Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1887)
- Date
- 1887-09-01
- Page
- Seite 556 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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556 zur Traube, an dem auch der kath. Geistliche, Pfarrer Mangold und der Ortsvorstand theilnahmen. vr. Jarazewsky brachte den ersten, mit großer Begeisterung aufgenommenen Toast auf Se. Maj. den König aus. Ein Telegramm an Se. Maj. wurde huldvoll telegraphisch erwidert. Ein Ball schloß den schönen Festtag. — In Berlin fand am 18. d. die Trauerfeier für den verstorbenen Bühnen - Agenten Felix Bloch statt und hatte viele Hunderte von Leidtragenden nach dem jüdischen Begräbnißplatz bei Weißensee geführt. Das Hoftheater zu Dessau ließ durch Hofschauspielcr Theile einen Kranz auf den Sarg niederlegen. Der junge Maurice, Varena-Magdeburg u. A. waren persönlich herbeigeeilt. Maurice sen., Pollini, Direktor Brandes vom Breslauer Stadttheater, Direktor Pochmann aus Putbus, Direktor Wild aus Wien u. A. hatten schöne Blumenspenden eingesandt. Bon Berliner Direktionen überbrachten Anno, L'Aronge, Engel, Kurtz, Lautenburg, Hasemann und Scherenberg zugleich für die von ihnen geleiteten Bühnen prachtvolle Kränze. Auch Karl Weiß, Swoboda, Pansa, Guthery und viele andere Schauspieler hatten sich eingefunden. Bon Schriftstellern sahen wir Ed. Jacobsen und Oskar Justinius; v. Wildenbruch und Francis Stahl hatten Kränze niederlegen lassen. Die Gedächtnißrede hielt Rabbiner Maybaum, Gesänge begleiteten die Feier. — Wie uns aus Nürnberg geschrieben wird, ist am 21. d. M. der pens. Lehrer Herr Simon Krämer im 80. Lebensjahre nach längerem Leiden verstorben. Derselbe hatte einen langen Zeitraum hindurch in Altenmuhr segensreich gewirkt und sich auch als Schriftsteller besonders für die jüdische Jugend einen guten Namen erworben. Wir erinnern an „die Schicksale der Familie Hoch" (Dinkclsbühl 1839), „Hofagent. Maier" (Nördlingen 1844) „Bilder aus dem jüdischen Volksleben" (Altenmuhr 1845). Bis in sein hohes Lebensalter bewahrte sich der Verstorbene einen begeisterten Sinn für das Judenthum, für Volksbildung und Jugenderziehung. Ehre seinem Andenken! — Die Frau Heine-Furtado, welche vor Kurzem die Ehrenlegion erhalten hat, erwarb sich soeben ein neues Berdienst durch eine wohlthätige Stiftung. Sie gründete am Ufer des Meeres in Pen-Brac ein Hospital für skrophulöse Kinder, das 50 Pensionäre aufuehmen kann und in nächster Zeit eröffnet wird. — Am 20. d. M. verschied zu Wien der Schriftsteller Johannes Nordmann im Alter von 67 Jahren. Gewiß verdient der Heimgegangene, daß auch an dieser Stelle seiner ehrend gedacht werde; denn er gehört zu den humansten, konsequent freisinnig gesinnten Schriftstellern, die unter allen Verhältnissen ihrer Ueberzeugung treu geblieben. Für ihn bestand in allgemein menschlicher Beziehung kein confessioneller Unterschied. Besonders bethätigte er dies als Präses des Schriftsteller- und Journalisten-Vereins Concordia und er nahm als solcher Gelegenheit, die Verdienste jüdischer Schriftsteller in gleichem Maße wie die anderer zu feiern. Je seltener in unserer Zeit diese Männer, die ihre Bildung aus den dreißiger und vierziger Jahren zogen, gegenwärtig werden, desto herzlicher müssen wir deren Andenken in Ehren halten. — Da wir einmal von dem Israel Lipski Notiz genommen, müssen wir bemerken, daß, nachdem die Vollstreckung des Todesurtheils angeordnet worden, er vor dem jüdischen Prediger Singer von der Synagoge am Petersburgplatze in London ein reuiges Geständniß abgelegt hat, weil er, wie er sagte, nicht mit einer Lüge auf den Lippen vor dem höchsten Gerichte erscheinen wolle. Seine Verurtheilung war also gänzlich gerechtfertigt. — Wenn in dieser Zeit häufig über die Jubiläumsfeier bedeutender Persönlichkeiten berichtet wird, so ist wohl auch ein Hinweis auf das Jubiläum einer segensreich wirkendenen Anstalt am Platze. Das „internationale Pensionat, Handels- und Sprach-Jnstitut von L. Kahn in Brüssel" hat jetzt einen 25 jährigen Bestand zurückgelegt und bildete in diesem Zeiträume hunderte von jungen Leuten für ihren Beruf zweckmäßig aus. Dabei können wir diesem Institut nachrühmen, daß es für die religiöse Erziehung seiner Zöglinge eifrige Sorge trägt. — Der Präfekt des Orne-Departements Sse (Israelit wurde zum Präfekten der Hautc- Saäne ernannt. — Am 15. Mai d. I. verstarb der Lehrer Calmer Gossels zu Crossen a. O. im kräftigen Mannesalter, nachdem er vor einiger Zeit sein 25 jähriges Amtsjubiläum gefeiert hatte. Er hatte alle Cultusämter zusammen, Prediger, Cantor, Lehrer und Schächter mit der größten Pflichttreue vollzogen, und war durch seinen Eifer, stete Freundlichkeit und Dienstwilligkeit und seinen ehrenhaften Charakter und sein seelsorgerisches Geschick ein Vorbild für seine Standesgenossen. Ehre seinem Andenken! — Aus Skalat (Galizien) wird mitgetheilt: In der Nacht vom 25. Juli d. I. wurde der Eingang in das jüdische Bethaus erbrochen, die dort befindliche Bibliothek geplündert, die Bücher zerrissen und theils in den nahen Teich geworfen, theils bei den Häusern der der Bürgerpartei angehörenden Gemeinderäthe niedergelegt. Im Bethause selbst wurden die Einrichtungsgegenstände mit wahrem Vandalismus behandelt. Sechs Individuen, die dieser That verdächtig sind, wurden dem Strafgerichte eingeliefert. — Aus Galgocz (Ungarn) wird geschrieben! Eine Feuersbrunst äscherte am 31. Juli Nachts die hiesige israelitische Schule sammt der inner» Einrichtung, der Bibliothek und den Lehrmitteln ein. — Professor vr. Ros enstein, ein Sohn des sel. Rabbinats- Assessors Rosenstein in Berlin, ist zum Rector Magnificus an der Leydener Universität gewählt.! Bonn, 23. August. (Literarische Notizen.) Es machte uns eine besondere Befriedigung, als uns die Buch-