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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-25 · Heft 34 (25.8.1887) · p. Seite 541

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 34 (25.8.1887)
Date
1887-08-25
Page
Seite 541 (sequence 13)
Language
German
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541 schon zum Opfer gefallen. Alles eilte, Häuser und Wohnungen nach Möglichkeit zu verrammeln und Hab und Gut für den Fall der Flucht zu packen. Das Gerücht schien auf Wahrheit zu beruhen, da Militär zu den Fabriken hin ausrückte. Zum Glück erwies sich das Gerücht als übertrieben. Es war zwar zu Unordnungen gekommen, doch bestanden dieselben in einer blutigen Schlägerei zwischen den Arbeitern der verschiedenen Fabriken unter einander, und es gelang dem energischen Einschreiten der Polizei, derselben ein baldiges Ende zu bereiten, so daß das requirirte Militär gar nicht in Action zu treten brauchte. Gegen 70 Mann wurden verhaftet, Todte sind nicht zu verzeichnen, dagegen viele schwere Verwundungen. Bonn, 21. August. (Notizen.) Man schreibt aus Mannheim vom 12. d. Wie bekannt, wurden die durch Alter baufällig gewordenen Gebäude der L. M. Klausstiftung dahier abgebrochen nnd werden zur Zeit durch stattliche Neubauten ersetzt. Dieselben sind soweit vorgeschritten, daß gestern früh 7 Uhr die feierliche Grundsteinlegung für die zur Klausstiftung gehörige Synagoge stattsinden konnte. Trotz der frühen Tagesstunde hatte sich ein sehr zahlreiches Publikum zu diesem Weiheacte eingefunden. Herr Simon Bensheim , Vorsitzender der Klaus-Commission, eröffnete die feierliche Handlung durch eine, nach Form und Inhalt wohlgelungene Ansprache, über den Ursprung der Klausstiftung und Zweck der heutigen Feier, der die Verlesung der in den Grundstein einzulegenden Documente folgte. Hierauf hielt Herr Stadtrabbiner Dr. Appel die eigentliche Weiherede, eine meisterhaft schöne Rede von geradezu ergreifender Wirkung, welche sich an die Erzählung der heiligen Schrift von der allerältesten Grundsteinlegung zu einem Gotteshause durch Jakob anschloß und den Dank gegen die Vorsehung für den seitherigen Schutz und das Vertrauen auf Gottes ferneren Beistand zum Ausdruck brachte. Redner schloß mit dem Wunsche, daß der Bau vollendet werden möge, dem Begründer und den Erbauern zum Ruhme, der israelitischen Gemeinde und der Gesammtheit zum Heile, der Stadt zur Zierde. Dann wurden die Documente, welche auf die Stiftung und den Wiederaufbau Bezug haben, die von Herrn vr. Appel beim Abschied aus der ehemaligen Klaussynagoge am 12. März d. I. gehaltene Rede, sowie ein Kalender und je eine Nummer aller hiesigen Zeitungen vom gestrigen Tage') in den Grundstein eingelegt, worauf von den anwesenden Herren der Klaus-Commission und des Synagogenrathes die üblichen drei Hammerschläge erfolgten. Zum Schlüsse brachte der Architekt des Baues, Herr W.Man ch ot, Namens aller bei dem Bau Beschäftigten seine Wünsche für die glückliche Vollendung des Baues dar und empfahl das Gelingen der Arbeiten dem Schutze des höchsten Baumeisters. Hiermit schloß die würdige Feier, die gewiß bei allen Theilnehmern das Gefühl aufrichtiger Befriedigung hinterlassen hat. — Stöcker als Kläger. In Berlin wurde dieser Tage ein Proceß entschieden, der aus dem Jahre 1880 herrührte. Der Hofprediger Stöcker hatte einen gewissen Rosenfeld, früher Schauspieler, jetzt Kaufmann, der in seiner äußeren Erscheinung viel Aehnlichkeit mit ihm, Stöcker, haben soll, angeklagt, ihn in der Carnevalgesellschaft „Eulenspiegel" zweimal carrikirt zu haben. Bis jetzt hatten sich die Verhandlungen-hingezogen, da der Kläger immer neue Zeugen aufstellte. Das Gericht entschied auf Freisprechung, da der Beweis nicht erbracht worden sei, daß der R. den Stöcker wirklich carrikirt habe. — In London wurde jüngst ein polnischer Jude, Lipski, bis jetzt vom besten Leumund, der sich vom Anfertigen von Spazierstöcken nährte, zum Tode verurtheilt, weil er eine junge Frau eines andern jüdischen Arbeiters getödtet haben sollte. Der Beweis erschien dem Publikum sehr schwach und nur das Produkt einer Combination. Es wurde deshalb aus dessen Mitte ein Gesuch um Rückgängigmachung des Todesurtheils an den Minister des Innern gerichtet, was er jedoch ablehnte; doch hat er dem Vertheidiger des Angeklagten, Herrn Heyward, der von dessen Unschuld überzeugt ist und auf eigene Kosten Anstrengung macht, ihnzuretten, alleUnterstützung zugesagt. Man ist auf den Ausgang gespannt. — Der dänische Romanschriftsteller und Journalist Meyer Aron Goldschmidt, dessen Tod am 15. d. M. zu Kopenhagen erfolgte, hat ein Alter von 68 Jahren erreicht und ist zu Vordingborg in Jütland geboren. In den vierziger Jahren machte er sich durch eine satirische Wochenschrift „Der Korsar" bekannt. Einzelne Artikel trugen ihm Strafhaft ein und er machte sich für lange Zeit in Rom ansässig. Unter seinen Romanen liefert „Der Jude" ein treues Bild der Sitten und Gepflogenheiten seiner israelitischen Glaubensgenossen. Er wurde unter dem Pseudonym Adolf Meyer veröffentlicht und auch ins Deutsche übersetzt. Auch seine Novellen sind theils von Reinhardt (1874), theils von Peters (1875) ins Deutsche übertragen. i) Und warum nicht ein Exemplar jüdischer Zeitschriften des Tages? Vor einiger Zeit war dies bei derartigen Grundsteinlegungen der Fall — und jetzt? Redakt. d. A. Z. d. Jud.

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