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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-01 · Heft 35 (1.9.1887) · p. Seite 557

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 35 (1.9.1887)
Date
1887-09-01
Page
Seite 557 (sequence 13)
Language
German
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557 Handlung Heinrich Keller in Frankfurt a. M. anzeigte, daß sie eine neue Ausgabe veranstalte von „Bilder aus dem altjüdischen Familienleben nach Original-Gemälden von Moritz Oppenheim, Professor. Mit Einführung und Erläuterungen von vr. Leopold Stein. Es bewies dies, daß eine bedeutende Anzahl von Exemplaren dieses Bilderwerkes verbreitet worden, daß also das jüdische Familienleben von seiner gemüthlichen und anmuthigen Seite noch immer vielen Anklang in den Herzen unserer Glaubensgenossen findet. Deßhalb, weil das Werk nun schon so vielfach gekannt und verbreitet ist, bedarf es einer ausführlichen Besprechung und besonderen Empfehlung nicht. Wollen wir einen einzigen Ausdruck für diese ganze Sammlung von Darstellungen aus dem jüdischen Familienleben suchen, so können wir keinen anderen finden als „liebenswürdig". Bon dem ersten Bilde „der Gevatter erwartet das Kind", bis zum letzten „die Rück-,' kehr des Freiwilligen" aus dem Kriege, werden nur die anziehenden und freundlichen Situationen aus dem jüdischen Familienleben dargestellt; alles Tragische ist vermieden. Sie unterscheidet sich daher in wohlthuender Weise von jener Belletristik, welche die Juden zum Gegenstände ihrer Dichtungen macht, und die sich ihre Vorwürfe gewöhnlich aus den Schwierigkeiten der Lebensverhältnisse und aus der Tragik der jüdischen Geschichte wählt. Die Vorzüge der vorliegenden Bilder beruhen weniger in der Charakteristik der Physiognomien, in den markanten Zügen der Personen, als vielmehr in den Eigenthümlichkeiten der Szenen, in den rührenden und anziehende» Situationen. Erhöht wird ihr Eindruck durch die geist- und schwungreichen Erklärungen des seligen Leopold Stein, welche den Bildern beigefügt sind. Tie Ausstattung ist in jeder Beziehung musterhaft. So wird das Publikum auch an dieser neuen Ausgabe lebhaftes Wohlgefallen finden und der Verlagshandlung für die Sorgfalt Dank wissen, welche sie auf die Herstellung des Werkes verwendet hat. Dem Urheber dieser Bilder, dem verewigten Prof. Oppenheim, ist diese neue Ausgabe ein abermaliges ehrendes Denkmal für seine Liebe zu seiner Religion und Glaubensgenossenschaft, welcher er durch sein ganzes langes Leben ununterbrochen seine Kräfte gewidmet hat. — Von dem neuen n:\N-n n^NS oder „ein religiöses Belehrungs¬ oder Erbauungsbuch, dem Texte der 5 Bücher Mose folgend vom emer. Prediger Lieb mann Adler (Chicago. Jll., E. Rubovits & Bro. 1887)", über welches wir jüngst ein ausführliches Referat gegeben, ist die zweite und dritte Lieferung erschienen, die bis zum 1. Mos. 22 reichen. Der Inhalt ist mannigfaltig und die Ausführung eigenartig in der von uns näher bezeichneten Art. Bonn, 23. August. (Literarische Notizen.) Wir erhalten den Separatabdruck einer Abhandlung des Rabbiners vr. S. Maybaum in Berlin aus der Zeitschrift für Völkerpsychologie B. XVII.: „Die Zerstörung des Tempels und des Prophetenhauses zu Silo." Wir halten die Sachkenntniß des Herrn vr. M. recht hoch, aber wir können mit seinen Voraussetzungen und Schlußfolgerungen öfter nicht übereinstimmen. In dieser Abhandlung stellt er dar, wie der Tempel oder das Heiligthum zu Silo, als unter Eli die heilige Lade von den Feinden genommen, wieder zurückgeschickt, aber nicht wieder nach Silo gekommen war, sein Ansehen verlor und durch den salomonischen Tempel gänzlich in den Hintergrund gedrängt worden. Er wirft nun die Frage ans: wann ist dieser Tempel zu Silo zerstört worden? worüber eben gar keine Nachricht vorhanden ist. Zur Beantwortung dieser Frage kommt aber der Verfasser dadurch, daß er in dem „Segen Jakobs" (1. Mos. 49, 10) die höchst schwierigen Worte: „bis er kömmt nach Silo" dahin auslegt, bis Juda! nach Silo kommt und den Tempel zerstört, und zwar in der Person Rehabeams in den ersten vier Jahren seiner Regierung. Daß Rehabeam die abtrünnigen Stämme wieder zu unterwerfen versuchte, wissen wir allerdings, weiter aber nichts, vr. M. folgert nun so: Durch den Verlust ihres Ansehens wurde die Pricsterschaft zu Silo dahin getrieben, in Ephraim und den übrigen Stämmen den Aufstand gegen Juda und Jerusalem anzuzetteln und zu schüren; so schon durch Jerobeam unter Salomo, wo es mißlang, während der Abfall der Stämme unter Rehabeam gelang. Weil nun Silo der Heerd des Aufstandes gewesen, zerstörte es Rehabeam. Bon einer geschichtlichen Sicherheit kann hierbei nicht die Rede sein. Aber >vie steht es mit jener gewagten Auslegung dek angeführten Worte? Zu diesem Behufs muß M. die folgenden Worte D'Dy nnp’ statt der allgemeinen Annahme „und ihm Gehorsam wird der Völker" im entgegengesetzten Sinne übersetzen „und eine Abnahme (Verlust) der Stämme erfährt," wozu er mp „versammeln" mit mD „schwach, matt werden," erklären muß. Aber >vie? Bedeuten denn die vorhergehenden Worte: Niemand wagt Juda anzugreifen und „nicht weichen wird das Scepter von Juda, der Herrscherstab inzwischen seiner Füße" nichts weiter, als eine Verminderung der Macht? Und fährt nicht nach den so von M. ausgelegten Worten der Lobpreis Judas fort und wird sein Reichthum, seine Fülle an Viehzucht und Weinbau, ja sein Ueberfluß mit glänzenden Bildern erst recht gerühmt? Der Zusammenhang entscheidet stets am nachhaltigsten über den Sinn zweifelhafter Worte. Unser Verfasser behauptet, das Gedicht stamme von einem Ephraimiten, der die Zerstörung Silos und den Abfall der Stämme hätte andeuten wollen — was allerdings sehr ungeschickt geschehen wäre. Wer aber den „Segen Jakobs", dieses ganz ursprüngliche, individuelle und individualisirende Gedicht unbefangen liest, wird darin den Bewunderer Judas und den innigen Freund Josephs zugleich erkennen, wobei demnach dem Joseph die

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