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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-01 · Heft 35 (1.9.1887) · p. Seite 555

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 35 (1.9.1887)
Date
1887-09-01
Page
Seite 555 (sequence 11)
Language
German
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555 des Capitols bedarf und es nicht besitzt. Es finden sich dann inimer Menschen ohne Unterschied der Nation und der Confession, die den Wucher produciren und prakticiren. Waren doch in denselben Gegenden in Athen und Peloponnes zu der Zeit der Römer die römischen Prätoren und anderen Beamten die furchtbarsten Wucherer Md. der tugendhafte Brutus lieh den Athenern Geld zu 48 pCt., um die Contributionen zu zahlen, die er im Namen des Senats ihnen auferlegt hatte. Es wäre in der That eine wichtige Aufgabe, die Geschichte des Wuchers gründlich zu schreiben, und da würde Griechenland einen besonderen Schauplatz dazu liefern. ' Amerika. Washington, 2. August. (Privatmitth.) Wir hatten bereits mehrfach zu berichten, daß sich in der nordamerikanischen Union eine starke Agitation gegen die unbedingte Einwanderung erhoben hat. In der jetzigen Zeitlage sind wir als Juden an dieser Erscheinung sehr interessirt, da Amerika für zahllose schwer bedrückte Glaubensgenossen die letzte Zufluchtsstätte ist. Es wird daher der A. Z. d. Jud. zur Pflicht, der Entwickelung dieser höchst bedeutsamen, die ganze civilisirte Welt berührende Frage genau zu verfolgen. So hielten jüngst die Demokraten Ohio's einer Staatsconvention ab, und ihnen folgten die Republikaner. Sie faßten eine Resolution gegen die Einwanderung, die sich einentheils gegen die Anarchisten und Nihilisten, andererseits gegen die Arbeiter richtete. Dieser letztere Punkt ist erklärlich, weil die Arbeiter die weitere Concurrenz fürchten, aber sonderbar, da die Mehrzahl der Arbeiter eingewandert ist und nun die Thüren hinter sich zuschlagen will. Im ganz gleichem Sinne sprach sich soeben die Staatsconvention der Demokraten Marylands aus, und andere Conventionen werden folgen. In vielen Städten des Ostens und des Westens haben Versammlungen stattgefunden, welche die Nothwendigkeit der Beschränkung der Einwanderung resolvirten. Viele meinten, die Länder der Union seien bereits genugsam bevölkert und der Volkscharakter werde durch die Einwanderung alterirt werden. Das Erstere findet nur in bestimmten Staaten statt, und andere bieten noch ungeheuren Raum für den Zuwachs; andererseits hat sich der amerikanische Volkscharakter innerhalb der unaufhörlichen Einwanderung gebildet. Man richtet seine Gegnerschaft gegen die drei bedeutendsten Elemente der Einwanderung: die Iren, die Deutschen und die Russen, unter welchen letzteren man vorzugsweise die polnischen und russischen Juden versteht. Es steht in bestimmter Weise zu erwarten, daß in der nächsten Congreßsitzung Anträge auf Beschränkung der Einwanderung eingebracht und daß über diese harte Kämpfe erstehen werden. Niemand weiß nämlich, wie die Sache anzugreifen sei. Denn die Einwanderung überhaupt zu verbieten, ist unmöglich; welche Bedingungen nun aber aufzustellen wären, ist nämlich schwer zu finden. Denn selbst die Anarchisten und Nihilisten, die man besonders zunr Vorwände für die Einschränkung nimmt, lassen sich äußerlich nicht erkennen. Man muß es abwarten, welche Gestalt die Dinge annehmen, was jetzt noch nicht voraussichtlich ist. Bonn, 28. Aug. (Notizen.) Auf die Spuren des ältesten jüdischen Friedhofes in Berlin stößt man bei Erdarbeiten in der Georgenkirchstraße. Hier befand sich der jüdische Begräbnißplatz bis zur Vertreibung der Juden unter Kurfürst Joachim II. Der in der Großen Hamburger Straße wurde erst nach der Zulassung der Juden unter Kurfürst Friedrich III. angelegt. Die Grundstücke zwischen der engen Georgenkirch- und der Landwehrstraße haben eine überraschende Tiefe. Es erklärt sich dies daraus, daß sie einst sämmtlich Friedhöfe waren. — Die „Schwab. Kronik" schreibt aus Neresheim, 21. Juli. Unter sehr zahlreicher Betheiligung von hier und auswärts, sowie unter gütiger Mitwirkung des hies. Gesangvereins fand gestern Abend im Adlersaale dahier eine Abschiedsfeier zu Ehren des dieser Tage nach Nördlingen abgehenden O. A. Thierarztes Heß (Jude) statt. O. A. M. Stammer feierte den Scheidenden, der 40 Jahre, davon 29 Jahre als O. A. Thierarzt im hies. Bezirke thätig war, in trefflicher Rede und hob besonders seine rastlose Thätigkeit, seinen Diensteifer und seine Pflichttreue rühmend hervor, worauf O. A. Thierarzt Heß in bewegten Worten unter gleichzeitiger Empfehlung seines ebenfalls anwesenden Nachfolgers O. A. Thierarzt Hetzel dankte. Neallehrer Marschall brachte der Gattin des Gefeierten, deren Andenken besonders auch unter den Armen und Kranken der hiesigen Bevölkerung kaum in Vergessenheit gerathen dürfte, warme Worte entgegen. Die ihm verliehene goldene Zivilverdienst' medaille, sowie die werthvollen Geschenke von Seiten der Amtskorporation und des landw. Bezirksvereins werden beni Scheidenden demnächst in feierlicher Weise überreicht werden. — Ferner aus Rexingen, O.A. Horb, 14. Aug. Die hiesige israel. Gemeinde beging gestern das Jubiläum des 50jährigen Bestandes ihrer Synagoge. Diese ist eines der schönsten jüdischen Gotteshäuser Württembergs und wurde im August 1837 vorn Kirchenrath Di-, v. Wassermann, damaligem Bezirksrabbiner in Mühringen, eingeweiht. Derselbe, der auch die Festrede beim 25jährigen Jubiläum gehalten hatte, war von der Gemeinde zur Feier eingeladen worden, war aber dienstlich verhindert, der Einladung Folge zu leisten. Die Feier verlief in erhebender Weise. Ein Festzug bewegte sich zur schön geschmückten Synagoge, woselbst Festgottesdienst stattfand und der Bezirksrabbiner Dr. Jarazewsky von Mühringen eine mit großem Beifall aufgenommene Festrede hielt. Um 12 Uhr war Festlnahl im Gasthof 3f>*

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