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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-01 · Heft 35 (1.9.1887) · p. Seite 558

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 35 (1.9.1887)
Date
1887-09-01
Page
Seite 558 (sequence 14)
Language
German
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558 bescheidenere Rolle zuertheilt wird. Juda wird von seinen Brüdern gepriesen, überwindet seine Feinde, gleicht dem Löwen, den Niemand zu reizen wagt, führt Scepter und Hcrrscherstab und lebt in Fülle und Ueberfluß. Joseph ist „ein Sohn wie Fruchlbaum, der seine Zweige über die Mauer streckt; er wird von Vielen angefeindet, bleibt aber fest und kräftig, und deshalb wird von Gott der reichste Segen ihm, dem gekrönten unter seinen Brüdern" erfleht. Wer diese beiden Absätze vergleicht, dem kann der Vorzug an Macht und kräftigem Willen, welcher Juda zuertheilt ivird, tvogegen Joseph zivar fruchtbar und ausdauernd, aber des göttlichen Segens besonders bedürftig, dargestellt wird, nicht entgehen. Hiermit aber scheint uns die Hypothese Maybaums ganz an Boden zu verlieren. Eigenthümlich ist es, daß so wie jüngst ein Autor versuchte, den moralischen Gehalt Judas als Stammvaters des Stammes herabzusetzon, hier die Machtsphäre Judas abgemindert wird. Und doch bestand das Reich Juda noch über 130 Jahre länger als Israel, und wurde zu dem mächtigen, bleibend lebenskräftigen Stamme, auf welchem ganz Israel weiter sproßte. Der Leser sieht, daß wir uns heute auf die Annahme Maybaums über die Abfassungszeit unseres Stückes gar nicht einlassen. Er hat hierin auch die Autorität sehr bedeutender Bibelforscher gegen sich. Ieuit Wie ich ins Amt Kam. Erinnerungen aus dem Jahre 1833. II. . Wie also schon bemerkt, waren die Aussichten auf eine praktische seelsorgerische Thätigkeit völlig trübe, und nach Paris zur Erreichung einer Lehrstelle höchst ungewiß, was nicht gerade erhebend auf das Gemüth wirkte. Glücklicher Weise war die Grundstimmung meiner Seele stets eine! heitere, und ich daran gewöhnt, zu tragen, was zu ändern j nicht in meinem Willen stand. Diese Unsicherheit betreffs j der Zukunft hatte sich auch während meines letzten Studien-! jahres in meinen Geistesprodukten bekundet. Hat man ein festes Ziel im Auge, das zu erreichen die besten Chancen! vorhanden sind, so geht man auf festen Füßen ihm entgegen. Einerseits aber arbeitete ich für die Zeitschrift „Polalirius," eine umfängliche Abhandlung aus: „Aristoteles als Naturforscher und hat er Einfluß auf die Medizin gehabt?" Und „die Vierfüßler bei Aristoteles", „die Meinungen der Alten über Geisteskrankheit" — andererseits die aus dem Codex Tlieodosianus gezogen, von der damaligen Kritik z. B. den Göttinger gelehrten Anzeigen mit Beifall aufgenommeue Broschüre: „Wie verloren die Juden das Bürgerrecht im west- und oströmischen Reiche?" Die Lebensgeschichte und Briefe Spinoza's zu dessen 200 jährigem Geburtstage, eine ausführliche Abhandlung über die ersten Kapitel des ersten Buches Moses in Heynemann's Jedidjah u. s. w. Noch heterogener war, was ich in jenen Monaten zu Magdeburg, allerdings noch mehr zu meiner Unterhaltung, fertigte. Damals war der Kampf zwischen der Homöopathie und Allopathie aufs Heftigste entbrannt. Nun besaß ich zufällig zwei! lateinische Abhandlungen des verst. Prof. Kurt Sprengel gegen diese neue Heilmethode. Diese übersetzte ich, versah sie mit einer geschichtlichen Vorrede und veröffentlichte sie. Auch ein l e t o n. satirisches Gedicht gegen die Homöopathie schmiedete ich, welches bereitwillige Aufnahme in der antihomöopathischen Zeitschrift von Di\ Alexander Simon in Hamburg fand. Da ereignete sich Folgendes. In der kleinen Stadt Osterburg in der Altmark wollte eine Witwe die Hochzeit ihrer Tochter | feiern. Da sie mit den Honoratioren des Städtchens und umwohnenden Gutsbesitzern in geschäftlicher und geselliger Verbindung stand und diese sehr neugierig waren, einer jüdischen Trauung, einer Seltenheit in dieser von wenigen Juden bewohnten Gegend, anzuwohnen, wünschte sie die Trauung in einer würdigen Weise vollzogen zu sehen. Sie wandte sich deshalb an einen Geschäftsfreund in Magdeburg, einen Mann, der ein großer Freund von Lecture war, er möchle ihr einen jungen Prediger verschaffen, der die Trauung vollziehe. Der Mann hatte Mehreres von mir gelesen und wußte, daß ich.in Magdeburg ansässig war: Er kam auf den Gedanken, daß ich es übernehmen würde und wandte! sich deshalb an meinen Bruder, den Arzt. Dieser trug mir! die Sache vor. Ich war nicht einverstanden damit; ich sei! noch zu jung (damals 21 Jahre) wandte ich ein, hätte noch! niemals gepredigt und getraut, wüßte deshalb nicht, ob es! gut ablaufen werde und für meine Laufbahn hätte es keinen i Zweck. Aber mein Bruder ließ nicht nach und meine Mutter | verband ihre Vorstellung mit den seinen. Ich sei vorbereitet genug, wandte er ein, und einmal müsse man doch anfangen; ich lernte doch das Leben in einer kleinen Stadt kennen, und das wäre auch schon etwas, und endlich gab er mir zu bedenken, daß das gute Honorar in meinen Verhältnissen nicht ohne Werth sei. Da ich gewohnt war, den Ansichten meines Bruders Folge zu leisten, willigte ich ein. Der Magdeburger Kaufmann benachrichtigte die Wittwe und nannte ihr natürlich meinen Namen. Da traf es sich, daß der Prokurist jener Frau gerade in einem der Häuser in Halle als

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