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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-08-25 · Heft 34 (25.8.1887) · p. Seite 538

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 34 (25.8.1887)
Date
1887-08-25
Page
Seite 538 (sequence 10)
Language
German
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538 beträchtliche Beiträge liefert, und die Engländer gewiß nicht geneigt sind, französische Politische Zwecke zu unterstützen. Die Alliance giebt auch Beiträge zu den galizischen Schulen, in welchen nur deutsch und polnisch gelehrt wird. Alles dies sind keine unbekannten Sachen und können halbjährlich und monatlich aus den Veröffentlichungen der Alliance ersehen werden. Die Judenfresser wollen sich aber nicht überzeugen und nicht überzeugen lassen! Wir unsrerseits können nur Protest dagegen erheben. Marburg, 15. August. (Frkf. Ztg.) Der hier voriges Jahr gegründete antisemitische Reformverein feierte gestern in dem nahen Bad Marbach sein Stiftungsfest und hatte damit eine große Volksversammlung, in welcher als Hauptredner der österreichische Antisemiten-Agitator und Reichsraths-Abgeordneter Ritter von Schönerer auftrat, verbunden. Obgleich hier durch große Plakate an den Straßenecken und im „Reichsherold" zur Theilnahme hieran eingeladen und in letzterem sogar zur Beflaggung der Häuser aufgefordert worden war, hatten — zur Ehre Marburgs sei es gesagt — der letzteren Aufforderung nur 6—8 hiesige Einwohner entsprochen, dagegen aber viele Bauern aus der Umgegend sich zur Versammlung eingefunden. In dieser hielt der genannte Agitator einen zweistündigen Vortrag über das Deutschthum in Oesterreich und seine Kämpfe mit dem Judenthum, schilderte in anschaulicher Weise, wie die Deutschen dort von den Slaven und Juden bedrängt würden, pries demgegenüber die Entstehung des Antisemitismus als eine große nationale Errungenschaft und verlangte als Heilmittel gegen die Juden Ausnahmegesetze, wie sie in dem freien Amerika gegen die Chinesen beständen. Hierauf dankte vr. Böckel in einer kurzen Ansprache dem Redner für seinen interessanten Vortrag und es folgte dann Coneert einer auswärtigen Capelle, da dem hierzu anfangs engagirten Musikcorps des hiesigen Jägerbataillons, jedenfalls infolge höherer Weisung, die Erlaubniß hierzu versagt worden war. Vom Rhein, 16. August. (Privatmitth.) Daß man, wenn man keine Siege, ja nicht einmal einen Fortschritt zu verzeichnen hat, sich darauf legt, kleine Ereignisse zu großer Bedeutung aufzubauschen, hat Niemand öfter erwiesen, als die evangelische Mission zur Bekehrung der Juden. Wir haben den „kirchlichen Anzeiger für die evangelischen Gemeinden in Bonn und Umgegend" vom 14. Aug. vorliegen. Das Blättchen wird außer den kirchlichen Anzeigen von einem Artikel „die merkwürdige juden-christliche Bewegung in Bessarabien" ausgefüllt. Als Motiv dieser Mittheilung wird die oft gehörte Klage aufgestellt, wie „wenig Theilnahme man der Judenmission in christlichen Kreisen schenke und wie wenig Vertrauen man zu ihren Erfolgen habe." Dies ist ein offenes Bekenntniß und muß also wirklich Vertrauen finden. Diesen Mangel an Theilnahme und Vertrauen will man nun durch die längst abgethane Geschichte des Joseph Rabbinovicz in Kischinev bekämpfen, der in seinem Berufe als Advocat Schiffbruch gelitten und dann als Missionär sein Glück versucht hat. Seine Erlebnisse, und wie er auf dem Oelberge zu einem gläubigen Christen geworden und versucht hat, eine juden-christliche Gemeinde in Kischinev zu gründen, werden weitläufig erzählt und versichert, daß er in Bessarabien bedeutende Erfolge gehabt. Hierfür wird aber keine einzige Thatsache als Beweis angeführt, selbst nicht aus den Mittheilungen des Prof. F. Delitzsch, der die Bemühungen des Rabbinovicz eifrig protegirte. Bekanntlich ist die ganze Sache in Bessarabien wieder verschwunden und Rabbinovicz selbst nach Deutschland herübergekommen. Hierüber wird natürlich Stillschweigen beobachtet. Unwillkürlich gesteht dies aber dieser Artikel selbst zu, wenn er zum Schluffe die Aeußerung des Prof. Delitzsch anführt, daß der Uebertritt Israels zum Christenthume noch in weiter Ferne liege. Man erinnert sich dabei lebhaft an Ihren jüngsten Leitartikel über „eine christlich-theologische Ansicht", daß nämlich ein Theil der evangelischen Theologen die Ansicht hegt, der Uebergang des ganzen Israels zum Christenthume sei für die „Erfüllung" des letzteren nothwendig. Sicherlich hat Rabbinovicz zur Erreichung dieses Zieles äußerst wenig beigetragen, und der angeführte evangelische kirchliche Anzeiger konnte sich getrost den ganzen Artikel ersparen, wenn er die volle Wahrheit mittheilen wollte. Oesterreich-Ungarn. Innsbruck, 2. August. Auch Tirol soll von den Antisemiten mit einem „Tiroler Bauernverein" beglückt werden. Das „Innsbrucker Tagblatt" berichtet, daß die Gründer dieses Vereins ihre Statuten der Statthalterei am 11. Juli zur Prüfung eingesendet haben und darauf schon am 16. Juli die Erledigung erhielten, daß die angezeigte Bildung eines politischen Vereins in Innsbruck unter dem Namen „Tiroler Bauernverein" im Sinne des Vereinsgesetzes und nach Inhalt der vorgelegten Statuten „nicht untersagt" werde. Diese Vereinsstatuten, zu Zwettl in Oesterreich gedruckt, wurden an einzelne Auserwählte im Lande Tirol vertheilt: sie haben aber vorläufig durch ihr auffallend schlechtes Deutsch nur die Heiterkeit der Leser erregt. Das „Innsbrucker Tagblatt" begleitet den Inhalt dieser Statuten mit folgenden trefflichen Glossen: Was den Inhalt der Statuten anbelangt, so erscheint nach denselben als Zweck des Vereins „die Förderung der Interessen des Bauernstandes nach jeder Richtung und insbesondere die Stärkung des deutschen Stammesbewußtseins, sowie die Besprechung nationaler, politischer und wirthschaft-

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