Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1887)
- Date
- 1887-09-08
- Page
- Seite 570 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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570 Cent jüdischer Jünglinge, die an den Wohlthaten wissenschaftlicher Bildung participiren können. Odessa hat demnach in seine drei Gymnasien drei Inden aufgenommmen. Amerika. Philadelphia, im August. (Nach dem Exponent.) Für diejenigen, welche sich für die Frage der Auswanderung und insbesondere der jüdischen Auswanderung interessiren, ist der Bericht des Agenten der Gesellschaft für jüdische Auswanderer, des Herrn Moses Klein, über die Einwanderung in Philadelphia während Juni und Juli d. I., welcher beim letzten Meeting der Directoren jener Organisation eingereicht wurde, voll Interesse. Durch seine Vollständigkeit und seine interessanten Details wird er für den künftigen Geschichtschreiber über diesen wichtigen Gegenstand von großem Werth sein. Die ersten wenigen Monate des Jahres zeigten eine geringe Abnahme in der jüdischen Auswanderung, aber aus dem Bericht für Juni geht hervor, daß 257 jüdische Emigranten in unserem Hafen eintrafeu, eine Zunahme von 104 gegen letztes Jahr; aber der Juli brachte 144, eine Zunahme von nur 6 gegen 1886. Dies erweist genügend, daß die Bedrängniß nicht nur eine zeitweise ist, sondern ein ständiger und fortgesetzter Zufluß aus verfolgten Ländern nach dem Lande der Freiheit und des Gedeihens. Zunächst befaßt sich der Bericht mit der Nationalität dieser Emigranten. Wie gewöhnlich liefert Rußland die meisten; 169 der 257 jüdischen Auswanderer im Juni waren Russen. Dann kommt Galizien mit 29 Auswanderern, und dann Polen mit 28, Rumänien mit 12, Ungarn mit 10 und Kurland mit 7. Daraus ersieht man, daß die Fluth der jüdischen Auswanderung jetzt sich gänzlich auf das östliche Europa beschränkt. Sind diese Leute arm? Im Allgemeinen hängt dies nicht von der Zahl der Rubel ab, welche sie mitbringen, (was nach den ersten Monaten ganz ohne Belang ist) sondern von ihrem Alter und ihren Beschäftigungen. Nun, ans Monat Juni wird folgende Aufstellung einen genauen Ueberblick über das Alter der Auswanderer geben. Männliche. Weibliche. 16 zu 39 Jahren 94 16 zu 39 Jahren 62 10 zu 55 „ 26 40 zu 65 „ 10 3 zu 12 „ 22 3 zu 11 „ 26 3 zu 2 „12 2 Tage bis zu 2 Jahren 5 Dies zeigt, daß die große Majorität der jüdischen Auswanderer der ersten Blüthe des Lebens angehört, daß, so weit dieses Element in Betracht kommt, ist es nicht wahrscheinlich, daß sie nach den ersten Monaten der Anstrengung und des Leidens, durch welche sie sich für ihren neuen Beruf fähig machen müssen, unsrer Wohlthätigkeit zur Last fallen. Das andere Element, die Beschäftigungen, wird diejenigen überraschen, welche sich durch Vorurtheil oder allgemein verbreitete Meinung beeinflussen lassen. 99 der Auswanderer betreiben ein Gewerbe und nur 15 sind Hausirer. Unter den Gewerben herrschen am meisten Schneider vor; aber erstaunlich ist die Verschiedenheit. Da sind Uhrmacher, Landleute, Zimmerleute, Schneider, Glaser, Schmiede, Kupferschmiede, Gerber, Bäcker, Schuhmacher, Buchbinder, Krankenwärter, Fleischer, Maler, Tapezierer, Sattler, Schlosser, Bürstenmacher, Hutmacher, Destillateure, Cigarrenmacher, Pelzhändler; auch sind da fünf Maschinisten, ein Barbier; ein Auswanderer war ein Käsemacher, ein anderer ein Sodawassermacher (der wahrscheinlich sein Glück gemacht hat) und eine Menge anderer. Dies wird schon genügend beweisen, daß diese Auswanderer sicherlich ebenso thätig und nützlich sind als irgend eine andere Classe Menschen, die unsere Küsten aufsuchen. Bonn, 4. Sept. (Notizen.) Am 26. August wurde in Euskirchen eine neue Synagoge feierlich eingeweiht. Das „Bonn. Tgbl." schreibt: „Zur Feier der Synagogen- Einweihung hat unsere Stadt ein festliches Gewand angelegt; namentlich prangen die Straßen, welche der Festzug heute Nachmittag Passirt, in schönstem Flaggenschmuck und die Ännathurmstraße ist in eine via triumphalis umgewanwandelt." — Aus Warschau wird gemeldet: Die hauptsächlich von Juden bewohnte Stadt Lukniki (Gouvernement Kowno) ist vollständig niedergebrannt. — In Indien befinden sich nach der neuesten Zählung 18935 Juden und zwar: weiße Juden 1609 in Calcutta, Bombay, Cochin und Siugapore, schwarze Juden 2350 und Bene-Israel 15000. — Aus Pest wird uns mitgetheilt: Der Rabbiner der israel. Cultusgemeinde Waag-Bistritz Herr Markus Weiß, der ein halbes Jahrhundert als Rabbiner thätig war, ist den 17. d. M. im 85. Jahre seines Lebens gestorben. — Aus Pest wird uns geschrieben: Den 23. d. M. starb in Kittsee im Alter von 81 Jahren Hr. Meyer Abeles, Oberrabbiner des Wieselburger Comitats. Seinerzeit hat Abeles, der der streng orthodoxen Richtung angehörte, an dem jüdischen Congresse theilgenommen. — Aus Wien wird geschrieben: Veranlaßt durch das Ansuchen der Sechshauser israel. Cultusgemeinde, hat die Gemeindevertretung von Untermeidliug beschlossen, mit den dem Ortsfriedhofe benachbarten Grundbesitzern wegen Ankaufs des nöthigeu Areals zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes zu unterhandeln. — Zum Prorector der Universität Göttingen wurde Prof. vr. Frensdorfs gewählt. — Pest, 12. August. (Literarische Notizen.) Das mit einem Kalender versehene rumänische Jahrbuch für Israeliten „Annan pentru Israeliti“ unter der Redaction des fleißigen Herrn M. Schwarzfeld ist für das Jahr 5648 (1887—1888)