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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-09-01 · Heft 35 (1.9.1887) · p. Seite 550

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 35 (1.9.1887)
Date
1887-09-01
Page
Seite 550 (sequence 6)
Language
German
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550 Körper gottähnlich; vielmehr ist das „Bild" gesagt in Bezug auf die Beherrscherin der Seele, die Vernunft. Denn nach der göttlichen Vernunft, wie nach einem Muster für alle, wurde die Vernunft in jedem Einzelwesen nachgebildet, gleichsam ein Gott für den sie umgebenden und sie verehrenden Körper. Denn was der große Herrscher in der ganzen Welt ist, das ist gleichsam die menschliche Vernunft in dem Menschen. Sie ist nämlich unsichtbar, selbst aber Alles erblickend, ist in ihrem Wesen unbegreiflich, während sie das Wesen der anderen begreift, und mannichfaltig an Künsten und Wissen öffnet sie sich alle Straßen und durchwandert Land und Meer, indem sic die Erzeugnisse beider erforscht. i,Aehnlich in Berachoth.) Und dann erhebt sie sich wie auf Fittigen, betrachtet den Luftraum und dessen Zustände, dringt noch höher bis zum Aether, dreht sich zugleich mit den himmlischen Umdrehungen des Planeten- und Fixsternentanzes nach den vvllkoinmenen Gesetzen der Musik, und der Liebe zur Weisheit als Führerin folgend, entwindet sie sich dem ganzen körperlichen Wesen und begehrt dann nur noch den geistigen." — Fügen wir nun die Schlußfolgerungen hinzu, welche Philo aus der mosaischen Schöpfungsgeschichte zieht. „In dem Buche der Wellschöpfung nun lehrt uns Moses außer vielen anderen Dingen besonders fünf sehr schöne und höchst vorzügliche. Zuerst daß Gott existirt und herrscht! wegen der Atheisten, von denen die Einen zweifeln, indem sie über seine Existenz ungewiß sind, die Anderen aber, kecker, sich erfrechen zu sagen,, er existire überhaupt nicht; die Menschen erdächten ihn nur, indem sie durch sagenhafte Trugbilder die Wahrheit verdunkelten. Zweitens daß Gott einzig ist, wegen der Anhänger der polytheistischen Meinung, die sich nicht schämen, die schlimmste der schlechten Verfassungen, die Herrschaft der Menge, von der Erde in den Himmel zu verpflanzen. Drittens, wie schon berührt, daß die Welt entstanden ist, weil Einige glauben, daß sie nicht entstanden und ewig sei, indem sie Gott keine Beschäftigung zuertheilen. Viertens, daß auch diese geschaffene Welt Eine ist wie ihr Schöpfer Einer, der in seiner Einheit sein Werk sich selbst gleich machte, das sein ganzes Wesen zur Vorbringung des Alls gebrauchte; denn es wäre nicht das All gewesen, wenn es nicht aus allen Theilen zusammengefügt und bereitet wäre. Einige nehmen nämlich mehrere Welten an, andere sogar unzählige, unwissend und unkundig der Wahrheit in Dingen, die zu kennen rühmlich ist. Fünftens, daß Gott auch für die Welt sorgt. Denn das Schaffende kümmert sich stets um das Geschaffene, und zwar nothwendigerweise nach den Gesetzen und Vorschriften der Natur, wie die Eltern für das Kind. Wer nun dies weniger durch Gehör als durch Nachdenken erkannt und die bewunderungswürdigen und kostbaren Grundsätze in seine Seele eingegraben hat: daß Gott ist und existirt, daß er, der in der Thal ist, nur einer ist, daß er die Welt schuf, daß er sie als eine schuf, indem er, wie gesagt, sie seiner Einheit ähnlich machte, und daß er immer für seine Schöpfung sorgt: der wird ein glückliches und seliges Leben führen, gestaltet nach den Vorschriften der Frömmigkeit und Gottesfurcht." — Der Leser ersieht hieraus, wie der jüdische platonisirende Philosoph ganz und gar auf dem Boden des Judenthums steht. Deutschland. Bonn, 21. Aug. (Privatmitth.) Wir haben in Nr. 33 sogleich hinsichtlich der Mitthcilung Wiener Blätter, die All. isr. univ. habe für die jüdischen Colonien in Palästina Scheidemünzen prägen lassen, geäußert, daß dies eine „Ente" sein müsse. Wir erhalten darüber folgende Zuschrift: Berlin, 18. Aug. 1887. Gestatten Sie Unterzeichneten,, der, wie Sie wissen werden, über „Palästina" gut informirt ist, folgende Berichtigung: Die Notiz aus Wien über die jüdischen Dörfer ist in ihrer jetzigen Fassung absolut erfunden. Es sind (am wenigsten unter Garantie der Alliance) keine Münzen auf den Dörfern geschlagen worden. Nur ein Versuch ist vor längerer Zeit gemacht worden, aber auch in einem anderen Dorfe, in „Sichren Jacob", dieser Versuch aber sofort aus internen Gründen aufgegeben worden. Die Alliance hatte gar nichts damit zu thun. Willy Bamberg. Wir erhalten über denselben Gegenstand noch folgende i Zuschrift:; Mehrere jüdische (auch politische, z. B. die „Franks. Z." Redact.) Zeitungen, unter ihnen auch die „Zeitung des Judenthums Nr. 33", brachten die Mittheilung, es seien in Palästina von den verschiedenen Colonien, „PessachTikwah", „Mikwah i Israel" u. A., unter Garantie der Alliance israelite univer- | seile in Paris, bronzene Scheidemünzen geprägt resp. verausgabt worden, welche auf einer Seite die Angabe des Werthes, auf der anderen die Initialen A. I. U. tragen. Diese auffallende Nachricht veranlaßte mich, an das Central-Comitv in Paris eine Anfrage zu richten, worauf ich umgehend folgende Erklärung mit der Bitte, dieselbe zu verbreiten, erhielt.

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