Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1887)
- Date
- 1887-09-08
- Page
- Seite 573 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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573 habe der Entschlafene in hohem Maße erfüllt, der stets in der mittleren Bahn wandelnd, den Frieden für seinen Leitstern angesehen habe, überall ausgleichend und vermittelnd,^ versöhnend und einigend, insoweit es auf dem ihm unwandelbar geltenden Grund der geheiligten Lehre geschehen konnte. Frankl sei aber auch ein wahrer Priester am Altar sittlicher Tugenden gewesen; von lebhaftem Mitgefühl und warmer Antheilnahme an Noth und Elend durchdrungen, habe er voll und ganz im Dienst der helfende» Liebe gestanden, und während er selbst unermüdlich mit ausgiebiger Hand reichte, habe er niemals aufgehört, Andere zu gleicher That zu wecken und anzuregen. Das Glück, dessen sich der Verstorbene im Eheleben erfreut, — die Größe, welche die Gattin während der Leidenszeit ihres Mannes an den Tag gelegt, schildert vr. Ungerleider in tief gesättigten Farben und schließt seine eindrucksvolle, im Herzen der Hörer tiefen Nachhall erweckende Rede mit dem in hebräischer und deutscher Sprache recitirten üblichen Gebet. Im Namen des deutschen Rabbinerverbandes sprach darauf vr. Bogelstein, der den Dahingeschiedenen als eine Zierde, des Rabbinerstandes bezeichnet. Ihm folgte vr. Cohn, der das gesammte Israel an der Trauer um den „großen Mann" (nm sn;;) betheiligt schildert. Zuletzt Herr vr. Oppenheim, Hörer der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, der den Tod des geliebten und verehrten Lehrers beklagt. Darauf wird der Sarg nach dem nahen Grab getragen, und bald darauf rollen dumpf die Erdschollen auf denselben nieder. Auf dem Friedhof in Weißensee ist heute eine „Ehrenreihe" abgesteckt worden für auserlesene Todte. Das erste Grab in derselben hat den Rabbiner vr. P. F. Frankl ausgenommen. Ein jüdisches Grab in der Aubifchen Wüste.') Bon Prof. Selikowitsch. Obiger Titel erinnert mich an einen traurigen Vorfall im Jahre 1885, als ich als Hauptdolmetscher für die arabischen und nubischen Sprachen am Stabe der britischen Expedition im Sudan fungirte. — Drei Tagemärsche von Chartum, der Residenz des Mahdi oder des falschen Propheten, liegt ein kleines Dorf verborgen in dem brennenden Sand und weit entfernt vom Nil. Es ist dies das Dorf Abou Klöah, wo die englische Armee unter dem Commando des verstorbenen Generals Stewart kaum einer vollständigen Vernichtung entging. Nun, freundlicher Leser, folge mir ungefähr 25 Aards aus meinem Zelte und schau auf eine traurige Prozession, die aus drei Männern besteht. Auf einer alten hölzernen Bahre tragen sie auf ihren Schultern einen Leichnam, der mit einem Talis bedeckt ist. Hinter diesem Trauerzuge ist nichts als das schreckliche Schweigen der einsamen Wildniß. Als ich mit unserem Stabe in Abou Klöah anlangte, fand ich dort zwei jüdische Kauslente, die von Korfu mit Handelsgeräthen mit der Armee gekommen waren. Es war der erste Tag Peßach. Ich saß an der Thür meines Zeltes, als ich einen Sudanesen bemerkte, der nach Jemandem ausschaute. „Was wünschen Sie?" fragte ich ihn. „Sind Sie der Arzt, Pascha? „Nein; aber sagt nur, wer Euch nach ihm sandte?" „Ich bin der Diener von zwei Kauflcuten, welche in jenem dunklen Zelte lagern; vergangene Nacht erkrankte der eine meiner Herren, sein Name ist Mausa (Moses), an Garri (Dysentery) und er stirbt fast. Da ich wußte, wen der Diener meinte, ging ich mit vr. Johnson von unserem Stabe zu dem Zelte des arme» Mannes. Es war leider zu spät. Bevor Maussa seinen letzten Athem aushauchte, bat er mich auf Griechisch — seiner Heimathssprache — ihm einen Dienst zu leisten — einen Chesed Shel Emet, wie er sagte, wünschte er von seinem Gefährten und mir begraben zu werden, oder von irgend Jemand jüdischen Glaubens, wenn Einer in unserem Rcgimente sich befinde. „Ich will es gern thun," war meine Antwort an den sterbenden Mann, nachdem ich einige Worte des Trostes und des Friedens zu ihm gesprochen hatte. Nachdem er ausgelitten, gegen Abend, ging ich zu seinem Zelte mit einem Glaubensgenossen, Herrn W., der Lieutenant an unserem Stabe war, und vereint mit seinem frommen Gefährten, der ihn in einen Talis gehüllt hatte, trugen wir den Leichnam auf unseren Schultern und begruben ihn traurig in eine Sandgruft, die von zwei Sudanesen vorher gegraben worden. Der Tag ging über der weiten und traurigen Wüste zur Neige. Langsam, der schweigende und trauernde Schatten bedeckte die umgebenden Hügel und auch den neuen Hügel, den wir auf dem Grabe von Maussa errichteten. Armes, einsames Grab! Die Ruine« von Sela (Petra). Die Ruinen der auch in der h. Schrift öfter erwähnten Felsen- und Höhlenstadt Sela, später in wörtlicher Uebersetzung Petra genannt, wurden im vorigen Jahrhundert von Seetzen und Burkhardt wieder aufgefunden und von Laborde beschrieben. Neuerdings hat Brugfch, der berühmte Aegyp- 1) Uebersetzt aus dem Jewish Exponent.