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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-08 · Heft 36 (8.9.1887) · p. Seite 574

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 36 (8.9.1887)
Date
1887-09-08
Page
Seite 574 (sequence 14)
Language
German
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574 tologe, sie besucht und anziehend in der Zeitschrift „Vom Fels zum Meer" Nr. 12 geschildert. Sela, die Hauptstadt von Edom, auch von den Römern Jdumäa genannt, gleich weit von der Südspitze des Tobten Meeres und der Nordspitze des Meerbusens von Akaba entfernt, in dem jetzt Wady Musa (Mosesthal) gelegen, war nicht allein durch die Natur sehr befestigt, sondern auch als Knotenpunkt zweier Karawanenstraßen äußerst wichtig, verkehrreich, stark bevölkert. Ihre Gebäude bestanden wesentlich in Höhlen, die mit großer Kunst in die Felsen hineingehauen waren und hatten zum Theil ausgezeichnete architektonische Schönheit. So ist es natürlich, daß sie, verlassen, verödet, vergessen, dem Zahne der Zeit vielen Widerstand leisteten. Was von ihnen noch übrig ist, besteht theils aus ehemaligen Tempeln oder aus jetzt völlig leeren Felsengräbern. Für uns haben sie insofern kein besonderes Interesse, als die architectonischen Ruinen unleugbar aus der Römerzeit herstammen. Wir übergehen deshalb hier die Schilderung, noch dazu da die Einzelheiten dem Alterthumsforscher nur Räthsel aufgeben: warum und wozu? Wir begnügen uns, die schönen Schlußworte des gelehrten Reisenden hier wiederzugeben. „Petra ist ein stummes Räthsel. Die Aussicht von dem höchsten Punkte nach den gegenüberliegenden Gebirgszügen in nordwestlicher Richtung hin ist von großartigster Schönheit und erweckt biblische Erinnerungen an die längst vergangenen Zeiten der jüdischen Patriarchen. Denn drüben über den buntschillernden Sandsteinmassen erhebt sich der Doppelgipfcl des Berges Hör zum blauen Aether empor und schaut auf die zerstreuten Klippen, Felswände und Gipselkronen mit vornehmer Ruhe herab. Der Sage nach soll sich das Grab Aarons auf dem östlichen Gipfel befinden. Als Moses von Kodes aus mit dem Volke Israel bis zum Fuße des Gebirges gelangt war, da bestieg er in Gemeinschaft mit Aaron und seinem Sohne Eleasar die Höhe und Aaron starb „daselbst oben ans dem Berge". Der Gipfel, welcher die Gestalt eines abgestumpften Kegels hat und sich um mehr als 4000 Fuß über dem Meere erhebt, führt noch gegenwärtig den Namen des Dschebel Ne bi Harun oder „des Berges des Propheten Aaron". Ein einfaches im Viereck angelegtes arabisches Schechgrab, wie es verstorbenen Heiligen von den Mohammedanern geweiht zu werden pflegt, bedeckt die Stelle, an welcher Aaron bestattet worden sein soll. Es ist das Kabo Harun oder „Grab Aarons" im Munde der Beduinen von Petra. Die Legende, welche das Grab Aarons auf dem Berg Gor in der Nähe van Petra verlegt, hat diesmal das Richtige getroffen, wenn es auch eine andere Frage ist, ob gerade auf dem beschriebenen Gipfel Aaron seine letzte Ruhestätte gefunden hatte. Petra, die Felsenstadt, und das umliegende Land, das nach der Hauptstadt bei den Römern den NamenArabia petraea führte, d. h. nicht das steinige Arabien, sondern der Theil Arabiens mit der Stadt Petra, bildet in der ältesten Geschichte des Morgenlandes und in Zusammenhänge mit den biblischen Ueberlieferungen ein wichtiges Gebiet im Völkerleben. In den Urzeiten von semitischen Horitern (ebräisch H ori, d. h. Höhlenbewohner, Troglodyten) bewohnt, ging es später in den Besitz der „Söhne Es aus" oder, wie auch sein Beiname lautete Edoms, d. h. „des Rothfarbigen" über, dessen Nachkommen, die Edomiter, selbst noch von Griechen und Römern als Jdumäer gekannt waren. Sie galten den Ebräern als Nationalfeinde und ihre Felsenstadt Petra als die Stätte, ans welche die Verwünschungen der Propheten gehäuft werden. An Edom richtet der Seher Obadja seinen Fluch, indem er ihm seinen Hochmuth mit den Worten vorwirft: „Weil du in der Felsen Klüften wohnst in deinen hohen Schlössern und sprichst in deinem Herzen; wer will mich zu Boden werfen? Seine Weissagung: Edom soll wüste werden, daß alle die, so vorübergehen, sich wundern werden über alle ihre Plage." Dieses Wort drr Propheten ist buchstäblich in Erfüllung gegangen, denn Edom und sein Felsennest Petra ist in eine Einöde verwandelt, deren Anblick um so schauerlicher auf den reisenden Europäer wirkt, als Tempel und Gräber aller schriftlichen historischen Erinnerungen Hohn spotten und das Gedächtniß ihrer Urheber und ihrer Bewohner verwischt haben. Da wo sich ehemals das Volk von Petra auf Plätzen und Straßen geschäftig umhertummelte oder zu Tausenden vereinet von den steinernen Sitzen des Amphitheaters aus den Festspielen zuschaute, oder wo lange feierliche Leichenzüge die Gestorbenen von der Stadt aus nach den Gräbergrotten bergaufwärts hinübertrugen, herrscht heutigestags die Ruhe einer verlassenen Todtenstadt. Nur der blendende Sonnenstrahl giebt dem buntfarbigen Gestein der kahlen nakten Bergwände und dem Bilderwerkschmuck der Tempel und Grotten den Zauberschein des Lebens. In der Tiefe und in den Schluchten zieht Beduinenvolk des Südens durch die Stätten der Vorzeit dahin, der Huf ihrer Rosse hallt dumpf von den Felswänden wieder, aber den Nachkommen der Söhne des röthlichen Esau ist Krieg und Raub das Losungswort und ihre Lanze das sprechendste Symbol für das Ziel ihrer Wanderschaft durch die Thäler und Schluchten und verfallenen Dörfer des verrufenen Wadyel-Akaba." * Vermischtes. Die Abstammung des Menschen. In der vierten Sitzung des diesjährigen Congresses der deutsche» Anthropologen zu Nürnberg am 11. d. M. wurden die Debatten sehr lebhaft, nämlich dadurch, daß I. Koll-

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