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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-08 · Heft 36 (8.9.1887) · p. Seite 567

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 36 (8.9.1887)
Date
1887-09-08
Page
Seite 567 (sequence 7)
Language
German
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Midrasch scheint sie am schönsten gelöst zu Habens. Viele Israeliten, heißt es darin, werden sich in Palästina, vorzüglich in Tiberias, niederlassen. Alsdann wird der Messias, der Sohn Joseph's, auftreten, dessen Name ist Nehemia ben Chuschiel aus dem Stamme Ephraim. Er wird die umwohnenden Völker besiegen: Amon, Moab, Eoom^)rc. Aber Gog Magog, der da herkommt vom Satan und dem schwarzem Stein, wird aufstehen, mit Israel einen Krieg beginnen, es schlagen und aus dem Lande Palästina treiben. Israel wird in die Wüste fliehen, daselbst 40 Tage, Manche sagen 40 Jahre, verweilen und von den Kräutern des Feldes leben. Den getödten Messias ben Joseph wird Gott selbst begraben. Aber Israel wird Buße thun, und dann wird der Messias ben David erscheinen, dessen Name ist Menachem ben Amiel aus dem Geschlechte David's. Dieser wird den frechen Gog besiegen, Israel wieder in sein Land führen, es groß und glücklich machen. Wenn er sein Werk wird vollendet haben, wird Gott zu ihm sagen: Verlange, was ich dir geben soll. Dieser wird antworten: Ich verlange nichts als Leben, und zwar Leben für den Messias ben Joseph. Gott wird seine Bitte erhören, und der wieder ins Leben gerufene Messias 1) Sein Bestreben geht auch dahin, die sich widersprechenden Agadas in Harmonie zu bringen, ob es ihm aber gelungen, ist eine andere Frage. Corr. -') Die Verfasser von Midraschim und Hngadas haben manchmal bei ihren phantastischen Ausmalungen, mit denen sie durchgehends gute Absichten verbinden, nicht nach den wirklichen Verhältnissen gefragt. So auch hier; denn Amon, Moab, Edom rc. waren zur Zeit des Verfassers unseres Midrasch längst aus der Reihe der Völker verschwunden. Corr. ben Joseph wird die 10 Stämme aus dem Ostjordanlande herbeiführen, und beide Messiase werden ohne Neid und Zwietracht mit einander herrschen. — Hierauf schildert der Midrasch mit den lebhaftesten Farben, wie später die Auferstehung der Tobten, das große Weltgericht, der Weltuntergang und, nachdem die zerstörte Welt, das Chaos, das siebente Jahrtausend hindurch augedauert, die neue Schöpfung sich vollziehen werde. — Der Verfasser dieses Midrasch, der die Ankunft des Messias noch vor Ablauf des fünften Jahrtausends, also vor 1239 gew. Z. erwartete, scheint im zwölften Jahrhundert gelebt zu haben. Denn seine Dreitheilung der Weltdauer, sein Chiliasmus, die angebliche Abstammung des Gog vom Satan, sind Ideen, von denen damals, trotz dem Widerspruche der christlichen Kirche, die Luft gleichsam geschwängert war. Namentlich war es der Abt Joachim vom Kloster Floris (starb 1201), ein contemplativer Mystiker, ein Mann von größtem Einflüsse, durch den diese Ideen eine große Verbreitung fanden, und der unter Anderem in dem aus einer häretischen Secte aufgetretenen Antichrist eine Jncarnirung des Satans erblickt. Der Verfasser unseres Midrasch suchte diese Ideen umzudeuten und sie im jüdischen Sinne und Geiste zu verarbeiten. Nach Plan und Anlage scheint er ihn dazu bestimmt zu haben, daß er in Synagogen und Vereinen vorgelesen werde und den Israeliten zum Trost und zur Erbauung gereiche. Alle die zukünftigen Vorgänge, die er in seiner Phantasie ausmalt, haben offenbar keinen anderen Zweck, als die Israeliten aufzufordern, dem Gotte ihrer Väter treu zu bleiben, der sie endlich zur Verherrlichung und Beseligung führen werde. 2>e llpivicj iwacljtidjl'ew. Deutschland. Berlin, 28. Ang. An dem Grabe Ludwig Lowe's auf dem Friedhöfe der Schönhauser Allee wird demnächst ein Denkmal aufgestellt werden. Dasselbe ist ein Werk des Bildhauers Lessing und besteht aus einem Obelisken mit plastischer und ornamentaler Ausschmückung, welche auf die politische, communale und gemeinnützige Thätigkeit des Verstorbenen hindeutel. Das Lessing'sche Modell soll in der nächsten Woche von Gladenbeck nach der Methode der Wachsausschmelzung in Bronze gegossen werden. Aufgestellt wird das Denkmal zum 11. September, an welchem der Todestag Löwe's zum ersten Male wiederkehrt. — Der Schächter Glosberg und fünf Wildprethändler waren, wie wir schon berichtet, wegen Unterlassens des Ausblutens nach dem Halsschnitte und wegen Rupfens der Hühner, während diese noch lebten, vom Schöffengericht zu je 50 Mk. verurtheilt worden. Sie hatten Berufung eingelegt. In der gestrigen Verhandlung vor der Y. Ferienstrafkammer bestritten sämmtliche Angeklagte jede böswillige Quälerei und behaupteten, daß die Hühner beim Beginn des Rupfens todt gewesen seien, zumal denselben noch nach dem Schnitt des Schächters ein Schlag auf den Kopf versetzt worden sei. Es sei bekannt, daß Körper von getödteten Thieren oftmals noch minutenlang nach der Tödtnng zucken; die hiesigen Wild- und Federviehhändler würden bekunden, daß die von den Angeklagten geübte Art des Rupfens die hier allgemein übliche ist und schließlich könne selbst in dem Rupfen bei lebendigem Leibe eine Thierquälerei nicht gefunden werden, denn es sei bekannt, daß z. B. die Schwäne der königlichen Gewässer

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