Turnerschaft in Oesterreich zu spalten und erbitterte Parteien gegenüber zu stellen. Wien, 1. September 1887. Cm Aufruf zur Austreibung -er Fremden aus Rumänien. Unter Anderem, was man geglaubt, war sicherlich, daß in unsrer Zeit Massenaustreibungen nicht mehr stattfinden würden, also Austreibungen ganzer Kategorien ansäßiger Menschen ohne eine Beziehung auf ihre Persönlichkeit und ihr politisches und sociales Verhalten. Aber man irrte sich eben in dem Vertrauen auf die Beschaffenheit unscrs Jahrhunderts. In früherer Zeit bestand das Motiv zu solchen Maßregeln in religiöser Antipathie, jetzt geht man aus nationalen (??) Neigungen dabei vor. Es geschieht da, daß die Ausweisenden in einem anderen Lande zu Ausgewieseuen werden. Aber noch Eines geht aus derGeschichte hervor, nämlich daß die ausgewiesenen Klassen stets zu den nützlichsten und besten Staatsangehörigen zählten. Die Hugenotten, die Ludwig XIV aus Frankreich vertrieb, waren die industriellsten, fleißigsten und sittlichsten Bürger, die Zillerthaler, welche in den dreißiger Jahren die Tyroler Unduldsamkeit aus ihren Heimstätten verjagte, waren brave, arbeitssame Leute, welche ihrem protestantischen Glauben nicht ungetreu werden wollten. Wir heben dies hervor, um nachdrücklich zu betonen, daß eine solche Ausweisung durchaus keinen Maßstab für den Charakter der Ausgewiesenen, für ihre etwaige Schädlichkeit abgiebt, ja in der Regel der austreibende Staat einen sehr fühlbaren Verlust erleidet. In Rumänien wird jetzt der Gedanke gepflegt, mit fanatischer Gewaltsamkeit die „Fremden" aus dem Lande zu treiben. Man weiß, daß die Rumänen unter „Fremden" die Juden verstehen. Als der Berliner Vertrag ihnen die Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen vorschrieb, suchten die schlauen Orientalen einen Ausweg dadurch, daß sie sämmtliche Juden, deren größter Theil doch Eingeborene war, für „Fremde" erklärten und nun alle Ausnahme- und Bedrückungsgesetze gegen die Juden unter dem Titel „Fremde" erließen. Unter derselben Rubrik gehen sie nun mit dem Plane um, „zum Schutze der nationalen Arbeit die Fremden auszutreiben." Daß sie ihr Land auf diese Weise auf das Empfindlichste und dauernd schädigen, der Industrie und dem Kapitalbestande die tiefsten Wunden schlagen würden, kümmert diese Helden der Barbarei gar nicht, da sie für die Interessen des Volkes gar keinen Sinn besitzen, ihnen dessen Wohl und Wehe völlig gleichgültig ist und sie sich nur von ihrem fanatischen Hasse beherrschen lassen. Beachten müssen wir jedoch diese Kundgebungen von Anfang an, denn wir wissen, daß in den herrschenden Kreisen Rumäniens jeder judenfeindliche Gedanke seine Früchte trägt. War doch Rumänien das Vorbild des Antisemitismus in Europa. Ueber jenes mittelalterliche Projekt, das aus den vier Millionen Rumänen eine viertel Million in allen Gewerben thätiger Einwohner Herausreißen will, enthält die „N. Fr. Pr." vom 25. Aug. folgenden Artikel: „Rumänien hat ein Gesetz geschaffen, durch welches fremde Unternehmer verlockt werden sollen, Etablissements auf rumänischem Boden zn errichten. Wir haben schon gezeigt, daß alle Begünstigungen, welche die rumänische Regierung verspricht, werthlos sind, weil die rumänische Verfassung den Fremden vollständig rechtlos macht und der ausländische Unternehmer stets der Willkür der Einheimischen preisgegeben sein wird. Eine recht drastische Illustration dieser Gefahren finden wir in einem Artikel des Telegraful, der, wohlgemerkt, ein officiöses Organ der rumänischen Regierung ist. Die Auslassungen des rumänischen Regierungsblattes sind zu lehrreich, als daß wir es unterlassen könnten, dieselben zu reproduciren. Der Telegraful vom 23. August schreibt: „Zufolge einer natürlichen Entwickelung der Dinge.hat sich seit einigen Jahren ein mächtiger Zug zu Gunsten des Schutzes der nationalen Arbeit im Lande geltend gemacht. Während früher die ökonomischen Interessen des Landes in zweite Linie gestellt waren, behaupten dieselben heute den ersten Platz in der Beschäf-

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